Kapitalistische Ökonomie als Horror

„Hostel“ (2005) und „Hostel: Part II“ (2007) vo [...]

„Hostel“ und „Hostel II“[1] setzen aktuelle ökonomische Diskurse als Horror-Ästhetik um. Das Hauptthema beider Filme ist eine neue Form des modernen Kapitalismus, die sowohl Expansion des Kapitals nach Außen wie Globalisierung[2] als auch nach Innen wie Kommerzialisierung intimer Lebensbereiche bis hin zu individuellen Identitätskonzepten[3] auffasst. Freud umformulierend wird Ökonomie zum Schicksal des männlichen Subjektes, die aber die Form des Destruktions- bzw. Todestriebes einnimmt. Beide „Hostels“ präsentieren das heutzutage bevorzugte Wirtschaftssubjekt als Lustmörder.

weiter lesen →

Mash up oder deutsche Strenge

European Media Art Festival Osnabrück 2010 [...]

„Mash Up“ war das Motto des diesjährigen European Media Art Festivals in Osnabrück. Gemeint ist damit die Collage und Vermischung vorhandener Medienbilder, was dann zu einem eigenen ästhetischen, satirischen und subversiven Stilmittel wird. Bemerkenswert jedoch, dass sich gerade mehrere deutsche Filmemacher mit ihren neuen Werken genau diesem Mash Up weitgehend entzogen und ihren individuellen Stil fortgeführt haben.

weiter lesen →

Sam Spence – Zu Gast bei der deutschen Rockmusik

Sam Spence Sounds (Sam Spence, Finders Keepers 2010) [...]

„Dulcimer“ heißt ein Club in Manchester, der vor allem durch sein eigenwilliges Beschallungsprogramm Bekanntheit erlangt hat. Dort legen Andy Votel und Dom Thomas eine Musik auf, die man so nirgendwo in der Stadt zu hören bekommt. Sie nennen es Turk-Jerk oder Global-Glam. Lange konnte man ihre B-Music-Mixe als „Dulcimer’s podcast – music from the bar“ abonnieren. Kommentarlos wurden die Abende zu persischem Pomegranates Pop oder French Freek gestreamt und anschließend in Internetforen diskutiert. Ob unbekannte Rockmusik aus Osteuropa und der Türkei, vergessene Library-Elektronik, Krautrock oder Filmmusik aus Pakistan, immer interessant und im Blick war die ungewöhnliche landestypische Brechung eines allgemeinen Popverständnisses der 70er Jahre – Musik von vertrauten Fremden für unbekannte Spezialisten.

weiter lesen →

Vom Nutzen der Bücherverbrennung & Co.

Alien, Marx & Co. – Slavoj Žižek im Porträt (D 2005, [...]

Es ist nicht gerade so, dass es dringend an der Zeit wäre, dem slowenischen Philosophen Slavoj Žižek endlich eine Präsenz in bewegten Bildern zu geben. Über den Lacanianer gibt es ganz im Gegenteil bereits eine Vielzahl an filmischen Abarbeitungen. Man erinnere sich etwa an Astra Taylors Königsportrait “Zizek!” von 2005, bei dem sich erlernen ließ, dass der wuschelige Wirrkopf seine Unterhosen im Geschirrschrank aufhängt. Taylor war es auch, die ihn drei Jahre später in ihrer episodischen Philosophenansammlung “Examined Life” auf die Müllkippe schickte, um den Marxisten darüber schwadronieren zu lassen, warum der Mensch angesichts des eigenen Abfalls in Transzendenzzustände fallen sollte, anstatt dem romantischen Gedanken der Liebe zur Natur nachzuhängen. Schließlich ist da noch “The Pervert’s Guide to Cinema“, in welchem Žižek selbst zum Erzähler wird und das tut, was er am Liebsten macht: Schwatzen, palavern, plappern über Film, auf Film, im Film.

weiter lesen →

Traumabilder

Anton Kaes: Shell Shock Cinema. Weimar Culture and the [...]

Die Zeit der Weimarer Republik ist als Zeit des Umbruchs und des produktiven Chaos im kollektiven Gedächtnis verankert. Kultur und Kunst befanden sich in permanenter Bewegung. Der Film schickte sich an als Kunstwerk akzeptiert zu werden. Filme wie “Das Cabinet des Dr. Caligari” erregten großes Aufsehen und Regisseure wie Fritz Lang und F.W. Murnau sorgten für internationales Renommee. Später, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, sah der Filmsoziologe Siegfried Kracauer im Stil dieser Regisseure und anderer Exempel des Weimarer Kinos eine deutsche Mentalität gespiegelt. In seinem berühmten, im amerikanischen Exil verfassten und 1947 erschienenen Buch „Von Caligari zu Hitler. Eine psychologische Geschichte des deutschen Films“ erkannte er in “Das Cabinet des Dr. Caligari”, “M” und in vielen weiteren Filmen eine Tendenz zu Motiven, die Aufschlüsse darüber zuließen, wie es zur Machtergreifung Hitlers gekommen sein könne. Kracauers spektakuläre These ist mitterweile vielfach relativiert und revidiert worden, zu heterogen war letztendlich die Filmproduktion jener Zeit. Außerdem lassen sich selbst die Filme, die bei Kracauer im Zentrum stehen, auch anders lesen. Anton Kaes, Professor an der University of California, Berkeley beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit einer entsprechenden alternativen Lesart. Nun ist der Ertrag seiner Arbeit erschienen.

weiter lesen →

Das Problem als Adaptionsvorlage

Alice im Wunderland (Disney Interactive 2010) – Nintend [...]

Man erzählt sich, Queen Victoria habe, zu ihrer großen Verwunderung, 1867 von einem Diakon und Mathematiktutor namens Charles Lutwidge Dodgson ein Buch zugeschickt bekommen mit dem Titel An Elementary Treatise on Determinants. Verwundert sei Victoria vor allem deshalb gewesen, weil sie von dem Autor eine Publikation völlig anderen Typs erwartet hatte, ein Kinderbuch. Dodgson hatte nämlich gut ein Jahr zuvor unter dem Pseudonym Lewis Carroll sein erstes und sogleich legendäres Kinderbuch Alice’s Adventures in Wonderland veröffentlicht. Von der Lektüre entzückt habe die Queen den Autor aufgefordert, ihr so bald als möglich seine nächste Veröffentlichung zukommen zu lassen. Dodgson habe sie beim Wort genommen und ihr die Treatise on Determinants geschickt.

weiter lesen →

Filmwissenschaftliche Ehrenrettung eines spaßkulturellen Phänomens

Christian Heger: Die rechte und die linke Hand der Paro [...]

Christian Heger, der Autor der Monografie „Die rechte und die linke Hand der Parodie – Bud Spencer, Terence Hill und ihre Filme“, macht bereits im Prolog keinen Hehl daraus, woher die biografische Motivation für seine ursprünglich als Magisterarbeit angefertigte Studie stammt: Aus frühesten Kindheitstagen nämlich, die das große, infantile Staunen über zwei prügelnde, Sprüche klopfende Widerparts, die immer wieder zur Teamarbeit gezwungen sind, erst möglich machten.

weiter lesen →

Non-Understanding Media

Das technische Apriori in Michael Hanekes Filmen Benny’ [...]

von Matthias Wannhoff

„I knew that writing was dangerous“, verkündet der halluzinierende Schriftsteller in David Cronenbergs Meta-Literaturverfilmung “Naked Lunch” (1991), und fügt hinzu: „I just never knew the danger came from the machine itself.“ Nicht oft wird der filmische Diskurs von Worten wie diesen heimgesucht, die so oder so ähnlich auch einem Traktat zeitgenössischer Medientheorie entsprungen sein könnten. Verweisen sie doch recht eindeutig auf jene mysteriöse Macht, die Friedrich Nietzsche einst zu dem unheilschwangeren Ausruf bewog: „Sie haben Recht – unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken.“ [1] Der Grund dafür, dass solche Einsichten äußerst selten im Vorführraum zu vernehmen sind, ist einfach: Die Technik von Medien nämlich hat im alltäglichen Umgang mit diesen in der Regel unsichtbar zu bleiben. Denn „wir lesen nicht Buchstaben, sondern eine Geschichte; und der Kinofilm läßt gewöhnlich die Projektionsfläche vergessen.“ [2] Wehe der Filmfiktion, heißt das, die jene „vierte Wand“ aufzubrechen wagt, welche – der Begriff der „Leinwand“ verrät es – im Falle von Film und Fernsehen ganz wörtlich eine solche ist. So verhandelt auch Cronenbergs Film zwar Schreibmaschinen, aber keine Zelluloidrollen.

weiter lesen →

Sphären der Gewalt, Sphären der Machtlosigkeit

James Cameron’s AVATAR: Das Spiel (2009, Ubisoft) [...]

Der Mond Pandora ist wunderschön und tödlich zugleich. Farbenprächtige Dschungellandschaften und fliegende Felsformationen, wundersame Fauna und aggressive Flora und vor allem die für Menschen toxische Atmosphäre machen dem Touristen eindeutig klar: „Du gehörst nicht hierher.“ Man ist auf Gasmasken und Militär angewiesen, wenn man sich sicher auf Pandora bewegen will. Auch wenn die Menschheit die Erde hinter sich gelassen hat, es gelten auch auf Pandora die alten Mechanismen der Naturbeherrschung. Die Natur wird nicht bestaunt, sondern ausgebeutet und über die Ausbeutung zerstört. Wenn James Cameron’s Film “Avatar” uns eine Moral mit auf den Weg gibt, dann die Einsicht, dass der Mensch in der Natur niemals zuhause sein kann, er kann sie nur beherrschen. Unsere Heimat ist die Apokalypse, das Paradies ist uns verschlossen.

weiter lesen →

Genie und Wahnsinn bei Süskind und Schneider

Bettina Pflügl: Patrick Süskinds „Das Parfum“ und [...]

„Zwischen Genialität und Wahnsinn gibt es nur einen Faden“, so ein altes chinesisches Sprichwort, welches bedeutet, dass Genialität und Wahnsinn manchmal schwer zu unterscheiden sind – was ebenso für ihre Definition gilt. Bettina Pflügl versucht in ihrer Arbeit über Patrick Süskinds „Parfüm“ und Robert Schneiders “Schlafes Bruder” nicht nur die „sprichwörtlichen“ Zusammenhänge zwischen den beiden Aspekten aufzuzeigen, sondern auch die – nahe liegenden – Aspekte „Genialität“ und „Wahnsinn“ im Hinblick auf ihre gesellschaftliche und literarische Komponente näher zu beleuchten. Sie geht dabei von der Genie-Konzeption des Sturm und Drang, dem Geniebegriff Otto Weinigers und der Verbindungstheorie von Genialität und Wahnsinn bei Gottfried Benn aus, um daraus eine eigene Definition beider Begriffe zu entwickeln und auf beide Romane zu applizieren.

weiter lesen →

Fesselspiele der feinen englischen Art

Mit Schirm, Charme und Melone (The Avengers, UK 1961-69 [...]

Die britische Serie „The Avengers“ (dt. „Mit Schirm, Charme und Melone“) aus den 1960er-Jahren hat auch in Deutschland sehr viele Fans, die sich dieses Jahr mächtig freuen dürfen: Nicht nur Arte sendet den Mix aus Krimi-, Agentenfilm-, teils absurden Science Fiction- und Komödienelementen rauf und runter, seit dem Frühjahr 2009 legt Kinowelt in rasantem Tempo die erhalten gebliebenen Staffeln der Serie nach und nach als DVD-Boxen vor.

weiter lesen →

Vom Kinosessel auf die Couch

Die besten Filme des Internationalen Trickfilm-Festival [...]

Leider hat man bei der ungeheuren Fülle von Animationsfilmen auf einschlägigen Festivals schnell den einen oder anderen kurzen Happen vergessen. Dass es auch anders geht, beweist die nun als 3-DVD-Box erschienene, mit „Best of Animation“ aus dem Hause absolut Medien betitelte Sammlung mit den besten Filmen des Internationalen Trickfilm-Festivals in Stuttgart der letzten drei Jahre (2006-2008). Denn hier kann man sich einige der sehr schönen und vor allem mit viel Liebe hergestellten Animationsfilme ins visuelle Gedächtnis zurückrufen. Eine längst überfällige Entscheidung, einige Highlights des Festivals auf diese Weise zugänglich zu machen, denn selbst bei den vielen Informationsquellen zum Thema im Netz bleibt doch eine derartige äußerst seriös und professionell gestaltete Aufbereitung der Filme dieses Festivals ein Glanzlicht im überquellenden DVD-Markt und gibt den künstlerischen Resultaten eine würdige Plattform, die sie ohne jeden Zweifel verdient haben. Dass dieses 1982 gegründete Festival zu Recht zu den größten und wichtigsten Veranstaltungen zum Animationsfilm in Deutschland gehört, beweist allein die Tatsache, dass jedes Jahr weit über 1.500 Filme eingereicht werden. Getreu dem Motto, dass im Zentrum des Festivals der künstlerische animierte Kurzfilm steht, haben die Herausgeber Dittmar Lumpp und Ulrich Wegenast einige der reizvollsten Animationsfilme der letzten Jahre herausgesucht, gewissermaßen eine „handverlesene Rolle mit den besten Animationsfilmen weltweit“ zusammengestellt, wie es treffend im Einführungstext der DVDs heißt.

weiter lesen →

Der behutsame Manipulator

Irmin Schmidt: Filmmusik Anthology Volume 4 & 5, Spoon [...]

Das früheste Zeugnis einer Zusammenarbeit mit Wim Wenders ist die Musik für den Film „Alice in den Städten“ von 1974. Philip Winter (Rüdiger Vogler) liegt auf dem Bett. Der Motel-Fernseher läuft. Er schläft ein. Auf dem Bildschirm spielt ein Mann Maultrommel. Plötzlich ein Schnitt auf Winters Traum, auf den endlosen amerikanischen Highway, dem er schon seit Tagen folgt. Vogelschreie mischen sich für einige Sekunden rhythmisch mit den Klängen der vibrierenden Federzunge. Das könnte Irmin Schmidt gewesen sein. Der Zufall hat ein musikalisches Muster erzeugt und das wurde bearbeitet. Oder hat sich der Hörer getäuscht?

weiter lesen →

Zwei Seelen in einer Brust

Sven Herget: Spiegelbilder: Das Doppelgängermotiv im F [...]

Im Medium Film hat das Doppelgängermotiv seine ideale Darstellungsform gefunden. Es tritt dort nicht nur als handlungsbestimmendes Element auf, sondern auch als Gestaltungsmerkmal, das auf symbolischer Ebene Zwiespälte der Protagonisten verbildlicht oder auch die Identität einer Figur in Frage stellt.

weiter lesen →

HighDefLander

Highlander (USA/GB 1986, Russell Mulcahy) [...]

Der erfolgreiche Fantasy-Film “Highlander” von Russell Mulcahy aus dem Jahr 1986 ist bei Kinowelt auf Blu-Ray erschienen. Ein auserwählter schottischer Krieger aus dem 16. Jahrhundert kämpft seit Jahrhunderten um das Wohl der Menschheit. Dargestellt wird der schwertschwingende Schotte von dem Franzosen Chistopher Lambert, der im Jahr zuvor in “Greystoke” noch so überzeugend den Affenmenschen Tarzan gegeben hatte. Doch Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger, den anderen überlebensgroßen Actionhelden der 80er, konnte der zu schöne Franzose Lambert nie das Wasser reichen. In einer Nebenrolle als Mentor des Schwertkämpfers lässt sich James-Bond-Darsteller Sean Connery halbherzig das Selbige durchstoßen. Untermalt von klebriger Bombastmusik der Rockgruppe Queen kämpft der Highlander 1986 in New York gegen seinen letzten unsterblich barbarischen Erzfeind, dargestellt von Clancy Brown, der in der deutschen Sprachfassung ironischerweise von Thomas Danneberg gesprochen wird, der markanten Sychronstimme von Stallone und Schwarzenegger.

weiter lesen →

»Ich lausche deiner Stimme, Kleines«

Thomas Bräutigam: Stars und ihre deutschen Stimmen. Ma [...]

Die Synchronbranche fristet analog zu ihrer bedauerlicherweise nicht sichtbaren Effektivität noch immer ein relatives Schattendasein. Dabei kann sie nunmehr auf eine historische Pflege zurückblicken, die beinahe so betagt ist wie der Tonfilm selbst. Darüber hinaus erleichtert die sprachliche Transponierung von Filmen und Serien Millionen von Kinogängern und TV-Schauern ihr alltägliches Entertainment immens. Niemand käme hierzulande auf die Idee, sich darüber zu wundern, dass Matthew Fox, Held der Serie „Lost“, bei seiner Ausstrahlung im deutschen Fernsehen regelmäßig in gestochenem Hochdeutsch parliert, obgleich es sich um einen US-Akteur handelt, der vermutlich bestenfalls ein paar Bruchstücke unserer Sprache beherrscht. Umgekehrt zöge die Ausstrahlung einer Folge „Lost“ im Originalton sicher eine andere Reaktion nach sich: Das Programmmanagement könnte sich vor nachfolgenden Protestbriefen vermutlich kaum retten.

weiter lesen →

Zurück zum Kerngeschäft (mit Knöpfen)

Drag me to Hell (USA 2009, Sam Raimi) [...]

Mit seinem humorvollen Schocker ist Sam Raimi sozusagen zum Kerngeschäft zurück gekehrt. „Drag me to Hell“ erinnert streckenweise an sein stilbildenes Horrorfilm-Debüt „The Evil Dead“ von 1982. Seinerzeit wurde das so genannte Buch des Todes verlesen, in dem es unter andrem hieß: „It deals with demons“. Diese Dämonen hat Raimi erneut entfesselt in seiner gelungenen Mischung aus effektvollen Grusel-Szenen im „Poltergeist“-Stil und metaphysischem Slapstick, bei dem wieder viele Körperflüssigkeiten austreten und Augäpfel aus den Höhlen springen.

weiter lesen →

Verwundete Seelen, verwüstete Landschaften

Das 9. Filmfestival „goEast“ in Wiesbaden blickt au [...]

goeast-logo Mit der Großaufnahme eines Jungen, der in die Kamera blickt und dann schmerzerfüllt die Augen schließt, bevor die Leinwand schwarz wird, endet der große Gewinner des diesjährigen „goEast“-Festivals des mittel- und osteuropäischen Films, das Ende April in Wiesbaden zu Ende gegangen ist. Der zwölfjährige Tedo im georgischen Wettbewerbsbeitrag „Das andere Ufer“ (Gagma Napiri) von George Ovashvili schließt die Augen vor einer Welt, deren Anblick er nicht länger erträgt, weil sie ihn zutiefst verletzt hat. „Das andere Ufer“ spielt im heutigen Grenzgebiet zwischen Georgien und dem abtrünnigen Abchasien, einer vom Bürgerkrieg verwüsteten Region, in der Menschen wie Freiwild behandelt werden, elternlose Kinder ums Überleben kämpfen und Familien gewaltsam auseinander gerissen werden. So geht es auch Tedo, der verzweifelt nach seinem verschollenen Vater sucht. Die Verzweiflung des Jungen am Ende von „Das andere Ufer“ war wohl der bewegendste Moment des 9. „goEast“-Festivals. Zurecht wurde der 1963 geborene George Ovashvili, der in Wiesbaden seinen ersten Langfilm vorstellte, mit dem Hauptpreis „Goldene Lilie“ sowie dem Preis des internationalen Kritikerverbandes FIPRESCI ausgezeichnet.

weiter lesen →

»Because he could«

Der 8-mm-Film – Ein hybrides Medium [...]

Autor: Mathis Thomsen*

Auch gegen Ende des Epochenumbruchs, vom analogen zum digitalen Zeitalter, ist eines beim Alten geblieben: Die meisten der großen Kinoproduktionen werden nach wie vor auf analogem 35-mm-Film gedreht. Die Produktion seines kleinen Bruders, dessen Einführung und Weiterentwicklung einen wesentlichen Fortschritt in Richtung des Heimkinos und der Amateurfilmerei darstellten, wurde vor einigen Jahren von seinem Vater, der Firma Kodak, teilweise eingestellt.

weiter lesen →

Die Position des Zuschauers im Terrorfilm

Ein mediengeschichtlicher Vergleich von “The Texas Chai [...]

von Jerome Philipp Schäfer

„In allen neueren westlichen Künsten und in vielen Bereichen der westlichen Medien lassen sich die ansonsten gängigen […] Unterschiede zwischen ‚gut’ und ‚böse’ nur noch äußerst schwer oder gar nicht mehr handhaben. Hier wird so deutlich wie nirgends sonst, dass sich das ‚Gute’ bzw. das ‚Böse’ nicht als Ding, Zustand, Situation oder Verhaltensweise festlegen lässt, sondern dass das, was als ‚gut’ bzw. als ‚böse’ gilt, abhängig ist von der jeweils gewählten Art der Beobachtung. Es ist geradezu die Aufgabe der Künste und der Medien, diese Beobachterabhängigkeit von ‚gut’ und ‚böse’ ihrerseits zu beobachten“ (Scheffer 2007).

weiter lesen →