Die Wiedererkämpfung der Heterosexualität

In den 1980er Jahren war Patrick Swayze für einen kurzen Moment ein Kinostar. Nach seinem Debüt auf der großen Leinwand im Kreise des durch Francis Ford Coppolas „The Outsiders“ formierten Brat Pack und dem legendären Desaster als faschistoider Pfadfinder in John Milius’ spektakulär gescheiterter Kalter-Krieg-Satire „Red Dawn“ war Swayze im Jahr 1987 plötzlich der Posterboy No. 1 des Weltkinos. „Dirty Dancing“ war einer der unglaublichsten Kassenhits der Dekade, und sein Hauptdarsteller plötzlich Schwarm aller Backfische zwischen 12 und 52 und Mittelpunkt einer der irritierendsten Camp-Phantasmagorien der Kinogeschichte. Gleichwohl schien Swayze selbst ein wenig erschrocken über den Erfolg des trashig-nostalgischen Musicals und setzte in den folgenden Jahren in seiner Rollenauswahl (recht erfolglos) alles daran, eine überbetonte Maskulinität ins Zentrum des Gezeigten zu rücken.

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Es lebt schon wieder

Manche Horrorfilm-Motive sind nicht tot zu kriegen – dazu gehören die von den bösen Kindern, wie sich dieses Jahr wieder einmal auf den Fantasy-Filmfest zeigte. Und wenn ein solcher Film auch noch den Titel „It’s Alive“ trägt, dann kann man das auch programmatisch verstehen. „It’s alive“ bildete 1974 den Auftakt zu einer Horrorfilm-Serie des Regisseurs Larry Cohen über bösartige Neugeborene, die er 1978 mit „It lives again!“ und 1987 mit „It’s alive III – Island of the Alive“ fortsetzte. Dass er seinem ursprünglich sehr originellen Motiv in den Fortsetzungen nur noch wenig Neues abpressen konnte, zeigt schon, dass der eigentliche Reiz vor allem in der Novität der Story lag: Ein Baby wird bereits böse geboren und nicht erst nach der Geburt durch schlechte Einflüsse zum Teufelskind, wie in anderen erfolgreichen Produktionen der 1970er Jahre postuliert. Im Jahre 2008 hat das böse Baby seine unrühmliche Wiedergeburt erlebt: „It’s Alive“ von Josef Rusnak kommt nicht nur nicht an seine Vorlage heran, sondern bemüht sich zudem redlich einer der schlechtesten Horrorfilme überhaupt zu sein.

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Capitalism Stole My Virginity

Man muss ja ehrlich sein: wenn man in einem Michael Moore Film geht, erwartet man die übliche reißerische Polemik gepaart mit lustigen Szenen aus der Populärkultur, abgeschmeckt mit einer Prise Zynismus. Doch seinem neuen Film aus diesem Grund keine Chance zu geben, täte ihm Unrecht. „Kapitalismus: eine Liebesgeschichte“ ist bedeutend reifer und weniger polemisch als noch „Fahrenheit 9/11“ es war.

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Die Film-Stadt und ihre Stadtfilme

Los Angeles gehört wohl – neben New York, London und Paris – zu den meist gefilmten Städten der Welt. Anders als diese musste sich aber Los Angeles sein filmisches Dasein per se erst erkämpfen. Während die Weltstädte wie von selbst zu Objekten cinematografischer Begierde wurden, war die „horizontal city“ am Anfang des Jahrhunderts noch ein aus urbaner Perspektive unattraktives Dorf und hat sich erst nach und nach den Status einer filmenswerten Lokalität erarbeitet. Gefilmt wurde in Los Angeles zwar schon immer, seit sich in Hollywood die Kinoindustrie angesiedelt hatte, aber das Gefilmte wurde verkleidet: Das Gezeigte war immer andernorts. Heute ist dies natürlich nicht mehr so, und Los Angeles ist nicht nur Dreh-, sondern auch Handlungsort einer kaum überschaubaren Anzahl von Filmen und Fernsehserien. L.A. ist in mehr als einer Hinsicht die Film-Stadt.

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Schmelz-Insurance

Beinahe täglich werden neue Schreckensmeldungen über die große Katastrophe verkündet, die uns aufgrund der schmelzenden Polkappen droht: Die Küstenlinien werden weltweit neu gezogen werden müssen, etliche Nationen ganz oder aber zum Teil – wie etwa unser westlicher Nachbar, die Niederlande – unter der Meeresoberfläche verschwinden. Gleichzeitig wird sich das Klima spürbar verändern: Die Temperatur wird ansteigen und großflächige Versteppungen nach sich ziehen, gigantische Landmassen für Menschen somit unbewohnbar werden. Dürren und Hungersnöte drohen auf der einen, orkanartige Unwetter auf der anderen Seite. Roland Emmerich hat dieses Szenario vor ein paar Jahren in seinem erstaunlich gelungenen „The Day After Tomorrow“ eindrucksvoll bebildert und in eine großbudgetierte Effektschlacht verwandelt. Die skandalöse Ansicht, dass die drohende Katastrophe aber schon vor dieser letzten Flut ihren tödlichen Boten senden könnte, vertritt „Frozen: Etwas hat überlebt“. „Schmelz-Insurance“ weiterlesen

„Nobody suffers like the poor“

Henry Chinaski (Mickey Rourke) ist ein Säufer. Tag für Tag lässt er sich in den miesen Pinten seines Viertels vollaufen, fängt jeden Abend im Vollrausch eine sinnlose Schlägerei mit dem Barkeeper Eddie (Frank Stallone) an, den er verachtet, bringt dann in den frühen Morgenstunden zurück in seinem versifften Appartement seine Gedanken zu Papier und wacht schließlich irgendwann zerschunden auf, nur um wieder von vorn zu beginnen. Als die Herausgeberin Tully (Alice Krige) eine von Henrys Kurzgeschichten veröffentlichen will und mit einem Scheck vor seiner Tür steht, scheint ein Ausstieg aus dem Trinkerleben möglich … „„Nobody suffers like the poor““ weiterlesen

Irrlichter

Das Meeresrauschen hört man schon, während noch die Credits laufen. Sie weichen einem schwarzen Bildschirm über den mehrere große Luftblasen von unten nach oben schweben, bevor sie schließlich unter zunehmendem Rauschen in viele Tausend kleine Bläschen zerstäubt werden, kleine weiße Lichtpunkte. Dann schiebt sich etwas zwischen diese Lichtpunkte, ein Haarschopf oder aber Algen, und ein unangenehmes Kreischen mischt sich in das beruhigende Rauschen des Meeres. Und während dieses Kreischen immer lauter wird, das Schwarz einem Blutrot weicht, verwandeln sich auch die Lichtpunkte noch einmal, werden sie unschärfer, bis sie aussehen wie weit entfernte Sterne, die man mit schwindendem Bewusstsein noch durch halb geschlossene Augenlider wahrnimmt, bevor einen der Schlaf – oder Schlimmeres – übermannt … „Irrlichter“ weiterlesen

Der Maschine abgerungen

Sam Peckinpah war ein seltsamer Filmemacher. In seiner Bedeutung für das Kino von den 1960er Jahren bis heute kaum zu überschätzen, war er nicht nur ein formaler Innovator des Bewegungskinos, dessen einst revolutionäre Zeitlupenästhetik sich von der tänzerischen Melodramatik eines John Woo bis zu den stilisierten bullet times der Wachowski Brothers in die cineastische Grammatik eingeprägt hat. Er stand und steht bis heute auch für eine äußerst aufschlussreiche Schizophrenie des amerikanischen Kinos, eine Zerrissenheit und ein rastloses Oszillieren zwischen rau-derbem Machismo nebst hypermaskulinen Ritualen und einem ganz eigentümlichen, sensiblen Lyrizismus – so zurückhaltend und sanft, dass man ihn in einem Blinzeln des Auges schon übersehen könnte. Wohl auch deswegen wurde Peckinpah auch zu einem der am häufigsten unverstandenen Filmemacher des amerikanischen Kinos, seine Karriere ein zäher Kampf um jeden Film, mal triumphal gewonnen, häufiger tragisch gescheitert. Jeder Moment von Poesie der Maschine abgerungen.

PassionSam Peckinpah war ein brillanter Filmemacher. In seiner nur 22 Jahre währenden Karriere konnte er dem anfangs noch starren, kunstfeindlichen, dann durch die Auteurs von New Hollywood aufgebrochenen und schließlich wieder neu in Klischees gerinnenden Apparat des amerikanischen Kinos 14 Filme abtrotzen, davon mindestens sechs absolute Meisterwerke. Der ikonische Moment für die Ewigkeit wird wohl immer der blutige Showdown von „The Wild Bunch“ bleiben, und doch, wie typisch für den Filmemacher Peckinpah, birgt selbst dieser unbestreitbare Triumph ein klein wenig Tragik: machte es ihn doch fortan vor allem zu „Bloody Sam“, dem Regisseur, der den Spätwestern zum bis dato ungekannt blutrot von der Leinwand berstenden Massaker fortschrieb. Sicher, Peckinpah war immer auch ein Filmemacher der Gewalt, doch die Ignoranz, die fortan sanfteren Werken wie „The Ballad of Cable Hogue“ oder „Junior Bonner“ zuteil werden sollten, lässt sich sicherlich immer auch ein wenig zum Schock von „The Wild Bunch“ zurückverfolgen. (Auch, wenn dieser natürlich selbst immer schon ausblendet, wie lyrisch, langsam und poetisch „The Wild Bunch“ in Wirklichkeit erzählt ist.)

Sam Peckinpah war ein schwieriger Filmemacher. Eines jener Genies, die mit Nachdruck absolute Freiheit zur Umsetzung ihrer künstlerischen Visionen verlangten und doch des Apparates vielleicht auch dringend bedurften, gegen den sie so wuterfüllt ankämpften. Kaum einer seiner Filme kam ohne Skandale, Streitereien und Machtkämpfe zustande, die allzu oft die an poetischem Ausdruck wenig interessierten Studioschergen gewannen. Bereits Peckinpahs dritter Film, nach dem zuerst in Double Features verheizten, dann zum Arthouse-Erfolg avancierten ersten großen Werk „Ride the High Country“, geriet ihm zum persönlichen und künstlerischen Desaster, von dem er sich wohl niemals so ganz erholte: „Major Dundee“, gegen größte studiopolitische Widerstände halbwegs zu Ende abgedreht, wurde ihm, teils wohl aus rein böswilliger Schikane, vom Studio in der Postproduktion aus der Hand genommen und zu einem lächerlichen Torso verstümmelt. Ein Schicksal, das in der Folge auch die Meisterwerke „The Wild Bunch“ und „Pat Garrett and Billy the Kid“ traf, und das teilweise erst mehrere Jahrzehnte später in aufwendigen Restaurationen zumindest gemildert werden konnte – wenn überhaupt; stellt doch auch die inzwischen auf DVD verfügbare „Extended Edition“ von „Major Dundee“ noch immer einen auf tragische Weise unvollendeten Film dar.

Passion2Sam Peckinpah war ein faszinierender Filmemacher. Und wohl, weil er all das auf einmal war, hat sich der 1967 geborene Deutsche Mike Siegel entschlossen, zu einem der bedeutendsten Peckinpah-Biographen und Gralshüter seines Werkes zu werden. Die Cinephilen des deutschsprachigen Raumes profitierten von der Leidenschaft des Autoren, Filmemachers und Festivalmachers schon vielfach, etwa durch die wesentlich durch seine Initiative entstandene DVD-Edition zu „Straw Dogs“, die den hierzulande zuvor nur gekürzt und überhaupt in unwürdiger Form publizierten Klassiker endlich angemessen präsentierte und kontextualisierte, oder auch durch den wunderbaren Fotoband „Passion & Poetry: Sam Peckinpah in Pictures“. Unter dem gleichen Titel „Passion & Poetry“ veröffentlicht Siegel nun, vier Jahre nach der Fertigstellung und der Premiere auf dem Münchner Filmfest, auch seine große Dokumentation und Hommage an seinen Heroen. „The Ballad of Sam Peckinpah“, das trifft den Tonfall des Filmes schon sehr genau: Es geht hier eindeutig und niemals verschleiert um Heldenverehrung, weniger um eine kritische oder analytische Auseinandersetzung mit dem Werk Peckinpahs. Der Schwerpunkt Siegels liegt dabei auf Interviews mit den Weggefährten des Filmemachers, der im Verlauf seiner Karriere eine eingeschworene Truppe von Mitarbeitern um sich versammelte. Mit James Coburn, Kris Kristofferson, Ernest Borgnine, Senta Berger, Mario Adorf, David Warner, Bo Hopkins undundund versammelt sich hier tatsächlich eine eindrucksvolle Riege schauspielerischen Potenzials vor Siegels Kamera, um ihre persönlichen Erinnerungen an Peckinpah zu teilen. Ergänzt werden ihre Statements mit kurzen Filmausschnitten, die allerdings nahezu vollständig den Trailern der jeweiligen Filme entnommen sind – hier schlägt die unabhängige Produktionsgeschichte von „Passion & Poetry“ zu Buche, denn die Rechte für ausführlichere Filmausschnitte waren wohl schlicht nicht bezahlbar. Doch was auch zum großen Manko hätte werden könnte, das deutet Siegel zur bedeutendsten Stärke seines Filmes um. „Passion & Poetry“ erzählt in erster Linie vom Menschen Sam Peckinpah, den er in der Kombination von bei Dreharbeiten entstandenen behind the scenes-Filmaufnahmen, Statements aus Interviews und eben unzähligen Anekdoten und Reminiszenzen lebendig werden lässt. Als Ergänzung zur ohnehin für jeden Cinephilen unerlässlichen Begegnung mit dem Gesamtwerk Peckinpahs funktioniert „Passion & Poetry“ somit tatsächlich ganz wunderbar und stellt letzten Endes vielleicht auch jenes Vermächtnis dar, das Peckinpah mit seinem letzten Film, dem eher drögen (und hier auffälligerweise gleich nahezu völlig übergangenen) Verschwörungsthriller „The Osterman Weekend“, eher verwehrt blieb.

Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah
(Deutschland 2005, Mike Siegel)
Regie, Buch, Schnitt: Mike Siegel; Musik: Gitanes Blondes, Kris Kristofferson; Kamera: Mike Siegel, Kara Stephens
Darsteller: Ernest Borgnine, James Coburn, Bo Hopkins, Senta Berger, Mario Adorf, David Warner, L.Q. Jones, R.G. Armstrong, Kris Kristofferson, Ali MacGraw, Lupita Peckinpah u.a.
Länge: 115 Min.
Verleih:El Dorado

Zur DVD von El Dorado

Die ohne großen Vertrieb im Rücken aus dem Boden gestampfte DVD-Edition ist schlichtweg beeindruckend. Auf der ersten DVD befindet sich neben dem Hauptfilm im englischen Originalton mit optionalen deutschen Untertiteln noch ein Audiokommentar von Mike Siegel, und auf der Bonus-DVD gibt es dann mit dem in drei Teile gesplitteten „Stories on a Storyteller“ gleich einen kompletten weiteren Dokumentarfilm mit mehr Interviews, mehr Anekdoten, mehr Informationen. Dieser belegt eindrucksvoll, dass „Passion & Poetry“ wohl auch locker doppelt so lang hätte ausfallen können. Weiterhin gibt es eine Featurette über die Drehorte von „The Wild Bunch“, ein 15-minütiges Interview mit Ernest Borgnine und eine Featurette über Mike Siegels Arbeit als Gralshüter Peckinpahs für Festivals, Retrospektiven oder Ausstellungen. Insgesamt eine fantastische DVD-Edition, die von wahrer Hingabe zeugt.

Bild: 1,78:1
Ton: Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Extras: Audiokommentar von Mike Siegel, Stories on a Storyteller (Teil 1: The Westerner, Teil 2: Art & Success, Teil 3: Poet on the Loose), Mapache Territory, Ernie on „The Wild Bunch“, Mike’s Home Movies
FSK: ab 12 Jahren

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»Männer tragen keine Burkas!«

Vielleicht lag es daran, dass die fünf pakistanischen Jugendlichen zu wenige westliche Horrorfilme gesehen hatten, als sie ihren Kleinbus bestiegen, um damit von Islamabad aus eine Tour durchs Land zu machen. Denn gleich von Beginn an sprechen eigentlich alle Zeichen, also: die Genre-Regeln, gegen ein glückliches Ende ihrer Reise. Nicht nur ist der Bus mit provokativen Darstellungen bemalt, drinnen wird auch noch Haschisch geraucht und die Erotik knistert. Alle, außer der schüchternen Ayesha (Rooshanie Ejaz), benehmen sich daneben. Und so kommt es schnell, wie es im Horrorfilm kommen muss – selbst im pakistanischen.

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Weder Rocky noch „Rocky“

Ein Verlierer mit großer Klappe und dem Traum vom Aufstieg gespielt von Sylvester Stallone, heruntergekommene Straßenzüge, qualmende Gullis, ein Milieu halbseidener, aber meist gutmütiger Glücksjäger, mies bezahlte Drecksjobs, kräftige Männer im Ring, die um Ruhm und Ehre kämpfen, und ein Farbspektrum, das alle Schattierungen von „Schmutziggrau“ abdeckt: Nein, die Rede ist hier nicht von „Rocky“, Stallones Welterfolg und einem der prägenden Filmklassiker der Siebzigerjahre, jenem Film, der die Geschichte des einen großen Moments eines kleinen großen Mannes erzählt, sondern von „Vorhof zum Paradies“, einem der vielen Flops, die Stallones Karriere säumen, und seiner ersten Regiearbeit. Ironischerweise wird gerade die Tatsache, dass die Parallelen zwischen den beiden Filmen so unübersehbar sind, zum Stolperstein für „Vorhof zum Paradies“, der nie den richtigen Ton, nie seinen Rhythmus findet und einen letztlich entfremdeten Zuschauer zurücklässt. „Weder Rocky noch „Rocky““ weiterlesen

Peak of the Geek

Der Zuhälter Smooth Walker (Howard Hesseman) hat ein Problem: Er steht bei „Mom“ (Kate Murtagh), dem weiblichen Chef des Chicagoer Rotlichtmilieus, mit einem stattlichen Geldbetrag in der Kreide. Weil er sich nicht anders zu helfen weiß, erfindet er (in einer Szene, die an die Auflösung des über zehn Jahre später entstandenen „Die üblichen Verdächtigen“ erinnert) kurzerhand einen Konkurrenten namens „Doctor Detroit“, einen Gangsterboss, der ihm das Geld abgenommen habe. „Mom“ ist fürs Erste zufrieden mit dieser Erklärung, doch nun steht Smooth vor der Aufgabe, eben jenen mysteriösen Doctor Detroit aus dem Hut zu zaubern. Da läuft ihm der gutgläubige Clifford Skridlow (Dan Aykroyd) über den Weg … „Peak of the Geek“ weiterlesen

Der behutsame Manipulator

Das früheste Zeugnis einer Zusammenarbeit mit Wim Wenders ist die Musik für den Film „Alice in den Städten“ von 1974. Philip Winter (Rüdiger Vogler) liegt auf dem Bett. Der Motel-Fernseher läuft. Er schläft ein. Auf dem Bildschirm spielt ein Mann Maultrommel. Plötzlich ein Schnitt auf Winters Traum, auf den endlosen amerikanischen Highway, dem er schon seit Tagen folgt. Vogelschreie mischen sich für einige Sekunden rhythmisch mit den Klängen der vibrierenden Federzunge. Das könnte Irmin Schmidt gewesen sein. Der Zufall hat ein musikalisches Muster erzeugt und das wurde bearbeitet. Oder hat sich der Hörer getäuscht?

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Dumm geboren, nix dazugelernt

Wir sind uns alle einig: Die Zeit rast und früher war alles besser. „Trailer Park of Terror“, ein hanebüchener Horrorfilm voller schlechter Ideen, fungiert als Gegenbeweis. Zum einen, weil er bei einer mundgerechten Dosierung von 90 Minuten dennoch zäh wie eine gut druchgebratene Schuhsohle daherkommt und die Geduld des Zuschauers somit spätestens nach einem Drittel der Laufzeit aufgebraucht hat, zum anderen, weil er sich als Vorbild ausgerechnet das Horror-Fanboykino der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre vornimmt, dessen schlimmsten Gewohnheiten man damals schon nur mit viel Goodwill und jugendlichem Leichtsinn ertragen konnte.

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Wissen ist das neue Glauben

„Glauben heißt nicht wissen!“: Das haben einem in der Kindheit gern die eigenen Eltern oder aber neunmalkluge Sandkastenfreunde mit auf den Weg gegeben und damit – ohne es zu wollen – gleichzeitig die Definition jeder Religion. Die Unbeweisbarkeit der Existenz Gottes ist eine Grundbedingung, ja das Paradigma des Glaubens schlechthin. Der Gläubige soll sich ganz seinem Vertrauen überlassen, das – ist es stark genug – jeden Zweifel überwindet: Glauben, das heißt, nein das IST Nichtwissen. Doch dieses sprichwörtliche Gottvertrauen scheint in einer Welt, die es mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen fast täglich schwieriger, wenn nicht gar gänzlich unmöglich macht, an einen Gott zu glauben, nicht mehr auszureichen. Man muss wissen, um glauben zu können. „Wissen ist das neue Glauben“ weiterlesen

Familienmonster

Als ein sympathische und etwas trottelige Waffen-Verkäufer am Ende eines Familienausfluges ein Monster mit dem Auto überfährt und dessen vermeintlichen Kadaver dann mit nach Hause nimmt, ändert sich alles für ihn und sein soziales Umfeld. Aus diesem Story-Gerüst ließe sich so ziemlich jeder Steven-Spielberg-Familienplot der 1970er- und -80er-Jahre konstruieren. Der hier gemeinte Bigfoot und die Hendersons“ ist jedoch nicht von Spielberg, sondern vom TV-Regisseur William Dear – und diese Herkunft merkt man dem Film an.

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Legal Aliens

Die Tatsache, dass der Begriff „Alien“ in der englischen Alltagssprache zumeist als „Ausländer“ oder „Einwanderer“ verstanden wird, nutzen die Alien-Filme viel zu selten. In ihnen wird die Begegnung des Menschen mit dem Außerirdischen zumeist als kriegerischer Konflikt auf der eigenen oder auf fremden Welten dargestellt – oder aber es herrscht weitgehend – wie im Star-Trek-Universum – Harmonie und Diplomatie. Die Konstellation, dass die Aliens der Menschheit ausgeliefert sind, zwangsweise auf die Erde kommen und sogar unerwünschte Gäste darstellen, hat es bislang nur sehr selten im Film zu sehen gegeben. Man erinnere sich an den 1989 entstandenen „Alien Nation“, der den Pilotfilm zu einer gleich nach der ersten Staffel wieder abgesetzten TV-Serie darstellte: Hier haben sich die Aliens auf der Erde zu assimilieren versucht, dadurch jedoch ganz spezifische Probleme und Konflikte heraufbeschworen. Streckenweise wird das Motiv auch in den „Men in Black“-Filmen ins Auge gefasst, wo das Zusammenleben zwischen Aliens und Menschen nur möglich ist, weil sich die Aliens als Menschen oder Tiere tarnen. Treten sie als sie selbst auf, kommt es zu Problemen, die den eleminatorischen Einsatz der Titelhelden nach sich ziehen.

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Colour us blood red

Im Zuge der neuerlichen Hyperrealisierung des Kinos durch 3D-Technologien zeigt sich wieder einmal, dass Film eben erst in zweiter Hinsicht als ästhetisches Artefakt verstanden wird. Oft wird er als ein Affekt-Spektakel gesehen, das wirken soll. Unter diesen Gedanken ließe sich seine komplette Technikgeschichte subsumieren: Von der Erhöhung der Bildfrequenz von 16 auf 24 Bilder pro Sekunde, über die Einführung von Farbe, Ton, größere Tiefenschärfe, 3D-Optiken und anderen Mitteln zur Überlappung von Film- und Zuschauerraum ist die Stoßrichtung des Films der Körper seines Zuschauers. So ist es zu erklären, dass frühe Stummfilme heute nicht mehr bei den Zuschauern wirken, wie sie es in der Vergangenheit vermochten, wo das Publikum angeblich vor dem stummen und schwarzweißen Abbild eines sich nähernden Zuges geflüchtet sein soll. Die Geschichte stimmt nicht, sie sagt aber viel über unser Verhältnis zum Medium Film und welche Macht wir seiner Ästhetik zusprechen.

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