Die grüne Revolution (The Green Wave, D 2010, Ali Samadi Ahadi)
„Wo ist meine Stimme?“, fragen Azadeh und Kaveh. Die Wahlen am 12. Juni 2009 sollten dem Land den Wandel bringen. Doch der politische Umschwung war ein anderer, als die Anhänger von „The Green Wave“ gehofft hatten. Der gemäßigte Kandidat Mir Hossein galt als zukünftiges Staatsoberhaupt des Iran. Stattdessen gewann sein fundamentalistischer Gegner mit einem Erdrutschsieg. Der Goldene Bär der Berlinale für „Nader and Simin“ rückt Ali Samadi Ahadis politische Doku-Fiction besonders ins Blickfeld – auch das von Lida Bach.


Der Erste Weltkrieg gilt als die Ur-Katastrophe des der Moderne. Während das Grauen des Zweiten Weltkriegs in der menschenverachtenden Ideologie begründet liegt, die diesen auslöste, bewegt der Erste Weltkrieg, weil er von so vielen befürwortet wurde, und das in Unkenntnis dessen, dass die Entwicklung der Technologie und ihrer Handhabung dem Krieg schon jegliche Möglichkeit genommen hatte, auf welche argumentative Weise auch immer positiv betrachtet werden zu können. Vor allem die Euphorie, mit der auch Künstler und Literaten an die Front zogen oder ziehen wollten, ist ebenso faszinierend wie irritierend.
Dass ein Dokumentarfilm – und zu diesem Genre zählt Wim Wenders‘ „Pina“ – nicht immer eine stringente Erzählung oder gar einen Handlungsbogen besitzt, liegt in der Natur der Sache. Es ist einer Doku daher aber umso höher anzurechnen, wenn sie es schafft, aus einem Sujet, das für den Rezipienten bis dahin nicht von Interesse war, das Maximale rauszuholen und ihn doch bis zu einem gewissen Grade involviert. Nur ist das bei „Pina“ leider nicht der Fall.
Einen Dokumentarfilm von Werner Herzog zu schauen hieß immer schon auch einen Dokumentarfilm über Werner Herzog zu sehen zu bekommen. Gemäß dem Credo des Autorenfilms lässt sich die Handschrift des Künstlers durch objektivierende Ästhetiken nicht entfernen, sondern bloß verschleiern. Herzog hat aus dieser Not eine Tugend gemacht und immer schon seinen Blick auf die Welt präsentiert, der nicht zuletzt schon durch die Wahl des Sujets bestimmt wurde: Oft sind es verzweifelte Abenteurer, denen er mit der Kamera folgt, die er beim Scheitern filmt, dabei selbst zum Abenteurer und Scheiternden wird und so das portraitierte Motiv performativ verdoppelt. Ab den späten 1990er-Jahren begann Herzog dann immer häufiger, die von ihm gefundenen Bilder und Töne selbst zu zitieren, als bediene er sich an einem filmphilosophischen Baukasten, dessen eigene Terminologie er verarbeitet und weiterentwickelt. Wohin ihn das geführt hat, lässt sich sehr deutlich an seinem Dokumentarfilm “Begegnungen am Ende der Welt” sehen: ans Ende der Welt und in den Solipsismus.

… unter diesem zugegebenen zunächst absurd klingenden Titel erschien 1996 ein deutsches 

Was wäre das Kino ohne seine großen Mythen von den Unvollendeten? Von den Meisterwerken, die es nie gegeben hat und die doch Lücken lassen, welche mit den Sehnsüchten all jener, die das Kino lieben, gefüllt werden? Kubricks „Napoleon“, Tarkovskijs „Hamlet“, Welles’ oder Gilliams „Don Quixote“ – oder die ursprüngliche, neunstündige Fassung von Stroheims „Greed“? Der legendenumwobene sechsstündige Rohschnitt von Ciminos „Heaven’s Gate“, oder ein echter Director’s Cut von Scorseses „Gangs of New York“? Die Träume, die an diesen Lücken hängen, sind stets so übergroß, dass kein Film ihnen jemals gerecht werden könnte, und fast scheint es, als wäre das Kino als Projektionsfläche für solcherlei Träume am wirksamsten dort, wo es gar keinen Film mehr projiziert.
Es ist nicht gerade so, dass es dringend an der Zeit wäre, dem slowenischen Philosophen Slavoj Žižek endlich eine Präsenz in bewegten Bildern zu geben. Über den Lacanianer gibt es ganz im Gegenteil bereits eine Vielzahl an filmischen Abarbeitungen. Man erinnere sich etwa an Astra Taylors Königsportrait “Zizek!” von 2005, bei dem sich erlernen ließ, dass der wuschelige Wirrkopf seine Unterhosen im Geschirrschrank aufhängt. Taylor war es auch, die ihn drei Jahre später in ihrer episodischen Philosophenansammlung “Examined Life” auf die Müllkippe schickte, um den Marxisten darüber schwadronieren zu lassen, warum der Mensch angesichts des eigenen Abfalls in Transzendenzzustände fallen sollte, anstatt dem romantischen Gedanken der Liebe zur Natur nachzuhängen. Schließlich ist da noch “