Andere Welten, andere Mythen

Die drei Teenager Lleu, Dan und Rhiannon unternehmen einen Bootsausflug, um ihren Frust zu vergessen. Denn Lleu hat just an diesem Tag, seinem 18. Geburtstag, herausgefunden, dass er adoptiert wurde, ist sauer auf seine Adoptiveltern und von dem Wunsch beseelt, seine leibliche Mutter kennenzulernen. Rhiannon glaubt, dass sie schwanger ist und Dan selbst hat zwar selbst keine Probleme, könnte jedoch als der Vater von Rhiannons Kind bald welche bekommen. Auf Ihrer Bootstour überqueren Sie einen Bereich, an dem der Meeresboden merkwürdig farbig schillert. Der Capitain klärt sie auf: Das ist Otherworld. Und kurzerhand entschließen sich die drei, einen Tauchgang in diese andere Welt zu wagen. Dort angekommen erhalten alle drei Identitäten. In der mittelalterlichen Welt von Otherworld ist Rhiannon jetzt Arianrhod, die Tochter eines Fürsten, deren Kind von einem bösen Magier kurz nach der Geburt entführt wird. Dan ist Manawydan, ein junger Kämpfer, der das Königreich gegen eine Invasion aus Irland beschützt und Lleu ist Lleu Llaw Gyffes, ein von der Mutter verstoßener Knabe, der bei einem Zauberer aufwächst und verzweifelt versucht, die Gunst und Liebe der Mutter zurückzugewinnen. Die Erzählungen der drei laufen in einander über und letztlicht durchlebt jeder der drei eine zu seiner Alltagswirklichkeit analoge Geschichte.
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Frühes Kino

Thomas Elsaesser u.a.: Frühes Kino, Kino der Kaiserzeit & Filmgeschichte und frühes Kino

Frühes Kino – wer sollte sich schon dafür interessieren außer der Handvoll Spezialisten, die die Filmgeschichten schreiben und daher der für Wissenschaftler unumgänglichen Frage nach den Anfängen nachgehen müssen? Frühes Kino – das assoziiert kurze Stummfilme in Schwarz-Weiss, in denen sich mit gewollter und ungewollter Komik archaisch anmutende Figuren stakkatoartig bewegen und simple Storys entfalten, an denen wir bestenfalls erkennen, wie weit wir es seitdem gebracht haben. Es assoziiert unbeholfene Technik und bestenfalls eine Ahnung davon, welchen unschuldigen Zauber diese neue Erfindung seinerzeit für unsere Urgroßmütter und –väter bedeutete, und dass seine Faszination für die heutigen mediengewohnt coolen Generationen kaum noch erreichbar sein mag. Immerhin, solche mehr oder minder vagen Vorstellungen und Kenntnisse sind seit dem 1995 gefeierten 100jährigen Jubiläum des Films bei einem breiteren kinointeressierten Publikum parat. Auch die Filmwissenschaft hat im Umkreis des Jahrhundertereignisses intensivere Forschungen unternommen. Zwei neue Bände der edition text+kritik fassen Ergebnisse zusammen: Kino der Kaiserzeit, herausgegeben von Thomas Elsaesser und Michael Wedel, und Elsaessers Filmgeschichte und frühes Kino.
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Making Friends

Die kleine May schielt auf einem Auge. Das ist der Grund, warum sie von den Kindern gemieden wird und keine Freunde hat. Und deshalb bekommt sie von der Mutter eine Puppe geschenkt, denn „wenn man keine Freunde hat, dann muss man sich welche machen“. Als May erwachsen ist – ein junge Frau, die als Tierkrankenschwester und Operationsassistentin arbeitet – hat sie ihre Puppe immer noch und immer noch ist es ihre einzige Freunden. Denn May lebt schüchtern in sich zurück gezogen. Das ändert sich an dem Tag, als sie Adam kennenlernt, in den sie sich wegen seiner schönen Hände verliebt. Es beginnt eine vorsichtige Freundschaft und Liebe, die jedoch jäh endet, weil May nicht weiß, wie man sich verhält und die Wünsche Adams entweder nicht erfüllen kann oder falsch interpretiert. Zudem beginnt Mays Arbeitskollegin Polly homoerotische Annäherungsversuche bei May, auf welche diese nur zögerlich eingeht. Doch weil sie den Hals ihrer Kollegin schon immer sehr schön fand und beseelt von dem Wunsch einen echten Freund zu haben, lässt sie sich schließlich darauf ein … und wird prompt wieder enttäuscht, denn lebt Polly sexuell sehr ausschweifend und kann Mays Exklusivitätsansprüchen nicht gerecht werden. May fühlt sich mehr und mehr verraten und gibt dafür der Puppe schuld, die sie – imaginär – in allen Liebesfragen beraten hat.
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The Bits byte back

Die Untoten aus den Computerspielen sind zurück. Nachdem sie ihre Invasion bereits Ende der 80er Jahre vom Film auf den Computer ausgedehnt hatten (1990 erschien auf dem Commodore Amiga und dem C=64 das Spiel „Zombi„, vermutlich hat es aber bereits viel früher schon Adaptionen dieses sehr lohnenswerten „Shoot-em-up“-Genres gegeben) und dort nicht nur grafisch sondern auch als Motiv verbessert wurden, sind sie 2002 mit Resident Evil wieder in den Film zurück gekehrt. War der Untoten-Film bis dahin ein nur peu-a-peu bedientes Horror-Sub-Genre, so feiert er seit Resident Evil eine regelrechte Renaissance. Das jüngste Produkt – auch aus dem Videospiel zurück gekehrt – ist Uwe Bolls The House aof the Dead.
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Eine Reise ins Über-Ich

Das Meer als Setting für Thriller-Stoffe ist beliebt, denn die Gefahr für die Protagonisten kann aus nahezu jeder Richtung kommen. Von oben als Sturm (The Storm), von unten als großer Fisch (Jaws), von einem andern Schiff als Wahnsinn (Dead Calm) und seit Richard Franklins Visitors nun auch von Innen als verdrängte Erinnerung.
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Big Brother is killing you

Mit „Big Brother“ hat das Fernsehen dem Zuschauer endgültig seine bis dahin vermeintlich moralisch freie Position genommen. Die „Doku-Soap“ existiert nur, weil der Zuschauer sie sehen will und das, was er sehen will, wird auch gezeigt – ökonomisches Prinzip. Letzteres ist gerade in den letzten deutschen Staffeln durch die eigene Kamerawahl im Internet möglich geworden. Die vorgegebene „Dramaturgie“ der TV-Übertragung lässt der Surfer hinter sich und schaut über die Webcam dort hin, wo er es will.
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… and hunger will eat our thoughts

Die sozialen Folgen einer Seuche sind ein Gradmesser für Toleranz und Hilfsbereitschaft in einer Gesellschaft. Und wie uns das AIDS-Virus gezeigt hat, ist es zunächst immer die Angst, die regiert, wenn eine tödliche Krankheit umgeht, dann das Misstrauen und schließlich die Ausgrenzung. Aufklärung über die Risiken einer Ansteckung hilft wenig im Umgang zwischen Gesunden und Kranken. Der Film hat in Epidemien und den mit ihnen verbundenen Ängsten daher schon immer reichlich Stoff für das Katastrophen- und Endzeit-Genre gefunden. Nur selten verirrt sich eine Seuche ins Kino und rottet dann nicht ganze Landstriche aus. Andrew Parkinsons Dead Creatures ist eine dieser wenigen Ausnahmen.
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Ein komischer Vogel

Bevor 1919 das rote Kreuz auf blauem Grund Nationalwappen und -flagge Islands wurde, zierte ein Falke lange Zeit diese Insignien. Noch heute trägt die höchste Auszeichnung des Inselstaates den Namen „Falkenorden“. Ohne Zweifel kommt diesem Tier in Vergangenheit und Gegenwart Islands eine identitätsstiftende Bedeutung zu. Dass dieser Vogel den Titel für Fridrik Thor Fridrikssons jüngsten Spielfilm liefert, stellt also alles andere als eine nur handlungsbedingte Folge dar.
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Briefe eines Toten

Drei Jahre, nachdem in The Day After der nukleare Holocaust als erschreckendes Endzeitspektakel im TV inszeniert wurde, erscheint 1986 Briefe eines Toten – ein sowjetischer Film, unterstützt vom sowjetischen Kommitee gegen den Atomkrieg aus der Feder von Konstantin Lopushansky, Vyacheslav Rybakov und Boris Strugatsky (letzterer zusammen mit seinem Bruder Arkadi populärer Science Fiction-Autor, unter anderem des Romans Picknick am Wegesrand, der als Stalker in die Kinos kam). Wo The Day After versucht, das Undenkbare und – damals – doch so denkbar Nahe in Bilder diverser Einzelschicksale zu fassen, sind es bei Briefe eines Toten die Introspektionen eines Professors, der in der nuklearen Wüste einer zerstörten Großstadt lebt.
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Science Fiction – Double Feature

Das Projekt, das Georg Seeßlen mit seinen „Grundlagen des populären Films“ unternimmt, ist in der deutschen Filmpublizistik einzigartig. Seeßlen versucht nicht nur, den bestehenden Debatten neue Aspekte hinzuzufügen, sondern diese Debatten auch weitgehend zusammenzufassen. Dabei dient ihm die Genre-Klassifizierung des Films als Grundlage: Jedem der Einzelwerke der Reihe ist die Geschichte und Ästhetik eines Genres gewidmet.

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Die Blume des Bösen

Chabrol ist in den vergangenen Jahren ruhiger geworden, aber nicht weniger bissig. Während Klassiker wie Le boucher (F 1969) oder Les fantômes du chapelier (F 1982) noch stärker als spannungsgeladene Thriller angelegt waren, ist sein neuester Film La fleur du mal eher bedächtig, treibt fast unmerklich seine Protagonisten – allesamt, wie sollte es bei Chabrol anders sein, Angehörige des Bürgertums – durch eine Geschichte von Lug und Trug, Verbrechen und Fassade.
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Pop will eat itself

Am Anfang steht die Initiation: Laute Musik – wild, anarchisch, befreiend – betäubt, vor allem wenn live erlebt, nicht nur die Ohren, nein, sie öffnet, man kennt das ja (zu bemitleiden, wer nicht) aus eigener Erfahrung, auch die Augen. Plötzlich ist alles ganz klar, scheint der Weg geebnet, der Sinn gefunden, metaphysische Einheit mit der Welt geschaffen. Harry also bei DAF in Düsseldorf, irgendwo ganz vorne in den ersten Reihen, der kleine Bank-Azubi, ungläubig nach vorne blickend, elektrisiert zappelnd. Auf dem Rückweg ins noch immer piefig-muffige München dann das in Folge solch körperlich erlebter Sinnstiftung quasi schon obligatorische Weltenretter-Motiv: „Da draußen geschah etwas ganz Großes, ich musste den Leuten zuhause die Augen öffnen!“
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I opened Pandora’s Box

Es soll Ereignisse in der Zukunft geben, die das Leben der Gegenwart allein dadurch, dass sie mit Sicherheit eintreten werden, nachhaltig beeinflussen können. Das weiß der erfahrende Science Fiction-Enthusiast nicht erst seit Back to the Future II. Der Film Terminator 3 – Rise of the Machines ist solch ein Ereignis. Monate vor seinem Erscheinen hat er die cineastische Gerüchteküche in allen Töpfen brodeln lassen; die Frage ging um, wie die Geschichte weiter erzählt würde, welchen Grad an Gefährlichkeit der Widersacher des T-101 dieses Mal aufbieten würde, wie sehr das Kino-Ereignis den ereignislosen Kino-Sommer erschüttern würde. Vorstellbar ist, das als Auswirkung auf dieses künftige Ereignis bereits vor Monaten Fan-Clubs Karten bestellt haben, Zeitschriften ihre Schwerpunktthemen fixiert haben und sich US-Soldaten im Irak auf den Besuch Schwarzeneggers gefreut haben. Der Terminator kommt aus der Zukunft …
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… sondern zwischen oben und unten

Geschichten von der Grenze erzählt Hans-Christian Schmid in seinem neuen, episodisch angelegten Film. Lichter heißt der und ausnahmsweise ist der englische Verleihtitel, oder zumindest der Titel, mit dem das internationale Publikum der Berlinale den Film präsentiert bekommt, passender: Distant Lights. Und um Lichter in der Ferne, diesseits wie jenseits der Oder, geht es auch.
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West Virginia, Mountain Mama. Country Road, take me home!

orsicht ist geboten, nennt ein Filmverleih auf dem Informationsangebot seiner Website die filmischen Vorbilder des neuesten Pferdes im Stall bereitwillig beim Namen: „Inspiriert von Texas Chain Saw Massacre und The Hills Have Eyes", kann man's bei der Constantin im Eintrag zum selbst mitproduzierten Wrong Turn nachlesen. Nun, man könnte noch ohne weiteres Evil Dead (USA 1981) ergänzen, ähnelt die obligatorische „verlassene Waldhütte“ doch frappant jener aus Raimis Debüt, und wenn’s ganz allgemein ums Morden im Wald nach sattsam bekanntem Prinzip geht, dann ist auch in der Regel der Freitagskiller Mr. Voorhees nicht allzu weit entfernt. An dessen Redneck-Kostüm erinnern dann auch folgerichtig die Kleidungsstücke der Kannibalenfamilie aus Wrong Turn. Der nicht minder unvermeidbare Wald ist zudem augenscheinlich so unglaublich weltenfüllend, da braucht's schon gelegentlich eingestreute Shining-ähnliche Aufnahmen aus dem Hubschrauber, um diesen Umstand dem Zuschauer stets aufs Neue zu vergegenwärtigen, und John Boormans Klassiker Deliverance wird dann schließlich im Film selbst auch erwähnt: „Kennt ihr denn nicht… ?“ – Ja, doch, wir kennen ihn, genau wie alle anderen. Selbstbedienungsladen Filmgeschichte also?
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Voll Frontal

Es mag etwas nach feuilletonistischer Sophisterei klingen, attestiert man Steven Soderbergh den Bruch als einzige Kontinuität in seinem Werk, ja geradezu als Motiv desselben. Seien es die vielfältigen Brüche in der Filmographie – mit Erin Brockovich (USA 2000) und Traffic (USA 2000) gab's hochkarätigen Oscarstoff, dann Starensemble-Popcornkino, gefolgt vom rohen Kunstfilm wie eben Full Frontal im Nahezu-Homevideo-Look, vom hierzulande nie gesehenen, äußerst skurrilen Schizopolis (USA 1996) habe ich gar nicht erst angefangen, zu schrieben – oder aber auch seine das bloße Material rigoros miteinbeziehende Auffassung vom Filmemachen – die oft schon willkürlich anmutenden Cutter-Spielereien in The Limey (USA 1999) und in Solaris (USA 2002) etwa – oder aber eben auch der Wechsel des Filmmaterials selbst, mitten im Film. Full Frontal löst, von dieser Perspektive aus gesehen, somit alles ein, was einen Soderberghfilm ausmacht: Der Film befindet sich im Werk seines Machers an einer äußerst seltsamen Stelle, das Filmmaterial "springt" zwischen Film und grobkörnigstem Videomaterial, die Montage weist eine Vielzahl von nicht selten verwirrenden Jump-Cuts auf, wie überhaupt das Gefüge der innerfilmischen Realität aufgebrochen, bzw. gefaltet wird. Hier und da ist der Film so grotesk wie Schizopolis, dann ist er schon fast im Dogma'95-Sinne dokumentarisch-realistisch, bricht schließlich und letztendlich aber unsere Annahme vom verwackelten DV-Bild als ein "authentisches" und inszeniert seinen Film als kaum noch dechiffrierbaren Film-im-Film-im-Film. Eigentlich alles wunderbar, sollte man meinen.
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