Sartre trifft Peckinpah

Anfang der 80er Jahre erfuhr das Hongkongkino bedeutende Veränderungen durch einen Schwung neuer Jungregisseure, die sich vom Diktat der anachronistischen, demagogischen und oktroyierenden Produktionsfirmen, wie z.B. den Shaw Brothers, befreiten und beweisen wollten, dass diese Filmindustrie zu mehr in der Lage ist als Martial Arts Werken, im Westen auch manchmal etwas verächtlich „Eastern“ genannt.
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Dawn of the Dead

1978 sollte zum Schlüsseljahr für Geoge A. Romero werden. Er drehte die Psychostudie MARTIN, mit der er sich auch endlich Freunde in der „seriösen“ Ecke machen konnte und die selbst bei Kritikern des katholischen Filmdienst Anklang fand. Wesentlich interessanter für die breite Masse der Fans gestaltete sich jedoch die Tatsache, dass Romero eine Quasi-Fortsetzung seines kommerziell wie künstlerischen Erfolges von 1968 plante. Sozusagen eine thematische Weiterführung des Erstlings, die bedeutend apokalyptischer angelegt sein sollte.
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Bad Taste

In dem 70-Seelen-Kaff Kaihoro, irgendwo an der neuseeländischen Küste gelegen, haben Außerirdische ein komplettes Genozid veranstaltet. Eine Spezialeinheit des Ministeriums „Astro Untersuchungs- und Verteidigungsdienst“ schickt ihre Elitetruppe „The Boys“ nach Kaihoro, um die Invasion zu stoppen und einen gefangenen Spendensammler, der den Aliens in die Fänge geraten ist, zu befreien.
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K(l)eine Konkurrenz

„Witzig.“ Selbst aus nicht kindlicher Perspektive muss das Urteil über Rugrats so lauten. Tatsächlich erwartet den Zuschauer etwas, das sich vom Disney-Einerlei des bisherigen sog. „abendfüllenden Zeichentrickfilms“ abhebt. Auch wer die Charaktere Tommy, Chuckie, Phil, Lil und Didi noch nicht aus der gleichnamigen Nickelodeon-Serie kennt, wird sich schnell in ihrer Welt zurechtfinden. Die Rugrats, das sind Babies und Kleinkinder, die mit Sinn für anarchischen Humor versuchen, die Welt der Erwachsenen zu verstehen und die sich dabei in zahllose Abenteuer verstricken. Erfrischend ist vor allem deren völlig ungewöhnliche Perspektive auf die Welt jener Eltern und Großeltern, mit denen sie es tagtäglich zu tun haben. Da wird das Toupet des Großvater Pickels kurzerhand als das „flauschige Tier, das auf unseren Köpfen lebt“, definiert und ganz gewöhnliche Prozeduren des Alltags werden zu spannenden Abenteuern ausgemalt.
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Kubrick3

Das vergangene Jahr war ein fruchtbares, was deutschsprachige Publikationen auf dem Filmsektor anging. Das lag zum einen daran, dass Alfred Hitchcock 100 Jahre alt geworden wäre, hatte aber auch den traurigen Grund, dass am 7. März der nach vieler Ansicht “bedeutendste Filmregisseur aller Zeiten” – Stanley Kubrick – im Alter von 70 Jahren gestorben ist. Seine Hinterlassenschaft ist reichhaltig: Vom genialen Schlusswurf Eyes wide shut über zahllose Mythen, die um seine Filme und um seine Person gesponnen wurden bis hin zu einem Schwall an Literatur, die sich mit seiner Person und seinem Opus Magnum auseinandersetzt. Drei dieser Bücher möchte ich im Folgenden vorstellen.
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Im Laboratorium des Dr. Trier

Achim Forst: Das Kino des Lars von Trier, Marburg: Schüren 1999

Gewalt(tät)ige Bild- und Gefühlswelten mit dem Gespür für das Unentrinnbare: Das Kino des Lars von Trier. Ambitioniertes Kunstkino, Melodram, Fernsehserie, Dogma 95. So sehr sich sein erster offizieller Film, Nocturne (1980), und sein derzeit letzter, Die Idioten (1998), voneinander unterscheiden mögen, so sehr sind sie Eckpunkte einer konsequenten Entwicklung. Achim Forst, Filmjournalist, Kritiker und Regisseur zeichnet in seinem Filmporträt Das Laboratorium des Lars von Trier und dem dazugehörigen Buch Breaking The Dreams – Das Kino des Lars von Trier, ein detailliertes Bild von der Filmwelt Triers.
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Afrikanisches Kino

H.-P. Gutberlet & M.-H. Metzler (Hgg.): Afrikanisches Kino, Bad Honnef: Horlemann 2000

Gibt es das, lassen sich die Strömungen eines ganzen Kontinents auf einen Nenner bringen? Die Grunderfahrung, mag man meinen, sei die gleiche: Streben nach Mündigkeit in immer noch postkolonialer Zeit. Und das Medium Film dient im Nachfeld der ‘Unabhängigkeit’ wie andere weitgehend dem selbstemanzipierenden Finden eigener Perspektiven im Raum von Milieu, Stamm, Staat und Supranation.
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Sachlexikon Film

Das Sachlexikon Film von Rainer Rother (Hrsg.) ist eines der wenigen Filmlexika, die überhaupt in deutscher Sprache erschienen sind und stellt eine gelungene Synthese aus Wörterbuch und Sachlexikon dar. Anhand von vielen Stichworten und Artikeln verschiedenster Autoren wird ein guter Überblick über Fakten und Zusammenhänge rund um das Medium gegeben.
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Lynch über Lynch

Es besteht eine eigenartige Diskrepanz zwischen dem, was David Lynch filmt und dem, was er über dieses Gefilmte sagt. Er verweigert nämlich nicht nur eine Deutung seiner Filme, sondern scheint die Fragenden auch bewusst in die Irre führen zu wollen mit Aussagen, die mindestens ebenso kryptisch sind, wie die Bilder zu denen sie gemacht werden. Interessanterweise ist aber genau das, was Lynch sagt, häufig das Einzige, was sich über seine Filme sagen lässt. Denn einen hermeneutischen Zugang, der zu einer schlüssigen Interpretation führen würde, findet man in keinem Film Lynchs. Allenfalls Signifikanzen – Bedeutungen für den einzelnen Betrachter -, die mehr gefühlt als gedacht werden, lassen sich Werken, wie Eraserhead (USA 1977), Blue Velvet (USA 1986) oder Lost Highway (USA 1997) entnehmen.
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Maystbietend

Michael Petzel: Karl-May-Filmbuch – Stories und Bilder aus der deutschen Traumfabrik, Bamberg/Radebeul: Karl-May-Verlag 1998

Kenntnisreichtum und Schwärmerei treiben zuweilen seltsame Blüten. Geradezu akribisch hat sich Autor Michael Petzel einer der aufwendigsten Recherchen in der deutschen Filmgeschichte gewidmet, ist doch Karl May hierzulande der am häufigsten verfilmte Buchautor. Eng hat er dabei mit dem Karl-May-Archiv Göttingen zusammengearbeitet und einen erheblichen Fundus an Literatur durchstöbert, um das Buch schließlich zu publizieren, gebunden im Stile der alten Reihe.
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Gräben graben

Drucilla Cornell (Hg.): Die Versuchung der Pornografie, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1998

Beim Versuch, Pornografie als ästhetisches Phänomen zu greifen, findet man sich leicht einem Hindernis gegenüber gestellt: Der größte Teil der zu diesem Thema existierenden Publikationen handeln nicht von, sondern gegen Pornografie. Das Ergebnis steht schon zu Anfang der Untersuchung fest und die Argumentation verläuft dann auch nicht mehr besonders sachlich, sondern hangelt sich mühselig von Seite zu Seite, immer bestrebt, dem Vorurteil gerecht zu werden. Nun ist Pornografie in ihren Erscheinungsformen sicherlich kein besonders unterhaltsames Genre und der ästhetische Reiz ist (wenn überhaupt vorhanden) schnell gesättigt. Aber eine deduktive Betrachtung, die ja sonst auch allen „Trash- und Pulp-Künsten“ angedeiht, sollte auch (ja: gerade) hier Basis wissenschaftlicher Untersuchung sein.
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Simulation und Verführung

Das Werk des französischen Theoretikers Jean Baudrillard, des „Feuilleton-Gespenstes“ der europäischen Gazetten, ist so populär, wie unverstanden. Dies klingt zunächst paradox, doch erklärt sich vor allem daraus, dass Baudrillard sich mit seinen Theorien zwischen alle Stühle setzt: Für die geisteswissenschaftliche Fachwelt sind sie nicht „wissenschaftlich“ genug und für den Nicht-Akademiker oft zu komplex und anspielungsreich und für Naturwissenschaftler oft einfach „eleganter Unsinn“. Und dennoch findet Baudrillard Beachtung. Denn seine Thesen zur Kultur scheinen zwar oberflächlich wissenschaftlicher Begründung zu entbehren, haben jedoch eine eigenartige Richtigkeit, ja sogar Relevanz. Ausgehend von der politischen Ökonomie und der Simulationstheorie in den 70er Jahren, über die Theorie der Verführung in den 80er Jahren zur Transparenz des Bösen in den 90er Jahren hat er immer wieder zentrale Momente der zeitgenössischen Kultur aufgegriffen und erklärt.
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The Revenge of Hammer

A. Oetjen: Hammer Horror – Galerie des Grauens, Meitingen: Corian 1995

1958 schrieb ein kleines, britisches B-Movie-Studio mit einer eigenwilligen Adaption des klassischen Frankensteinstoffes Filmgeschichte: The Curse of Frankenstein (GB 1958) von Terence Fisher, mit Peter Cushing und Christopher Lee in den Hauptrollen, war nicht nur der erste Gruselfilm in satten Farben, er war zudem – für damalige Verhältnisse – ungewöhnlich blutig und detailverliebt. Erstmals also wurde der Lebenssaft blutrot vergossen, erstmals die Linse der Kamera aufs Körperinnere fokussiert. Was heutzutage in der Ästhetikgeschichte des Films als Grundstein des Splatterfilms gilt – wenn auch CURSE selbst kein solcher ist -, war damals für das seit jeher morbide England ein Hochgenuß des Nervenkitzels. Die vollen Säle bescherten den Hammer Studios Reichtum und ein Konzept, das ihnen über Jahre hinweg höchst rentable Betriebsamkeit garantieren sollte.
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Der Blick in den Psychopathen

Eine Folge der zunehmenden Mediatisierung des Gewaltverbrechens ist die Verschiebung der Perspektive, die der Film seinem Gegenstand gegenüber einnimmt. Ließen sich in der Frühzeit des Psychothrillers noch hochgradig spekulative und reißerische Titel vermarkten, so verlangt das Publikum, dessen Wissen nicht zuletzt durch die Filmgeschichte selbst genährt wurde, heute nach differenzierten Betrachtungen. Der diesbezügliche Wandel wird recht deutlich, wenn man sich Remakes von bestimmten Stoffen (z. B. Es geschah am helllichten Tag, D 1958 vs. The Pledge, USA 2001) oder Wiederaufnahmen bestimmter authentischer Fälle (z. B. des Ted Bundy-Falls in The deliberate Stranger, USA 1986 vs. Ted Bundy, 2002) im Spielfilm ansieht. Mit dieser neuen Betrachtungsweise einher geht auch ein »intentionaler Gestus« des jeweiligen Filmautoren, der sein Werk nun nicht länger allein als reine Unterhaltung, sondern darüber hinaus auch als »Studie« über seinen Gegenstand verstanden wissen will (siehe meinen Beitrag über die Jack the Ripper-Adaptionen in dieser Ausgabe).

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Mörderisches Profil

„Der Serienmörder ist noch ein echter Held“, äußerte der französische Philosoph Jean Baudrillard einmal in einem Interview. In der Tat ist der Serienmörder auch eine kulturelle Ikone, ein Objekt der Faszination, das die Medien fasziniert präsentieren und vermarkten. Die Faszinaiton, die vom Serienmörder ausgeht, hängt mit seinem radikalen Freiheitsanspruch zusammen, den er durch seine Taten die soziale Gemeinschaft verwirklicht. Doch das ist eben nur eine Seite.

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Aus 10 mach 4

Monolithisch steht es nun schon seit 15 Jahren in der Filmlandschaft und man kommt an ihm nicht vobei: Das Lexikon des internationalen Films. Als Zusammenstellung der seit Ende des zweiten Weltkrieges für den katholischen Filmdienst entstandenen Filmkritiken hat es Umfang und Bedeutung wie kein zweites Nachschlagewerk erhalten – und das trotz aller Kritik am vermeintlichen Dogmatismus des filmdienst, aus dessen Kurzbesprechungen das Lexikon seine Kritiken rekrutiert.

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Mach’s noch einmal

Das Phänomen des filmischen Remakes ist in der Vergangenheit durch zahlreiche Publikationen aufgearbeitet worden. Dazu zählten sowohl wissenschaftlich-methodische Abhandlungen (wie das jüngst erschienene Remake-buch von Wolfgang Arendt) aber auch eine Reihe von Lexika, die – mal mehr mal weniger – versuchen Remakes zu sortieren und aufzulisten.

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Bill und Steve

Bei einer Industrie, wie der im Silicon Valley, die so sehr mit dem Begriff des amerikanischen Traums verbunden ist, wundert es eigentlich, dass sich bislang kein Filmstudio finden konnte, das bereit war, die Geschichte der Computerpioniere nachzuerzählen. Doch nun gibt es die Sillicon Valley Story auch als Film.
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Allen anders

Zu befürchten war ja eigentlich nie wirklich, dass Woody Allen nach Harry außer sich (USA 1997) nun endgültig hinter die Kamera verschwunden ist, auch wenn Kenneth Brannagh in Celebrity (USA 1998) einen durchaus passablen Nachfolgemimen abgegeben hatte. Aber Darstellar-Abstinenz hatte es bei dem mittlerweile 65-jährigen ja bereits öfter gegeben: von September (USA 1987) bis Eine andere Frau (USA 1988), sieht man von der Kurzgeschichte in New York Stories (USA 1989) ab). Aber nun ist Allen wieder vor der Kamera und zeigt eine weitere Facette seiner Kunst.
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