Fantastic Four – Feuer, Gummi, Luft und Erde

Fantastic Four, USA/D 2005, Tim Story

Soviel steht fest: Das Comic-Zeichnen hat sich im Computerzeitalter endgültig von der 2. Dimension verabschiedet und ist nahezu unmerklich in den Bereich der Simulation hinüber gedriftet. Dass diese Zeit einmal anbrechen würde, musste Bernd Eichinger in weiser Voraussicht schon geahnt haben, als er vor 20 Jahren die Filmrechte an dem Marvel Klassiker „Fantastic Four“ erstanden hatte. Damit bringt er etwas zusatnde, dem viele Comicfans (und Computerfans) seit nunmehr vier Jahrzehnten entgegen fiebern.
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Verlorene Kindheit

Es sind die Geschichten aus dem Leben mit all ihrer Tragik, ihren komischen Momenten und ihren authentischen Figuren, die den italiensichen Neorealismus der 1940er und 1950er Jahre ausgezeichnet haben. In bis heute eindringlichen Werken wie de Sicas „Ladri di Biciclette“ (1948) oder „Germania Anno Zero“ (1948) von Roberto Rossellini sind es vor allem immer wieder die Kinderschicksale, die die zeitgeschichtliche Wirklichkeit repräsentieren. Genau in dieser Tradition steht auch Andrea und Antonio Frazzis „Certi Bambini“. Mit auf der Straße gecasteten Laien-Kinderdarstellern.

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Skandal und Attraktion

Die 15-jährige Meme und der ein wenig ältere Jere(mias) führen eine Liebesbeziehung – die erste ihres Lebens. Sie sind füreinander da, unterstützten einander in Streitsituationen und führen eine leidenschaftliche sexuelle Beziehung. Meme und Jere sind Geschwister. Sie leben im Haus der Eltern in Rio de Janeiro, wo vor allem die Mutter die bürgerliche Moral bestimmt. Als der große Bruder Ezequiel mit seiner Verlobten aus Spanien anreist, entdeckt er die heimliche Beziehung seiner kleinen Geschwister, verprügelt Jere und schwört diesen darauf ein, die Mutter nichts erfahren zu lassen. Doch bald darauf erwischt auch diese ihre Kinder in flagranti und das mühsam konstruierte Bild der heilen Familie bricht zusammen.

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Antikino

Antikörper, D 2005, Christian Alvert

Der vieldeutige Titel sowie das aussagekräftige Filmplakat lassen mehr Körperlichkeit vermuten als „Antikörper“ tatsächlich zu bieten hat. Zwar läuft der Hauptbösewicht Gabriel Engel (André Hennicke) schon in der Eröffnungssequenz nackt durch das Bild (das hätte man Hannibal Lector, der an einer Stelle als Referenzfigur erwähnt wird, nicht zugetraut), ansonsten aber bleibt der Film seltsam zugeknöpft und vermeidet auf ästhetischer Ebene genau diejenigen Abgründe, die er verbal deklariert. Dem Mörder mit einem recht gruseligen „modus operandi“ – er lässt seine Opfer (meistens Jungen im Teenageralter) ausbluten und malt mit ihrem Blut Bilder – wird direkt am Anfang durch einen dramaturgischen Fehler fast jeder Schrecken und jede Faszination genommen: Der Regisseur lässt seinen Antihelden während der Tat aus dem Off zum Publikum (bzw. zu sich selbst) sprechen und seine Motive für die Mordtaten darlegen. Er tötet nämlich aus Angst, nach seinem Tod in Vergessenheit zu versinken und nichts Großes zustande gebracht zu haben (was übrigens keine wirklich originelle Erklärung für einen mit den Konventionen der Serienmörderfilme vertrauten Zuschauer ist). Sind die psychologischen Beweggründe des Mörders einmal genau geklärt (und sie werden im Laufe des Films nicht mehr revidiert), geht die Spannung, die sich für den Zuschauer aus der Begegnung mit dem Unfassbaren und Unverständlichen in jedem gelungenen Thriller resultiert, verloren. Das ist um so bedauerlicher, weil Hennicke als Schauspieler für die Verkörperung angsteinflößender Bösewichtfiguren durchaus geeignet ist. Das hat er kürzlich in „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ bewiesen, wo er sehr überzeugend in der Rolle des Präsidenten des NS-Gerichts Roland Freisler agierte.
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It’s the sense of Touch!

Humanismus, Rassismus und Straßenverkehr in Paul Haggis’ „Crash“

»I think we miss that touch so much,
that we crash into each other,
just so we can feel something.«
(Graham)

Los Angeles gilt als die Stadt mit dem höchsten Auto-pro-Einwohner-Verhältnis der Welt. Darüber hinaus ist die Stadt zum traurigen Sinnbild für permanente Rassenkonflikte geworden. Beide Themen sind in der Vergangenheit immer wieder auch in Filmen aufgearbeitet worden. 1993 wirft Joel Schumacher in „Falling Down“ einen bitteren Blick auf die Konflikte zwischen den verschiedenen Ethnien in Los Angeles – zwei Jahre später inszeniert David Cronenberg dort in seinem Film „Crash“ eine Verkehrsdystopie. Paul Haggis’ ebenfalls mit „Crash“ betitelter Film greift nun beide Themen auf, deutet sie jedoch positiv um und wirft damit einen hoffnungsvollen Blick auf die Stadt und ihre Bewohner.
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»Sometimes I feel like a motherless child«

Tobe Hooper ist wieder da! Nach neunjähriger Kinoabstinenz – sein letzter Film für die Leinwand war die Stephen King-Adaption The Mangler (1995) – wartet der Mitbegründer des Terrorfilms nun mit einem Remake auf: The Toolbox Murders. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Slashermovie aus dem Jahre 1978 von Dennis Donnelly, welcher wiederum locker auf „wahre Begebenheiten“ einer Mordserien von 1967 zurückgeht.
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Das Vorspiel danach

So was wie Liebe, USA 2005, Nigel Cole

Wenn man Büchern über Geschlechterpsychologie glauben darf, ist für eine Frau viel entscheidender, was nach dem Sex passiert, als davor. Das Umwerben mag noch so hinreißend sein, wenn aber nach der ersten gemeinsamen Nacht die Bemühungen deutlich abklingen, wird das eine Enttäuschung. Die romantische Komödie „So was wie Liebe“ hat also alle Chancen, die (erotischen) Phantasien des weiblichen Publikums anzusprechen, wenn sie die Handlung unmittelbar mit der sexuellen Begegnung beginnen lässt und erst daraus eine vollwertige Liebesgeschichte entwickelt. Was mit ein paar interessierten Blicken am Flughafen und dann mit einem Quickie an Bord eines Flugzeuges anfängt, mündet in sieben Jahre gegenseitiger Sehnsucht und mühsamer (Wieder)Annäherung. Das fehlende bzw. zu kurz geratene Vorspiel wird mit einer zeitlichen Verschiebung in einer besonders ausgedehnten Form nachgeholt.
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Selbstbehauptung und Selbstnegierung

Batman Begins, USA 2005, Christopher Nolan

Die Metamorphosen des menschlichen (oder besser gesagt: männlichen) Körpers, wie sie uns die Kultur- und Kinogeschichte vorführt, können entweder abstoßend oder faszinierend sein. Insbesondere wenn es um das Inkorporieren jener Tierarten geht, die allgemein als ekelerregend oder angsteinflößend gelten, ist diese potenzielle Ambivalenz naheliegend. Die Geschichte einer Fusion zwischen Mensch und Insekt kann einmal als Horrorschocker über den physischen und psychischen Verfall erzählt werden (wie in „The Fly“ von David Cronenberg) oder als Erfolgsstory eines Superhelden (wie beispielsweise in „Spiderman“). Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass eine solche Metamorphose nicht zur Tragödie ausartet, ist die Kontrolle, die der Held über seinen veränderten Körper behält (idealerweise mit der optionalen Möglichkeit zumindest äußerlich immer in den „normalen“ Zustand zurückzukehren). Die zweite Bedingung wäre eine zum Ausgangspunkt der Geschichte nur schwach ausgeprägte Persönlichkeit, die einer Veränderung nicht scheut und sich sogar danach sehnt in der Hoffnung, die eigene Existenz mit signifikanten Merkmalen zu versehen, die ihr noch zu fehlen scheinen. Der ideale (zukünftige) Superheld ist ein ungeschriebenes Blatt, das auf seine Beschriftung wartet. Allein deshalb taugt der begeisterte Wissenschaftler, den Cronenberg zu einer Fliege mutieren lässt, nicht zu dieser Rolle: Für das Dasein als eine andere Spezies müsste er zuviel von seiner bereits bestehenden Individualität aufgeben. So ist die Verwandlung für ihn nichts als eine Degradierung und Verkümmerung der menschlichen Fähigkeiten, die durch keine neuen Eigenschaften, die vom Fliegenkörper kommen, zu kompensieren sind.
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Gewalt im Mittelalter. Realitäten – Imaginationen

Die Geschichte des Menschen schreibt sich als eine Geschichte der Gewalt. Als paradigmatische Epoche für diesen Umstand gilt landläufig das Mittelalter, in dem die Gewalterfahrung ein fester Bestandteil des alltäglichen Lebens war. Mit dem Aufkommen der Höfischen Literatur im 12. Jhd. sowie der Städtischen Literatur seit dem 14. Jhd. und der damit einhergehenden Verbreitung der Schriftsprache, erreichte dieses zentrale Thema seine Blüte. Von den frühen französischen Heldenepen, den „chansons de geste“, über Boccaccios „Decameron“ bis hin zur Märendichtung eines Heinrich Kaufringers oder Hans Rosenplüts wurde Gewalt als literarischer Gestus unter verschiedensten Gesichtspunkten dem Pergament überantwortet. Selbst dort wo man einen gewaltfreien Diskurs vermuten würde – in der Minnelyrik – gelangte sie häufig codiert zur Darstellung.
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Ein Musiktourist in Istanbul

Crossing the Bridge – The Sound of Istanbul, Deutschland 2005, Fatih Akin

Die interkulturelle Musikdokumentation ist fast schon zu einem separaten Filmgenre geworden, das eine eigene Tradition besitzt und bestimmte Konventionen zu erfüllen hat. Einen der Höhepunkte erlebte dieses Genre in den späten 90-ern, als solche Filme wie „Buena Vista Social Club“ von Wim Wenders oder „Genghis Blues“ von Roko Belic ein großes Kinopublikum begeistern konnten und ihre musizierenden Protagonisten populär machten. Typisch für diese Art der Dokumentarerzählung ist die Figur eines westlichen Musikers, der, von einer fremden, exotischen (Musik)Kultur angezogen, sich auf ihre Spuren begibt. Sein forschender, neugieriger Blick, der metonymisch immer mit dem Ohr austauschbar ist (in „Genghis Blues“ ist der Blues-Musiker Paul Pena, der sich für den tuvinischen Obertongesang interessiert, sogar blind), verleiht der Kamera, die seine Position annimmt, jene betörende Subjektivität, die uns das Fremde in plastischer Unmittelbarkeit erleben lässt.
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Die konservative Destruktion oder Der entwendete Finger

House of Wax, USA 2005, Jaume Collet-Serra

Es ist schon erstaunlich, wie schwer es zuweilen fällt, einem „guten“ Film eine bestimmte Thematik zu unterstellen und wie es im Gegenzug oft dazu kommt, die mangelnde Qualität eines „miesen“ Films dadurch zu kompensieren, dass man diesem alle möglichen Metatexte unterschiebt, obwohl es den Leser normalerweise dazu drängen würde, die guten alten Werkzeuge der Kritischen Theorie hervor zu kramen und die Schemata frei zu kratzen, die oftmals das Kanonenfutter für ein vernichtendes Urteil liefern. Solche Filme polarisieren Zuschauer wie Kritiker gleichermaßen; letzteres Beruf ist es ja eigentlich, derartigen Problemen kühn ins Auge zu spucken.
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Das ewige Fern(seh)weh

Am Tag als Bobby Ewing starb, Deutschland 2005, Lars Jessen

Eines der grundlegenden Probleme unserer Existenz ist die Unmöglichkeit, das Leben in seiner ganzen Fülle zu erfassen. Es ereignet sich zur gleichen Zeit an zu vielen verschiedenen Orten, so dass wir niemals sicher sein können, das Relevante zu erleben. „Das wahre Leben ist abwesend“, – klagte noch Arthur Rimbaud in seinem Prosawerk „Ein Aufenthalt in der Hölle“. Doch in unserer Zeit ist dieses Gefühl noch gravierender geworden, denn die Medien und die Unterhaltungsindustrie sind dauernd damit beschäftigt, uns die parallel existierenden Welten vorzuführen bzw. sie eigens dafür zu erschaffen, ohne dass wir unmittelbar an ihnen teilhaben können. Nie ist also das Fernweh (das man jetzt auch als Fernsehweh bezeichnen könnte) so eindringlich gewesen, wie in der Postmoderne.
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Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte!

Die Werke des österreichisch-slowenischen Schriftstellers – und zeitweiligen Regisseurs – Peter Handke und des deutschen Autorenfilmers Wim Wenders besitzen zahlreiche Gemeinsamkeiten. Diese begründen sich vor allem in ihrer Zusammenarbeit: Bei drei Filmprojekten Wenders’ dienten Erzählungen und Drehbücher Handkes als Vorlage: beim Kurzfilm „Drei Amerikanische LP’s“ (1969), dem Film „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ (1972) und nicht zuletzt bei dem mehrfach ausgezeichneten „Der Himmel über Berlin“ (1987). Die Filme weisen die typische „Handschrift“ beider Autoren auf – inwiefern diese Handschrift auch im übrigen, nicht-kooperativen Werk der beiden vergleichbar ist, untersucht Carlo Avventi in seiner jüngst im Remscheider Gardez!-Verlag erschienen Dissertation „Mit den Augen des richtigen Wortes“.

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Bilder/Schrift/Sprache

Peter Greenaways Filme zählen zu den schillerndsten Werken der Filmgeschichte. Ästhetisiert bis ins kleinste Detail, versessen auf Oppulenz, musikalisch rhythmisiert, organisch, kalt – mit kaum einem Attribut wurden sie nicht versehen. Die einen unterstellen ihnen unendliche Tiefgründigkeit, die anderen geschwätzige Oberflächlichkeit. Der Variantenreichtum der Kritik zeigt bereits, dass Greenaways Filmen nicht leicht auf die Spur zu kommen ist – am wenigsten mit der Sprache, denn diese problematisieren sie von Beginn an.

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Musik und Tanz

Im vergangenen Jahr hatte es um den Exploitation-Filmer Herschell Gordon Lewis in Deutschland einiges Aufsehen gegeben, als sein hier erstmals auf DVD erschienener Debüt-Gorefilm „Blood Feast“ (USA 1963) verboten wurde (wir berichteten). Das Berliner Label CMV Laservision hat sich davon jedoch nicht beirren lassen und nun weitere Teile seiner Herschell-Gordon-Lewis-Collection veröffentlicht: „Blast-Off Girls“ (USA 1967) und „The Gore Gore Girls“ (USA 1971).

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Die disziplinierte Rebellion

Sahara, USA/Spanien 2005, Breck Eisner

Wenn die Amerikaner sich mit einer (historischen) Mission in den Orient oder, ganz allgemein, in die dritte Welt begeben, sind sie meist nach modernsten Vorgaben bewaffnet und in reguläre militärische Einheiten organisiert. Im Kino sieht es dann häufig etwas anders aus: Schon Rambo kämpfte in Vietnam als Einzelgänger mit primitivsten Waffen gegen die feindlichen Hubschrauber. In „Sahara“ sind es wieder die Einheimischen, die über die überlegene Kriegstechnik verfügen, während die Amerikaner sich auf Guerillataktiken verlassen müssen. Ursprünglich sind die amerikanischen Helden im Film jedoch gar nicht als Krieger unterwegs, sondern als unabhängige Forscher und Abenteurer, die aber ganz nebenbei immer die Interessen ihres Landes zu verteidigen wissen, die (ebenfalls ganz zufällig) mit Interessen der ganzen aufgeklärten Menschheit übereinstimmen.
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Die Helden des technischen Zeitalters – StarWars Episode III

Star Wars Episode III – Die Rache der Sith, USA 2005, George Lucas

Es gibt Märchen, die einen guten Ausgang haben, solche die schlecht ausgehen und solche, bei denen man nicht weiß, ob das Ende gut war oder nicht. Das Märchen, so heißt es, spiegelt die Probleme der Alltäglichkeit auf einer symbolischen Ebene wider und zeichnet sich meist dadurch aus, dass der Held oder die Heldin, in der Regel aber ein Adoleszent, eine geistige, moralische oder sonst wie geartete Entwicklung durchmacht, an deren Ende sich die Gewissheit des guten Gelingens bestätigt und der Leser sich in Zuversicht der moralischen Erkenntnis zurücklehnen darf. Dass es auch anders geht, zeigt beispielsweise das Märchen vom Fischer und seiner Frau. Hier siegt am Ende bestenfalls die Einsicht, dass Wohlstand den Menschen nicht bessern kann; also sind auch solche Märchen, die schlecht ausgehen, eigentlich gute Märchen. Was beide Arten nun verbindet ist demnach die oft zitierte „Moral der Geschichte“, die uns den Alltag zu meistern helfen soll.
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Vorsicht Bluter!

Das College ist vorbei und die fünf Freunde Karen, Paul, Bert, Marcy und Jeff beschließen, in einer Waldhütte ein wenig Urlaub zu machen. Das Ganze beginnt als fröhlicher Urlaub im Redneck-Gebiet: Während Marcy und Jeff miteinander ihren sexuellen Obssessionen folgen, versucht der eher schüchterne Paul seine Freundschaft zu Karen zu vertiefen. Bert indes geht Eichhörnchen schießen – „because they’re gay“. Dabei begegnet er einem offensichtlich kranken Mann, der am ganzen Körper blutet und um Hilfe bittet. Mit dem Gewehr hält Paul ihn auf Distanz und verspricht ihm, Hilfe zu holen. Bei dem Versprechen bleibt es allerdings.

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Media Synaesthetics – Konturen einer physiologischen Medienästhetik

Christian Falk u.a. (Hgg.): Media Synaesthetics, Köln: Herbert von Halem Verlag 2005

Seit dem frühen 19. Jahrhundert gab es eine Reihe anthroposophischer, medizinischer und okkultistischer Diskurse über die kulturgeschichtlich motivierte „Spezialisierung“ der Sinne. Die Vorherrschende Meinung dabei war, dass bei diesem Prozess ein universelles Wissen verschüttet worden sei, das heute unter dem Begriff der genuinen Synästhesie, also der synthetischen Verflechtung einzelner Sinne, in der Kognitionsforschung Einzug hält. Die Forschung bezieht diesbezüglich zwei Positionen, wobei die eine Seite die Auffassung vertritt, dass die Spezialisierung und Isolierung eines einzelnen Sinnes (bsp. Sehsinn) eine „zivilisationsgeschichtliche Erkenntnisleistung“ (Mattenklott, Gehörgänge, 2001) ist, während die andere Seite diesen Aspekt aus kulturpessimistischer Warte als Versklavung der Einzelsinne unter dem massenmedialen Diktum der Gutenberg-Galaxis (Serres, Die fünf Sinne, 1998) versteht.
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Simulation der Fakten und faktische Simulation

Wir leben im „Zeitalter der Simulation“, so die schlagkräftige These eines berühmten Pariser Philosophen. Der Name des Philosophen lautet – und dies dürfte weitestgehend bekannt sein – Jean Baudrillard. Was mit dem Zeitalter der Simulation gemeint ist, lässt sich hingegen nicht so einfach in Worte fassen, da jedes Statement darüber selbst diesem Zeitalter angehört und somit eine objektive Aussage über dessen Sinn verweigern würde. Aber genau darum geht es Baudrillard: Um die Unmöglichkeit verbindlicher Aussagen in Zeiten medialer Kommunikation und die damit verbundenen offenen Fragen über Echtheit und Authentizität, deren Beantwortung zwangsläufig in ein Paradoxon führen. Baudrillard entwickelt in seinen Schriften viele solcher Paradoxa und führt uns damit immer wieder eindrücklich die Sinnlosigkeit medial Vermittelter Authentizitätsbekundungen vor Augen.
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