Es war einmal … der Mensch

Norbert Bolz/Andreas Münkel (Hgg.): Was ist der Mensch?, München: Fink 2003

Philosophische Anthropologie galt bis vor kurzem als „der unverkäuflichste aller philosophischen Ladenhüter“ (Ludger Lütkehaus). Die Frage nach dem Wesen des Menschen, nach seiner Essenz, wird zwar in der Tradition, etwa bei Immanuel Kant, als die eigentliche Frage der Philosophie ausgezeichnet, war aber lange Zeit von der Spitze philosophischer to-do-Listen verdrängt. Ihre mangelnde Attraktivität verdankt diese Frage ihrem allzu komplexen Gegenstand: Das Forschungsfeld „Mensch“ wird von vielen verschiedenen Bereichsanthropologien beackert; eine transdisziplinäre Zusammenschau, wie sie von einer philosophischen Anthropologie wohl erwartet würde, erscheint angesichts der Unübersichtlichkeit dieses Forschungsfeldes als kaum einzulösendes Desiderat.
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Seventies revisited

Was wir über die 70er Jahre sagen, verrät oft mehr über uns als über die 70er Jahre. Das gilt insbesondere für den Film. Das Ende der Jugendrevolte, die Pervertierung der Hippie-Kultur und der Wegfall immaterieller Werte werden in der Retrospektive zum Beispiel von Filmen wie Terry Gilliams Fear and Loathing oder Spike Lees Summer of Sam unterstellt. Noch interessanter wird es, wenn der Film selbst als kulturhistorisches Ereignis vom Film reflektiert wird, wie bei Rob Zombies House of 1000 Corpses, in dem der Blick auf die siebziger Jahre ein „verklärender Blick“ auf den Terror ist.
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Diesseits der dämonischen Leinwand

Thomas Koebner (Hg.): Diesseits der „Dämonischen Leinwand“, Frankfurt am Main: Edition Text & Kritik 2003

Die in den letzten Jahren als Monografien, Sammelbände oder Studien zu einzelnen Regisseuren erschienenen „neuen Perspektiven“ auf das Weimarer Kino zeigen, dass es in dem Korpus der international immer noch berühmtesten Epoche der deutschen Filmgeschichte noch vieles zu entdecken gibt. Sie zeigen darüber hinaus, dass die beiden historischen Standardwerke, Siegfried Kracauers Von Caligari zu Hitler (1947) und Lotte Eisners Die dämonische Leinwand (1956) dabei längst nicht den Status des Historischen erreicht haben, der es erlaubte, von ihnen abzusehen. Vielmehr sieht sich Thomas Koebner in seinem einleitenden Artikel aus einer „bestürzenden“ Wiederbegegnung mit Kracauers Filmkritiken der 20er Jahre und dem daraus abstrahierten späteren Buch zu einer prinzipiellen Auseinandersetzung veranlasst. Sie polemisiert gegen Kracauers freudianisch massenpsychologisch fundierte Hauptthese zum Weimarer Kino, die im Titel bündig zusammen gefasst ist. Koebner stellt sie von der im Allgemeinen von der multiplen und rationalen Herstellungsweise des Films und im Besonderen vom sonst so kühlen Blick des Soziologen Kracauer her in Frage, um für neue Paradigmen in der Perspektive zu plädieren. Um die bemühen sich dann auch die mehr als 20 weiteren Beiträge des Bandes, indem sie sich Einzelphänomene und einzelne Filme zu analysieren. Schon das thematische Spektrum zeigt den Reichtum des „späten“ (auch diese berechtigte Differenzierung innerhalb von 15 Jahren ist ein Indiz) Weimarer Kinos, das gewiss mit einlinigen Thesen nicht zu erfassen ist. Das heißt aber auch, dass der Band – wie bei der Vielzahl der AutorInnen nicht anders zu erwarten – auf eine bestimmte Perspektive oder Leitthese bei der Darstellung des Weimarer Kinos verzichtet. Die Beiträge werden gebündelt in den Themenkomplexen „Filmische Technik, visuelle Kultur, Großstadt-Wahrnehmung“, „Genres, Leitfiguren“ und „Film in einer Republik, Zukunftsperspektiven“.
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Mortifikation des Werkes

Spätestens seit der Veröffentlichung des fragmentarisch gebliebenen „Passagen-Werkes“ 1983 gilt Walter Benjamin als einer der wichtigsten Denker der Moderne (im subjektiven wie objektiven Sinne). Seine in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandenen Texte gelten nicht nur als Mitbegründungschriften von Kultur- und Medienwissenschaft – sie geben auch intellektuelles Zeugnis eines unkonventionellen Denkers, der trotz aller Widrigkeiten Position bezogen und behalten hat. Das mehrere Tausend Seiten umfassende Gesamtwerk, das als Gesammelte Schriften im Suhrkamp-Verlag vorliegt in einer Einführung zusammenzufassen scheint ein gewagtes Unterfangen. Gewagter umso mehr, als Benjamin auf den ersten Blick keineswegs zu den systematischen Denkern gezählt werden kann. Der Literatur- und Kulturwissenschaftler Sven Kramer hat es dennoch versucht und es ist geglückt.

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Lichtspiele

Anne Hoormann: Lichtspiele. Zur Medienreflexion der Avantgarden in der Weimarer Republik, München: Fink 2003

Licht ist ein ganz besonderes Phänomen. Von jeher wurde ihm neben seiner physischen eine metaphysische Qualität zugeschrieben, eine konkret lebensweltliche und eine symbolische Bedeutung. Neben naturwissenschaftlichen Erklärungen gab es okkulte, und diese Amalgamierung erhielt mit den physikalischen Entdeckungen seit dem 19. Jahrhundert eine neue Dimension: Die chemischen Prozesse der Fotografie kreierten eine neue, bald alltagsrelevante Kunstform, die physikalischen der Elektrizität hatten eine kulturrevolutionäre Wirkung. Einsteins an der Beugung der Lichtstrahlung nachgewiesene These vom gekrümmten Raum beeinflusste das naturwissenschaftliche Denken mit Konsequenzen für die Philosophie – und nicht nur dafür. Die Wahrnehmungs- und in ihrer Folge die Kunsttheorie nach der Jahrhundertwende meinten hier Begründungen aufnehmen zu können für ihre spezifischen Raum- und Wahrnehmungsprobleme, wie überhaupt die Kunstlandschaft dieser Zeit buchstäblich in neuem Licht erstrahlte. Licht wurde zum allgegenwärtigen Medium, das nicht nur den Alltag ganz anders als gewohnt erhellte, sondern ein neues Kunstmedium kreierte – den Film. Als Licht-Spiel fand er Eingang in die Medienlandschaft und wurde insbesondere in Deutschland, nämlich im deutschen expressionistischen Film, auf seiner materialen Basis sogleich in ein abgründiges metaphysisches Spiel von Licht und Schatten überführt.
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Melancholiker des Films

Murnau-Freunde werden von diesem Band begeistert sein und gleichwohl melancholisch werden, zeigt doch diese Dokumentation der vom Filmmuseum Berlin und der Deutschen Kinemathek veranstalteten Murnau-Ausstellung, was alles von diesem Meister des deutschen Stummfilms normalerweise verborgen bleibt. Von Murnaus 21 Filmen gelten nur 12 als erhalten, und auch die sind bis auf wenige Ausnahmen der breiteren Öffentlichkeit nicht bekannt. Heute mag Murnau seine Popularität hauptsächlich Nosferatu schulden, jenem Vampir-Klassiker aus dem Jahre 1921, dem dank einer anhaltenden Vampir-Manie des cineastischen Publikums bleibendes Interesse gilt. In Retrospektiven wird dann ab und an Der letzte Mann (1924) vorgeführt als frühes Glanzstück der entfesselten Kamera (die Karl Freund bediente) wie der psychologischen Schauspielkunst von Emil Jannings, der Faust-Film (1926) lässt sich dem literarischen Bildungskanon zuordnen, und Murnaus letzter Film Tabu (1931) hat vielleicht eine gewisse Bekanntheit als später Stumm- und früher Exotikfilm, der noch dazu auf mystische Weise mit dem Unfalltod seines Schöpfers zu tun zu haben scheint.

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»Dämonisierung ist Arbeit unter Legitimationszwang«

„Godzilla steht für die Atombombe.“ Solche und ähnliche Kinoweisheiten, die Motive und Strukturen von Filmen als Allegorien auf die Wirklichkeit verstehen, gehören zum Standard-Interpretationsinventar des Cineasten. Nur selten jedoch wird die „Allegorese“, aus der diese Aussagen hervorgehen, auch nachvollzogen. Zu eindeutig scheinen die Bilder, als dass deren Zweitbedeutung erst erklärt werden müsste. Doch gerade dieser „Zwischenschritt“, wie Herbert M. Hurka in seinem Buch „Filmdämonen“ ihn geht, bietet einige Erhellung darüber, wie die Codierung von Stereotypen im Kino funktioniert.

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Shoa

Sven Kramer (Hg.): Die Shoah im Bild, München: Edition text+kritik 2003

So wie die Frage der Repräsentierbarkeit des Holocaust letztlich die Gattungsdiskussion in den Künsten befördert hat (vgl. den ebenfalls bei text+kritik erschienenen Band Lachen über Hitler), so erweist sich die engere Frage nach seiner bildlichen Darstellbarkeit als theoretischer Fokus der Auseinandersetzung. Die Facetten der Problematik spannen sich zwischen den Polen des religiös-moralisch und künstlerisch motivierten Bilderverbots des Unfasslichen und des „Bildergebots“ als fotografisches Augen-Zeugnis der Verbrechen. Gleichzeitig können an den Modifikationen der gleichwohl stets medial präsent gewesenen „Shoah im Bild“ zeitliche Etappen der Erinnerungs- (und Verdrängungs-)Arbeit sichtbar werden.
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Lachen über Hitler

Margit Frölich/Hanno Levy/Heinz Steinert (Hgg.): Lachen über Hitler – Auschwitz-Gelächter?, München: Edition text + kritik 2003

Roberto Benignis großer Filmerfolg La Vita è bella (Das Leben ist schön, 1997) hat die lange Zeit als obsolet geltende und nur vereinzelt ernsthaft diskutierte Frage neu aufgeworfen und neu beantwortet: Kann – und darf – man den Holocaust im Modus des Komischen darstellen? Dass man kann und sich erlaubt zu dürfen hat vor Begnini etwa schon Art Spiegelman mit seinem per Genre respektlosen Comic Mouse gezeigt und wie Benigni ein breites Publikum erreicht. Inwiefern man kann und darf, ohne sich dem Verdikt der Blasphemie gegenüber dem Genozid auszusetzen, und was über seine defensive Zulassung hinaus das Komische bei diesem Thema zu leisten vermag, diskutierten nunmehr die Teilnehmer einer Tagung der Evangelischen Akademie Arnoldshain, des Fritz Bauer-Instituts und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main im April 2001. Die Ergebnisse stellt der Tagungsband zur Diskussion.
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Keine Medienwissenschaft aus der hohlen Hand

Die insitutionelle Kluft, die sich in den Geisteswissenschaften zwischen ästhetischen und empirischen Fragestellungen seit Langem abzeichnet, lässt sich an den Medienwissenschaften (vielleicht auch deshalb der Plural) besonders deutlich ablesen. Zwischen soziologisch/psychologisch/anthropologischen und ästhetisch/kunsthistorischen Ausrichtungen gab und gibt es an einigen Fakultäten regelrechte Kämpfe um die Existenzberechtigung. In der nicht-akademischen Öffentlichkeit scheinen diese Kämpfe bereits entschieden zu sein, bevor man sie überhaupt wahrgenommen hat: Medienwissenschaft(!) ist empirisch fundiert und reiht sich ein in den Kanon naturwissenschaftlicher Disziplinen, deren Relevanz im Gegensatz zu den Geisteswissenschaften ja noch nie angezweifelt wurde.

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The secret Life

Irgendetwas an der Biografie Jeffrey Dahmers muss sich filmischer Explikation sträuben. Zwei Versuche hat es bereits gegeben, das Leben und die Taten des zweitberüchtigtsten Serienmörders aus Wisconsin im Film aufzubereiten: Im Jahre 2002 erschien David Jacobsons Film „Dahmer“ und 8 Jahre zuvor David Bowens „The Secret Life: Jeffrey Dahmer“. Beide Filme ähneln sich darin, keine Thriller zu sein, die ein Monster inszenieren, das es dem Zuschauer leicht macht, gut und böse zu differenzieren. „The Secret Life“, der jetzt erstmals in Deutschland erschienen und zeigt eine zeitnahe Analyse der Fallgeschichte.

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Mediologie

Div.: Mediologie Band 1-10, Reihe im DuMont-Verlag 2001-2004

In den 1980er Jahren sind in den Geistes- und Kulturwissenschaften alte Theorieparadigmen umgestürzt und neue errichtet worden. Strukturale Psychoanalyse, Postmoderne, Poststrukturalismus, Diskursanalyse, Dekonstruktion, New Historicism und andere Theoriebewegungen haben das Denken und Schreiben der deutschen Geisteswissenschaften radikal verändert und erst die Kultur- und Medienwissenschaften ermöglicht, wie wir sie heute kennen. Zwei jüngere Theoriestränge sind dabei spezifisch deutsche Formationen, und erst seit kurzer Zeit wird deutlich, wie hoch ihr Einfluss auf das gesamte Spektrum von Philosophie, Soziologie, Literatur-, Film- und Medienwissenschaften ist.
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Antonioni

Paul Duncan (Hg.), Seymour Chatman: Michelangelo Antonioni – Sämtliche Filme, Köln: Taschen Verlag, 2004

Michelangelo Antonionis Filme sind dafür bekannt, unseren Begriff von der Realität auszuloten, ihm analytisch zu begegnen, seine Schwachpunkte aufzuzeigen und den Zuschauer mit einem Gefühl der Leere zurückzulassen. Wie seine Figuren oft keine Vorgeschichte haben (zumindest keine, die näher erläutert würde), treten sie oft auch als Fremdgebliebene wieder aus dem Film, wenn sie nicht gleich, wie der namenlose Fotograf aus Blowup (1966) – Antonionis meisterlicher Meditation über das Wesen der Fotografie und deren Verhältnis zur äußerlichen Wirklichkeit – im Filmbild noch verblassen und verschwinden oder aber den Film frühzeitig verlassen, wie etwa das Paar in Liebe 62 (1962), das sich verabredet, diese Verabredung aber – wie das Schlussbild des Films, der menschenleere Treffpunkt, verrät – beidseitig nicht einhält. Der Mensch verblasst bei Antonioni, bleibt kaum durchdringbare, äußere Hülle, wird in einem Prozess der steten Ästhetisierung eins mit der die Filme bestimmenden Architektur und wandelt wie im Traum durch eine Genrewelt, deren an sich hermetischer Charakter an allen Ecken und Enden zugunsten einer prinzipiellen Sinnoffenheit aufgebrochen wurde. Kein Zweifel: Antonioni ist es um den Bruch mit der Tradition zu tun – sei es die filmische, oder aber die gesellschaftlicher Normen – , er ist der Meister der Moderne im Film, ihr Herold und Anwalt in Personalunion, der in seinen besten Momenten Bahnbrechendes für das Verständnis von Film und seine Sprache geleistet hat. Genau dieser Umstand war es, der die Jury von Cannes seinerzeit dazu veranlasste, Antonioni 1962 für Die mit der Liebe spielen mit einem Spezialpreis „für seinen bemerkenswerten Beitrag zur Suche nach einer neuen Sprache des Kinos“ auszuzeichnen, nachdem 37 Künstler und Schriftsteller sich in einem offenen Brief positiv auf den während seiner Vorführung lautstark ausgebuhten Film bezogen.
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Abenteuerfilm

„Eines der größten und eines der beliebtesten Genres der Filmgeschichte ist zugleich eines der unbekanntesten“, beginnt Hans-Jürgen Wulff die Einführung zum vierten Band der Genre-Reihe des Reclam-Verlages. Er meint damit den Abenteuerfilm und führt in seiner umfangreichen Einleitung nicht nur aus, warum der Abenteuerfilm so unbekannt ist, sondern auch, warum das Genre so umfangreich ist. Das liegt unter anderem daran, dass „Abenteuer“ eine nicht nur weitverbreitete sondern auch weitauslegbare Erzählstruktur im Film ist. „Abenteuer“ kann mithin alles genannt werden, was dem Filmhelden Anlass bietet, aus dem gewohnten Habitus aus-/aufzubrechen ins Unbekannte. Das, was sich nach dem Aufbruch ereignet, ist variantenreich von Anbeginn der Filmgeschichte bis zu den jüngsten Hollywood-Filmen a la „Fluch der Karibik“ immer wieder erzählt worden.

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Dawn of the Dead2

1978 war die Welt noch „in Ordnung“: Es gab zwei gut gegeneinander abgrenzbare politische Ideologien. Es gab noch eine florierende Wirtschaft, die ihre Waren (zumindest in einem der beiden Systeme) für alle zugänglich anbot; alles war käuflich und nichts schien mehr einen Wert zu haben, der nicht auch fiskalisch benennbar war. Der Kapitalismus jener Tage war kein Schimpfwort, sondern ein Glaubenssystem. Es gab noch Überblick und Langsamkeit: Man konnte alle wesentlichen Neuigkeiten noch einer einzigen Nachrichtensendung entnehmen und war danach total-informiert. Und dann gab es noch ein noch längst nicht verblasstes Bild vom Krieg, von den Genoziden, von der Treibjagd auf Menschen und dem Überlegenheitsdenken einer „Rasse“. 1978 gab es noch allgegenwärtige „Motive“ für Horrorfilme mit einer klaren Message.

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White Skin

„Ich mag keine Rothaarigen, mit ihrer blassen Haut, unter der die Adern blau durchscheinen. Das macht mir Angst“, gibt Thierry zu Beginn des Films zum Besten. Und doch verfällt er kurz darauf Claire, einer anämischen Schönheit mit schneeweißem Gesicht und hexenhaft rotem Haar.
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Me evil – You good?

Als 1992 der belgische Film „Mann beißt Hund“ in die Kinos kam, schien es so, dass der authentisierte Serienmörderfilm damit seinen Höhepunkt erreicht hatte. Getarnt als Dokumentarfilm über einen Berufskiller, der den Filmemachern Einblick in seine Arbeit verschaffen will, reizte „Mann beißt Hund“ alle Simulationsästhetiken voll aus. Die schwarz-weißen Bilder, die scheinbare Zufälligkeit und Inkohärenz der Szenen, die mise-en-abyme, mit der Kamera, Filmteam und selbst Filmfehler immer wieder mitinszeniert wurden, vermittelten den Eindruck absoluten Dokumentarismus. „Mann beißt Hund“ war als hyperrealistischer Serienmörderfilm gleichzeitig eine Kritik an den Medien, die solche Stoffe auf immer reißerische und realistischere Weise inszenierten und sich damit selbst „schuldig“ machten.
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