Colour Blossoms

Die Begegnung mit der verschrobenen japanischen Diva Madam Umeki (Matsuzaka Keiko) eröffnet der jungen Immobilienverkäuferin Meili (Teresa Cheung) eine seltsame erotische Schattenwelt. Deren nostalgisch-luxuriös eingerichtetes Apartement steht zum Verkauf und Meili obliegt es, es nach bestem Wissen und Gewissen an den wohl Geeignetsten zu verkaufen. Bei einer Besichtigung begegnet sie dem jungen attraktiven Kim (Sho), der sie in seinen Bann zieht und sie verführt. Doch auch die stattliche Erscheinung des Polizeioffiziers #4708 fällt ihr bei ihren täglichen Wegen durch die Gassen der Stadt auf. Der ist ganz sinnlich und streift alles im Vorbeigehen mit seinen Fingerkuppen. Eine junge Frau (Harisu) stößt zu dem Geflecht, die sich als die junge Madam Umeki ausgibt, kurz nach ihrer Geschlechtsumwandlung, die sie durchgeführt hat, um Kim zu gefallen. Der wiederum findet bald Gefallen an #4708. Und vor dem feinen Ambiente ihres Apartements führt die ältere Madam Umeki Meili in die wunderbare Welt des Fetischs und des Masochismus ein …
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Beyond the Sea

Der Swing-Entertainer Bobby Darin ist, im Gegensatz zu seinem alles überragenden Vorbild Frank Sinatra, eine tragische Figur der populären Kultur der 50er Jahre. Trotz einiger Evergreens, die er der Musikgeschichte beschert hatte immer eine Nummer kleiner als Sinatra geblieben, kehrten ihn die 60er Jahre – trotz einiger Versuche, an sie anzuschließen – beinahe schon rüpelhaft unter den Teppich. Mit 37 starb er schließlich an den Folgen einer Krankheit aus Kindertagen, die sein Herz geschwächt hatte; ein stolzes Alter eigentlich, wenn man bedenkt, dass ihm seine Ärzte – folgt man Spaceys Film – maximal 15 Jahre vorausgesagt hatten. In jüngsten Jahren erfuhr Darin zumindest in zweiter Ordnung eine kleine Renaissance: Durch Robbie Williams’ Neuauflagen diverser Darinsongs, darunter auch, eingesungen für den Soundtrack des Pixar-Animationsspektakels Findet Nemo, Beyond the Sea.
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Adam & Paul

Adam und Paul kennen sich von Kindesbeinen an. Sie leben in Dublin, im unteren Milieu, wo man sich schon morgens zum Dosenbier im Park verabredet. Sie selbst hat es dabei am härtesten getroffen: Beide Junkies, ziehen sie verwahrlost durch die Stadt, immer auf der Suche nach etwas Geld, um sich den nächsten Kick zu besorgen. Man trifft sich auf der Straße mit Schicksalsgenossen, klaut im Supermarkt, trifft alte Bekannte, die nichts mehr mit einem zu tun wollen und lässt sich generell durch die Rand- und Abfallbezirke einer bürgerlichen Welt treiben. Adam & Paul schildert dabei die Ereignisse eines einzelnen Tages.
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Die Fluchtlinien des Textes und die Grenzen des Films

Das Misstrauen der Philosophie gegenüber der medialen Vermittlung philosophischen Wissens ist wohl ebenso alt, wie die Philosophie selbst. Und die Liste der Vorwürfe, die gegen die „Träger des Gedankens“ vorgebracht worden sind, ist bekanntlich lang: Die Rhetorik trügt und blendet, die Metapher verführt, die Schrift macht vergessen und nicht zuletzt das Bild ist ein minderwertiges Erkenntnismedium, dem nicht zu trauen – vor allem – nichts zuzutrauen ist.
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Über Wahrheit und Lüge im kinematographischen Sinne

„Le cinéma c’est la vérité 24 fois par seconde.“ Jean-Luc Godards Definition sagt wohl noch mehr über seinen Begriff der Wahrheit als über das Kino. Denn welche Art Wahrheit ist es wohl, die uns Film erzählt? Dass dieser, besonders der fiktionale Spielfilm, keine „wahren Geschichten“ erzählt und dass hinter jedem noch so objektiv(ierend)en Dokumentarfilm immer eine sehr subjektive Perspektive steht, hat Godard in seiner Kritik des Cinema Vérité ja selbst konstatiert. Das Verhältnis von Wahrheit und Lüge im Film untersucht ein neuer Sammelband aus dem transcript-Verlag.

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Vom »Wir« zum »Ich«

2001 erschien vom britischen Regisseur Andrew Parkinson der Zombiefilm “Dead Creatures”. Er griff ein Thema auf, dass Parkinson bereits zwei Jahre zuvor – man könnte sagen: in einer Art “Vorstudie” – behandelt hat. Es geht darum, die filmische Zombie-Metapher als moralphilosophisches Gedankenexperiment zu lesen. “Dead Creatures” widmete sich dabei dem Konflikt zwischen Gesellschaft und infizierter Gruppe – in “I, Zombie” geht es, wie der Titel bereits andeutet, um die Isolation des kranken Einzelnen in der Masse.
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Kafka geht (schon wieder) ins Kino

Hanns Zischerls 1996 erschienenes Buch „Kafka geht ins Kino“ ist ein Mittelding zwischen einer Kino-orientierten Kafkabiografie und einer Kafka-orientierten Geschichte des frühen Kinos. Zischler arbeitete zunächst minutiös die Kafka’schen Literaturfragmente, die sich mit dem Film und dem Kino beschäftigen heraus (allem voran Tagebucheinträge über den Besuch des Films „Die weiße Slavin“ – von dem es zurzeit Kafkas mehrere Versionen gab). Acht Jahre nach Zischlers umfassender Untersuchung erschien nun vor kurzem der Essay „Eiserne Fensterläden – Kafka und das Kino“ von Dietmar Schings bei „Vorwerk 8“.

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Kulturwissenschaftler

Eine Disziplin sitzt scheinbar erst dann fest im Sockel der akademischen Wissenschaften, wenn sie eine eigene Tradition vorzuweisen hat. Die Kulturwissenschaften haben es dann diesbezüglich besonders schwer. Als Konglomerat aus verschiedensten, ja eigentlich allen, Wissenschaftsgebieten mussten sie sich bislang mit den Präfixen Trans- und Inter- zufrieden geben. In Ihrer Geschichte verlief der Prozess genau anders herum, als bei den klassischen geisteswissenschaftlichen Disziplinen: Erst gab es die Wissenschaft, dann wurden ihr die Theoretiker zugerechnet. Zwei kürzlich erschienene Biografien-Bände stellen einen Kanon an kulturwissenschaftlichen Denkern zusammen.

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»Fressen und Gefressenwerden«

»Die Entwertung der Dingwelt in der Allegorie
wird innerhalb der Dingwelt selbst
durch die Ware überboten.«

(Walter Benjamin)

… ist die Leitdoktrin kapitalistischer Wirtschaftslogik. Die „Fressen“-Metaphorik zieht sich durch die gesamte Wirtschaftstheorie und -terminologie und ist selbst schon Gegenstand kulturwissenschaftlicher Überlegungen geworden. Was wäre da idealer, als das Fressen einmal wörtlich zu nehmen und die sozial-ethischen Konsequenzen der Produktions-, Vermarktung- und Konsumptionslogik an der wörtlich genommenen Metapher auszubuchstabieren? Der Däne Anders T. Jensen hat dies getan und den Betrieb einer Kleinschalchterei zur Parabel für den Wirtschaftskreislauf erklärt.
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Shaun of the Dead

Der Zombiefilm, ein Phänomen des unterschlagenen Films der siebziger und achtziger Jahre, feiert seine Renaissance. Und zwar nicht nur auf der Ebene der postmodernen Referenz, wie es beispielsweise „Scream“ mit dem Slasher-Subgenre gemacht hat, sondern tatsächlich auch in ernsteren Projekten: So startete im vergangenen April mit „Dawn of the Dead“ ein mit beachtlichem Aufwand produziertes Remake des gleichnamigen Klassikers von George A. Romero (der inzwischen mit den Arbeiten an seinem vierten Zombie-Film „Land of the Dead“ begonnen hat). Und selbst Bernd Eichingers Verleihfirma Constantin steht mit der deutschen Zombie-Komödie „Die Nacht der lebenden Loser“ in den Startlöchern.
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Casshern – Im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit

Wir schreiben eine ferne Zukunft, deren Gesicht die Züge archaischer Technisierung und gigantomanischer Fortschrittsgläubigkeit trägt. Die Technik hat ihre Entwicklung zu einer zweiten Natur vollendet und die Dystopie einer Welt voll Krankheit, Seuchen und einem Krieg um den eurasischen Kontinent, der an die beiden Weltkriege des letzten Jahrhunderts erinnert, zur Realität werden lassen. Inmitten dieser von Zerrüttung gezeichneten Welt gelingt dem Wissenschaftler Azuma die Erlösung versprechende Erfindung der Neo-Cells; Stammzellen, aus denen sich lebende Materie generieren lässt. Azuma, der von dem Gedanken an die Heilung seiner todkranken Frau besessen ist, merkt nicht, wie die amtierenden Machthaber – allesamt alte, kranke Männer – seine Erfindung für ihre eigenen Bedürfnisse missbrauchen wollen.
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Dr. Mabuse, ein Porträt

Dr. Mabuse ist eine der dunklen Gestalten des deutschen Films zwischen den Kriegen. Wie Dr. Caligari, Nosferatu oder der Golem ist er ein Agent des Übernatürlichen. Er ist übermächtig, spricht von sich selbst als einem „Staat im Staate“. Die Weimarer Republik vor der Inflation wird im zweigeteilten Dr. Mabuse, der Spieler als eine Zeit des Spielens gezeichnet. Diese kommt Mabuse entgegen. Seine regelwidrigen Einmischungen reichen bis hin zur Manipulation der Börse. Da erscheint er geradezu als „unsichtbare Hand des Marktes“, die alles regelt, als das Bild seines Gesichts über das Chaos im Börsenhaus geblendet wird.
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Psychoanalyse (und Film)

1895 war für die Kulturgeschichte ein bedeutsames Jahr. Sigmund Freud veröffentlichte zusammen mit Josef Breuer die „Studien zur Hysterie“ und begründet damit die Psychoanalyse. Die Brüder Lumière führten im Grand Café in Paris einen Film öffentlich vor und begründen damit das Kino. Auf dieses gleichzeitige Geburtsjahr von Kino und Psychoanalyse ist oft hingewiesen worden. Und beider Entwicklung verlieft in gewisser Hinsicht seit dem „parallel“ – beide beeinflussten sich gegenseitig. In der sechsten Auflage von Wolfgang Mertens mittlerweile kanonischem psychologischen Einführungswerk „Psychoanalyse“ ist daher konsequenterweise ein Filmkapitel hinzugekommen.

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Life at 25 Frames per Seconds

Life at 25 Frames per Seconds, Deutschland 2003, Andreas Flack/Eva Rebl

Das Videdrom zu Berlin, Deutschlands – vielleicht sogar Europas – bestsortierteste Videothek, ist so ein bisschen wie der Plattenladen aus High Fidelity. Oder wie ein gewisses Tabakgeschäft aus Brooklyn. Man kommt hin und kennt sich. Man schwatzt. Unterschiedliche Welten und Geschmäcker treffen aufeinander: Das ist nicht weiter tragisch – im Videodrom wird Pluralität groß geschrieben und als Bereicherung verstanden. Und man leiht sich Videos aus. Das wird dann fast schon zur Nebensache (natürlich nicht). It’s a big little family. Und hier bekommt man, was es sonst nirgends sonst zum Leihen gibt. Asien, Klassiker, Trash, Horror, Splatter, Import, Mainstream, Kunst. Und so weiter und so fort.
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Lindenstraße

Seit der Popularisierung des Fernsehens in den 1950er Jahren findet eine weitere Art Geschichtsschreibung statt, die in Form von in Filmen und Serien veröffentlichten Kommentaren jeden Zuschauer einen medial prädisponierten Kommentar auf das Zeitgeschehen anbietet. Der einzige Nachteil ist die geringe „Halbwertzeit“ der Informationen, die, ist die Sendung erst einmal ausgestrahlt, nur im Ausnahmefall wiederholbar ist. Durch Wiederholungen alter und ältester Sendungen – gerade in den digitalen Fernsehkanälen – wird dem Zuschauer heute wieder ein einzigartiges Zeitfenster geöffnet, durch das er die jüngere Geschichte der Bundesrepublik nachvollziehen kann.

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Exorzist – The Beginning

1973, Nord Irak: Bei archäologischen Grabungen wird ein komplettes Gebäude freigelegt. In ihm befinden sich Artefakte aus unterschiedlichsten Zeiten und Weltgegenden. Der leitende Archäologe des Projektes, Pater Lankester Merrin, entdeckt den Kopf einer kleinen Teufelsskulptur – in ihm keimt ein Verdacht und er bereitet seine Abreise vor. Als er tags darauf noch einmal zum Fundort zurückkehrt, steht er unversehends einer manngroßen Teufelsstatue gegenüber, die zuvor noch nicht dort gewesen ist. Nun ist er sich sicher, bei den Ausgrabungen etwas ans Tageslicht gebracht zu haben, das besser verborgen geblieben wäre. Und tatsächlich ist der Teufel selbst auf die Erde gekommen und ergreift am anderen Ende der Welt Besitz von der Seele eines kleinen Mädchens.

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Kurzrezensionen Oktober 2004

  • Jacques Lacan: Das Seminar, Buch IV. Die Objektbeziehung. Turia + Kant 2004.
  • Norbert Grob: Im Kino gewesen … Kritiken zum Film (1976 – 2001). St. Augustin: Gardez! 2003.
  • Siegfried Kracauer: Kleine Schriften zum Film. 3 Bdd., hrsg. von Inka Mülder-Bach. Frankfurt: Suhrkamp 2004.
  • Linda Hentschel. Pornotopische Techniken des Betrachtens. Raumwahrnehmung und Geschlechterordnung in visuellen Apparaten der Moderne. Reihe: Studien zur visuellen Kultur, Bd. 2. Marburg: Jonas 2001.
  • Silvia Kling. Filmologie und Intermedialität. Der filmologische Beitrag zu einem aktuellen medienwissenschaftlichen Konzept. Tübingen: Stauffenberg 2002.
  • Irmberg Schenk (Hg.): Zeit-Sprünge. Wie Filme Geschichte(n) erzählen. Berlin: Bertz 2004.
  • Christian Mikunda: Kino spüren. Strategien der emotionalen Filmgestaltung. Wien: WUV 2002.
  • Michel Foucault: Die Hermeneutik des Subjekts. Vorlesung am Collège de France (1981/82). Frankfurt am Main: Suhrkamp 2004.
  • Joachim Krampert/Jürgen Wehnert: Das Edgar Wallace Lexikon. Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf 2004.
  • Gérard Naziri: Paranoia im amerikanischen Kino. Die 70er Jahre und die Folgen. St. Augustin: Gardez 2003.
  • Marli Feldvoß/Marion Löhndorf (Hrsg.): Marlon Brando. Berlin: Bertz 2004.
  • Hans Helmut Prinzler/Gabriele Jatho (Hrsg.): New Hollywood 1967 – 1976. Trouble in Wonderland. Berlin: Bertz 2004.
  • Seymour Chatman/Paul Duncan (Hrsg.): Michelangelo Antonioni – Sämtliche Filme. Köln: Taschen 2004.

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Hermeneutik des Subjekts

Michel Foucault: Die Hermeneutik des Subjekts. Vorlesung am Collège de France (1981/82), Frankfurt am Main: Suhrkamp 2004

Es ist üblich, das Schaffen Michel Foucaults in drei Phasen einzuteilen: die archäologische Phase, die im wesentlichen die sechziger Jahre umfaßt, die genealogische Phase der Siebziger und schließlich das Spätwerk der achtziger Jahre, das unter dem Rubrum »Ästhetik der Existenz« firmiert. Wodurch sind diese Phasen jeweils charakterisiert?
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