Filmische Entjungferung

Bilder der vor Hitze flirrenden Wüste, eine Stimme, die mit schwerstem southern drawl zu uns spricht: So endete „The Big Lebowski“, so beginnt „No Country for old Men“. Doch zwischen diesen beiden Filmen ist etwas passiert mit den Coens und mit dem Cowboy, dem diese Stimme gehört. Statt dem „Stranger“ (Sam Elliott), diesem fleischgewordenen Filmzitat, das den Zuschauer an die Hand nahm, gehört sie nun Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones), einem alternden Sheriff, der noch nie eine Waffe abgefeuert hat und sich nicht mehr heimisch fühlt in dieser Welt und Zeit. Es ist eben kein Land für alte Männer, sagt er nüchtern, man müsse flexibel sein, um in diesem Land zu überleben. Er wird mit dem Ausgang der Geschichte nichts zu tun haben, sich im Hintergrund halten – fast absichtlich kommt er immer einen Schritt zu spät. Doch es sind seine Augen, durch die wir auf dieses Land blicken und die uns immer auf Distanz zu den Bildern halten. „Filmische Entjungferung“ weiterlesen

Strähnen lügen nicht

15 Jahre, nachdem er unschuldig des Mordes an seiner Geliebten verurteilt wurde, kehrt der verbitterte Barbier Sweeney Todd (Johnny Depp) auf Rache sinnend ins London der Industrialisierung zurück. Objekt seines Hasses ist der verschlagene Richter Turpin (Alan Rickman), der sowohl für den Tod von Sweeneys Herzensdame als auch für das Komplott verantwortlich war, das zu dessen Inhaftierung führte. Auf der Suche nach Unterkunft trifft Sweeney die einsame Ms. Lovett (Helena Bonham-Carter), eine wenig talentierte Pastetenbäckerin, die den Barbier bei sich aufnimmt. Nachdem Sweeney von dem Konkurrenten Pirelli (Sacha Baron Cohen) als ehemaliger Mörder identifiziert und so zum ersten Mord getrieben wird, kommt ihm die Idee, wie er sich Turpins entledigen kann: Der Schurke soll als Füllung von Ms. Lovetts Pasteten enden. Bald schon stapeln sich die Leichen im Keller des Hauses und das Geschäft von Ms. Lovett floriert … „Strähnen lügen nicht“ weiterlesen

Des eigenen (Un)Glücks Schmied

Douglas Sirk, 1897 in Hamburg unter dem Namen Detlev Sierck als Sohn dänischer Eltern geboren, gilt als Meister des Melodrams. Ursula Vossen definiert es in ihrem Eintrag in „Reclams Sachlexikon des Films“ als „Spielfilmgenre, das auf triviale Handlung setzt, die Schicksalhaftigkeit des Lebens betont und den Zuschauer bis zur Gefühlsmanipulation emotional bewegt.“ Auf Sirks Filme trifft diese etwas abschätzig formulierte Definition jedoch nur bedingt zu. „Des eigenen (Un)Glücks Schmied“ weiterlesen

Leerstellen des Humanismus

9/11 als traumatischer Bezugspunkt bestimmt schon seit längerer Zeit den Bilderkosmos Hollywoods: manifest etwa in Oliver Stones „World Trade Center“, latent in den jüngsten Apokalypsevisionen „I am Legend“ und „Cloverfield“. Schon die exzessive Gewalt in „Hostel“, so wollte es der Gesellschaftskritiker in manchem Filmkritiker, seien im Kern als Reflex der Folterbilder aus Abu Ghraib zu deuten, die selbst wiederum dem Diskurs der Mythologien eine weitere Note hinzuzufügen wussten: Nicht bloß die Wahrheit stürbe als erste im Krieg, sondern mit ihr nun auch die Humanität. An letzteren Strang knüpft Paul Higgis mit seiner zweiten Regiearbeit nach dem Debüt „Crash“ an und führt das Abstraktum Trauma 9/11 anhand des Irak-Kriegs ins handfeste Narrativ seiner geopolitischen Folgen. Brian de Palma, dies nur Rande, wird es ihm demnächst mit „Redacted“ gleich tun, obgleich mit gänzlich entgegen gesetzten Mitteln. „Leerstellen des Humanismus“ weiterlesen

Momente von Memento

Nicht-lineare Erzählungen gehören mittlerweile zum Standardrepertoir des Mainstream-Kinos. Die Zuschauer haben sich mit Filmen wie „Groundhog Day“, „Memento“ oder „Lost Highway“ an den Aufbruch der erzählten Zeit gewöhnt, so dass dieses Verfahren nicht mehr nur dazu genutzt werden kann, die „ästhetische Brüchigkeit“ von Erzählen in der Moderne zu charakterisieren, sondern es für bestimmte Narrationen zu funktionalisieren. Vor allem der fantastische Film bedient sich nicht-linearer Erzählweisen, um seine Protagonisten selbst in Zeitschleifen gefangen zu nehmen, sie durch die Zeit (via Jump-Cut und Ellipse) zu transportieren und daraus möglichst geläutert zu entlassen. Mit Mennan Yapos „Die Vorahnung“ ist diese Erzählweise nun scheinbar vollends in Hollywood angekommen, könnte man sagen, denn sowohl die Darsteller als auch der Sujet des Films haben bislang stets nach linearer Entwicklung verlangt.

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Wenn Frisuren töten können

Ein bisschen alt sind sie inzwischen, die Geschichten aus dem Wilden Westen. Alt und schon oft erzählt. Irgendwann ist das dem Kino zu langweilig geworden und so erschuf man ein neues Genre, den Neo-Western. Doch auch der Neo-Western hat sich meist nur dem Aufwärmen des Alten verschrieben und darüber ist ein wenig das Neue am Westen verloren gegangen, der vor allem immer noch eines ist: wild.

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Vollstrecker des Kapitals

Ben Chamberlain (Henry Fonda), der Held wider Willen, und der Schurke Vince McKay (Michael Parks) stehen sich nach 90 Minuten zum unbewaffneten Duell gegenüber und taxieren sich mit ihren Blicken. Zuvor hatten McKay und seine Männer den Vagabunden durch die Prärie gehetzt – aus reiner Mordlust und weil sie ihm einen Mord in die Schuhe schieben wollten, den sie selbst begangen hatten. Nun sind McKays Männer tot und das Gesetz naht in Form eines einfahrenden Zuges. Das Duell wird nicht stattfinden. McKay erkennt seine Niederlage und wendet sich ab, Chamberlain rennt seinerseits der Famerswitwe Valverda Johnson (Anne Baxter) hinterher … „Vollstrecker des Kapitals“ weiterlesen

Die Nacht des lebenden Suizidanten

Aus dem Bewusstsein, dass der Horror und das Unheimliche oft als verdichtete und verschobene Motive für latente psychische Zustände gelesen wurden, hat sich in den vergangenen Jahren ein regelrechter Boom des „Veroffensichtlichens“ ergeben. Stand beispielsweise der Vampirismus Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts etwa für die gesellschaftlich verdrängte, individuell aber zusehends aggressiver werdende Sexualität, so wird er in den zahlreichen erotischen und pornografischen Vampirfilm-Hybriden heute dieser Subtilität entkleidet, verliert damit einerseits zwar seine kathartische Funktion, zeigt aber andererseits den Grad an Aufklärung und Emanzipation des Rezipienten über diese latenten Zustände. Dass den Zombiefilm dieses Schicksal auch ereilen würde, war nur eine Frage der Zeit. Der Brite Andrew Parkinson („I, Zombie„, „Dead Creatures„) und ein wenig später der deutsche Regisseur Mathias Dinter („Die Nacht der lebenden Loser“) haben diesen Weg beschritten und aus Zombies Funktionen gemacht. Nun ist „Boy eats Girl“ auf DVD erschienen und macht es Dinter leider allzu genau nach.

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Mama, Papa, Zombie

Die heile Welt der Fünfzigerjahre: Der strahlende Ehemann kommt vom Karrieremachen ins fesche Eigenheim und wird an der Tür von seiner wunderschönen Ehe- und Hausfrau, die schon den ganzen Tag über am Herd gestanden hat, mit einem auf die Wange gehauchten Kuss empfangen. Der Sohn berichtet am Tisch von seinen hervorragenden Schulnoten und dann tritt der Hauszombie ein, um die Getränke zu servieren: In Andrew Curries „Fido – Gute Tote sind schwer zu finden“ ist das Grauen scheinbar perfekt in die Normalität integriert. „Mama, Papa, Zombie“ weiterlesen

David gegen Goliath

Die italienische Serie Allein gegen die Mafia (im italienischen Original: La Piovra, ‚Der Krake‘) zeigt in insgesamt zehn Staffeln den Kampf gegen die organisierte Kriminalität Siziliens; dieser Kampf wird konsequent als eine nahezu aussichtslose Unternehmung inszeniert. Trotz (oder gerade wegen?) der pessimistischen Grundhaltung wurde die Serie in Italien und im europäischen Ausland ein großer Erfolg. Michele Placido, den Hauptdarsteller der ersten vier Staffeln, machte sie zum Star. Nach vier Staffeln aber hatte die Rolle des aufrechten Commissario Cattani für Placido offenbar ihren Reiz verloren, und er verließ die Serie. Sein Ausstieg passte aber auch gut in die Logik der Serie: Der Mafiajäger Cattani hatte im Laufe der vier Staffeln seine Familie und nahezu alle seine Mitstreiter verloren. Als er dann im Laufe der vierten Staffel eine lukrative Unternehmung, die Mafiagrößen und hohe Politiker gemeinsam planen, scheitern lässt, wird der zunehmend kampfesmüde Commissario, der zuletzt dem übermächtigen Gegner allein getrotzt hat, von einem bewaffneten Kommando ermordet.

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Nachrichten aus dem Kulturbetrieb

Wo er recht hat, hat er recht. Verlagsarbeit ist langweilig, folglich kann ein Verlagsportrait nur so spannend wie sein Verleger ausfallen, dachte sich März-Inhaber Jörg Schröder und also weiter: Was tun? Eine Rahmenhandlung schaffen, die dem chronischen Skandalon, das dem Post 68er-Familienbetrieb anheftet, den gebührenden Platz verschafft. Drum spielt Horst Tomayer, darstellend bekannt aus dem ersten Otto-Film und Tagebücher verbreitend aus Konkret, den Betriebsprüfer, der, unwissend und unbedarft wie wohl die meisten Zuschauer dieser aus öffentlichen Geldern finanzierten Produktion des Bayrischen Rundfunks, in der hessischen Provinz über Rechnungsbeträge und Steuererklärungen in die Parallelwelt des und eines linken Kulturbetriebs eintauchen muss und davon auch nicht völlig unbeeindruckt bleibt. „Nachrichten aus dem Kulturbetrieb“ weiterlesen

Ein kurzer Film über das Töten

Nach dem Selbstverständnis eines seriösen Filmkritikers sieht die ideale und wohl einzig mögliche Kritik zu „John Rambo“ wie folgt aus: Nachdem man noch einmal pflichtbewusst-beschämt an den Erfolg der ersten drei „Rambo“-Filme in den Achtzigerjahren erinnert und Rambo/Stallone als ehemalige Leit- und jetzige Witzfigur der Reaganomics verhöhnt hat, geht man dazu über, Stallones ersten eigenen Regiebeitrag zum wohl berühmtesten Action-Franchise der Welt von der immer willkommenen ideologiekritischen Seite her abzukanzeln. Keine Polemik ist da zu billig: Stallone als Wahnsinnigen zu bezeichnen der Gipfel journalistischer Rechtschaffenheit. Zugegeben, „John Rambo“ bietet seinen schlangestehenden Kritikern reichlich Futter: Es dürfte schwierig werden, diesen Film in punkto Brutalität und Kompromisslosigkeit noch in den Schatten zu stellen, ohne dabei in filmische Grenzbereiche vorstoßen zu müssen.

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Heim ins Reich

Der Journalist Blair Maynard (Michael Caine) reist mit seinem 12-jährigen Sohn Justin (Jeffrey Frank) in die Karibik, um dort für eine Story über das Bermuda-Dreieck zu recherchieren, wo Jahr für Jahr Schiffe unter mysteriösen Umständen verschwinden. Tatsächlich wird Maynard fündig: Bei einem Angelausflug fallen er und sein Sohn in die Hände von Piraten, die seit 300 Jahren unbemerkt auf einer kleinen Insel leben und sich mit dem über Wasser halten, was sie auf See erbeuten. Für Blair haben diese Piraten nun eine ganz besondere Aufgabe: Er soll den Fortbestand der Sippe sichern und mit der einzigen Frau ein Kind zeugen. Während Blair über einen Fluchtplan sinniert, unterzieht man seinen Sohn einer Gehirnwäsche … „Heim ins Reich“ weiterlesen

Ein seltsames Spiel …

Vor zehn Jahren ist Cominic Ancianos und Ray Burdis „Filmexperiment“ mit dem Titel „Final Cut“ erschienen und es hat bis heute gedauert, bis der Film hierzulande auf DVD erhältlich war. Das mag angesichts der Unmengen von Filmen, die niemals einen deutschen Verleih finden werden, vielleicht nicht verwundern. Dass hingegen Jude Law, der die vermeintliche Hauptrolle in „Final Cut“ spielt, nicht einmal als Zugpferd für die Auswertung herhalten konnte, macht skeptisch. Und tatsächlich sind es wohl auch die enormen dramaturgischen und ästhetischen Schwächen, die „Final Cut“ so lange in der Warteschleife gehalten haben. Jetzt sind sie für jedermann sichtbar auf einer DVD von „Galileo Medien“.

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Auge in Auge

Solche Filme, sagt Dominik Graf, müsse man retten. Sie hinübertragen, zum anderen Ufer. Weil sonst eine Filmgeschichte, die sich ja selbst immer größer schreibe, als sie in Wirklichkeit gewesen sei, solche Arbeiten übergehen würde. Der Film, den Graf hier in Obhut nimmt, ist Rocker, ohne Zweifel einer der großartigsten Filme des bundesrepublikanischen Kinos der 70er Jahre. Und man muss Dominik Graf dankbar sein für eine solche Ansage, die im Zuge des Gesprächs für Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte vielleicht nur schnell daher gesagt wurde, im fertigen Film aber, im Kontrast zu den Darlegungen anderer deutscher Filmschaffender und den von den Autoren des Films – FAZ-Filmkritiker Michael Althen und dem Ex-Leiter der Retrospektive der Berlinale, Hans-Helmut Prinzler – ausgewählten Ausschnitten aus insgesamt 251 deutschen Filmen, im fertigen Film also kommt diesen Worten einiges an Gewicht zu.

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1-18-08

Viren und Monster scheinen auf den ersten Blick recht verschiedene Stoffwechsel zu haben. Auf der einen Seite wäre das meist aus natürlichen oder auch hausgemachten Umständen, oder von Atomstrahlen zum wachsen gebrachte Ungetüm, dessen übernatürliche Kraft ausreicht, um es locker mit einer ganzen Armee aufzunehmen; auf der anderen das Virus, das eigentlich gar keinen eigen Stoffwechsel hat und sich definitionsgemäß in einer Zwischenwelt von Leben und Tod verorten lassen muss. Das Virus ist allerdings in der Lage, die Sprache seines Wirtes zu sprechen, um sich in dessen Zellen zu reproduzieren, wohingegen das Monster weitestgehend auf die Überzeugungskraft seiner nackten Präsenz setzt. Matt Reeves‘ „Cloverfield“ schafft es in gewisser Hinsicht, beides zu vereinigen und überschreitet dabei die Grenzen seines eigenen Films.
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Wonderful Town

Ton, ein junger Architekt aus Bangkok, soll den Wiederaufbau einer vom Tsunami zerstörten Ferienanlage im Süden Thailands überwachen. Statt in einer der Bettenburgen von Takua Pa mietet er sich in einem unscheinbaren Kleinstadthotel ein, wo er der einzige Gast zu sein scheint. Tons Flirt mit der jungen Hotelwirtin Na entwickelt sich zu einer leidenschaftlichen Beziehung, die dem argwöhnischen Blick ihres sinistren Bruders Wit nicht entgeht. „Wonderful Town“ weiterlesen

Regarde-Moi

Ein Tag in den Banlieus, im Mittelpunkt die Jugendlichen aus einem Wohnblock. Der Raum ist beengt, überall gibt es Überschneidungen: Man hört die Nachbarn von unten, und unten hört man von oben. Alle kennen sich, vor dem Hause kann man sich nicht bewegen, ohne in irgendeinen zu kennen, den man rennt, mit dem man symbolische Gesten oder (deftigen) Slangtalk austauscht. Man muss etwas hermachen, die Codes kennen. Die älteren sagen den jüngeren, wo’s lang geht. Die Schwarzen – sie sind in der Überzahl – den Weißen, warum sie keine Frauen abkriegen. Die Brüder den Schwestern, was sie zu tun und zu lassen haben. Alter, Geschlecht, sexuelle Präferenz, Hautfarbe stellen den Rahmen all dessen, was getan, gesagt werden kann und darf. Und die Sanktionen bei widerspenstigem Verhalten.

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Godzilla oder wie die Japaner lernten, die Bombe zu lieben

Vor der japanischen Insel Oto verunglücken mehrere Fischerboote. Die abergläubische Bevölkerung glaubt an eine Rückkehr des Seeungeheuers Godzilla, das menschliche Opfer einfordert, sobald es durch menschlichen Raubbau an der Natur keine Nahrung mehr findet. Als das Monster die Insel betritt und eine Panik auslöst, beschließt auch die Regierung zu handeln. Sie evakuiert die Küstenregionen und stellt ein gewaltiges Armeeaufgebot, um dem Ungeheuer die Stirn zu bieten. Doch Godzilla lässt sich nicht aufhalten: In einer gewaltigen Zerstörungsorgie macht es Tokio dem Erdboden gleich, bis der Wissenschaftler Serizawa seine neueste Waffe zur Verfügung stellt … „Godzilla oder wie die Japaner lernten, die Bombe zu lieben“ weiterlesen

Kathartische Rückversicherung

Auch das australische Hinterland beherbergt den Redneck. Den grimmigen Antipoden zu Crocodile Dundee hat bereits Greg McLean mit „Wolf Creek“ auf die Leinwand gebracht (welcher als Produzent auch an „Storm Warning“ beteiligt ist). Hier nun hat er Gesellschaft bekommen, ist zu einer dreiköpfigen Familie, einem Vater und zwei Brüdern, gewachsen und nach wie vor auf den zivilisierten Städter nicht gut zu sprechen. Das bietet mittlerweile nicht mehr allzuviel Anlass zur Verwunderung: „The Texas Chainsaw Massacre“ samt Prequel, „Hostel“, „The Hills have Eyes“ und „Wrong Turn“ samt Fortsetzungen, nicht zuletzt eben auch „Wolf Creek“ haben genügend Steilvorlagen geboten, um die Pioniere des 70er und frühen 80er Terrorfilms des vergangenen Jahrhunderts ins zeitgenössische Kinogedächtnis zu retten und lassen mittlerweile nicht mehr sonderlich viel Variationsbreite des bekannten Sujets zu. Indem die urbanisierten Eindringlinge die Fesseln ihrer inneren Naturbeherrschung abstreifen und ihnen nichts anderes bleibt, als sich den enthemmten Trieben ihrer hinterwäldlerischen Antagonisten anzugleichen, um das eigene Überleben zu sichern, bleibt ihnen zum Schluss meist die kathartische Erkenntnis von der eigenen Bestialität im Korsett der zivilisatorischen Hybris.

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