In einem Monat, in dem Autos als fahrende Fahnenmasten in Erscheinung treten, wirkt eine Serie wie „PS – Geschichten ums Auto“ noch fremdartiger als sie es rund 30 Jahre nach ihrer Entstehung eh schon ist. Keine Rede ist hier von Ökosprit, Navigationsgeräten, Klimaanlagen oder Freisprechanlagen, völlig abwesend sind pastellene Trendfarben, ornamentale Felgen und aerodynamische Formen. Wenn hier Schäden mit Kfz-Mechanikern diskutiert werden oder der Verkäufer die Vorzüge des Gefährts preist, dann meint man, ein Auto würde von einem vierschrötigen Herrn im grauen Kittel nach den Lehren einer geheimen Wissenschaft aus einem riesigen Brocken Eisenerz herausgemeißelt, nur um dann wie durch Geisterhand in Bewegung zu geraten. Um die Befremdung, die den Zuschauer dieser Serie unweigerlich ereilt, verständlich zu machen: Das Auto wird in „PS – Geschichten ums Auto“ als technisches Mysterium dargestellt und als Statussymbol, das eine einfache Familie an den finanziellen Abgrund führen kann. Aber verkörpern soll diese Eigenschaften ausgerechnet ein Fiat Amalfi … „Die Depression nach dem Wirtschaftswunder“ weiterlesen
Agitprop mit Biss
Rechtzeitig zum 40. Jahrestag der 68er-Revolte veröffentlicht Kinowelt nun endlich Hans W. Geißendörfers Vampirfilm „Jonathan“ auf DVD. Im 19. Jahrhundert blutet das Terrorregime eines finsteren Vampirgrafen (Paul Albert Krumm) eine ländliche Gegend nahe der Ostsee aus. Doch gegen den Usurpator formiert sich Widerstand, als ein Vampirismus-Professor seine Studenten zum Umsturz aufruft. Da die eigenen Streitkräfte den Feinden hoffnungslos unterlegen sind, wird der Student Jonathan (Jürgen Jung) vorausgeschickt, um die im Schloss des Grafen gefangengehaltenen Bauern zu befreien und als Waffenbrüder hinzuzugewinnen.
Finding Nero
Ein rast- und heimatloser Revolverheld, der den Mord an seinem Bruder rächen will; eine Stadt voller geldgieriger Lügner, Heuchler und feiger Mörder; ein cholerischer mexikanischer Rebell mit abgehacktem Arm; ein Finale, in dem die gedemütigte Stadtbevölkerung nackt im Staub der Hauptsraße herumkriecht: Die Weichen scheinen gestellt für für einen Film, mit dem Corbucci an seine Meisterwerke „Django“ und „Leichen pflastern seinen Weg“ anknüpft. Aber „Fahrt zur Hölle, ihr Halunken“ teilt mit diesen beiden Klassikern nur wenig – leider. „Finding Nero“ weiterlesen
Wenn einer eine Zeitreise tut …
Zwei Zeitreisefilme sind im Jahr 1984 in den USA erschienen, deren Erzählparadigmen einander merklich gleichen. James Cameron begründet mit „Terminator“ seine Laufbahn als Regisseur. Zusammen mit seiner Co-Drehbuchautrin Gale Anne Hurt erzählt er die Geschichte eines in der Zeit versprengten Soldaten, der aus der Zukunft in die Gegenwart des Jahres 1984 gereist ist, um dort eine Frau zu findn, deren (Über)Leben er sichern soll. Verfolgt wird er von der feindlich gewordenen Technologie seiner Zeit in Form eines Cyborgs, der seinen Auftrag zu verhindern trachtet. Natürlich „finden“ sich der Zeitreisende und die Frau im Verlauf des Films und kommen einander näher und natürlich formuliert der Zeitreisefilm in diesem Zusammentreffen auch das Paradox zwischen Hier und Dort, Jetzt und Dann. John Carpenter produzierte im selben Jahr den Zeitreisefilm „Das Philadelphia Experiment“, der eine ganz ähnliche Geschichte – nur unter umgekehrten Vorzeichen – erzählt:
Biografische Katastrophe
Biographische Vergangenheitsbewältigung im Film hat es zuhauf gegeben. Neben den Bildern des Erinnerns nimmt das Verdrängen und Vergessen einen besonderen Stellenwert ein. Denn es ist ein besonders reizvolles filmisches Motiv, dem Zuschauer Einblick zu gewähren in die »kranke Welt« des Protagonisten. Wir sind in der Lage, seine Welt so verzerrt und fragmentiert wahrzunemen, wie er sie wahrnimmt, und werden gezwungen, das zu übersehen, was er übersieht. Wir adaptieren seine Lebenslügen. Als Gesunde erlaubt uns das Kino, für kurze Zeit mit dem kranken Protagonisten krank zu werden.
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Zombie 5
Was wir über Zombies wissen, das wissen wir aus den Massenmedien. Filme und Bücher (zuletzt vielleicht Max Brooks’ „Zombie Survival Guide“) haben die Regeln des Sub-Genres erweitert, die George A. Romero 1968 mit „Night of the Living Dead“ und 1978 mit „Dawn of the Dead“ aufgestellt hat. Seine Epigonen aus Italien, Frankreich, Spanien, den USA, Japan und anderswo haben sich zumeist daran gehalten und damit die Umrisse des Zombiefilms immer klarer herausgearbeitet, die es heute ermöglichen, das Motiv aus dem Horrorfilm in andere Genres zu überführen. Zombies tauchen nun als politische Botschafter (Joe Dantes Kurzfilm „Homecoming“) oder Witzfiguren (Edward Wrights „Shaun of the Dead“) auf. Und sogar zu Sinnbildern für (bittere) sozialpolitische Kommentare sind sie jüngst (etwa in Andrew Curries „Fido“) geworden. Was Romero seinem eigenen Mythos, der sich also zweifelsfrei längst von seinem Schöpfer emanzipiert hat, noch hinzuzufügen hat, versucht sein fünfter Zombiefilm „Diary of the Dead“ zu klären.
Das ideale Produkt
Spielt ein Film in schnneeverwehter Landschaft, heißt das meistens, dass es unter der Oberfläche gewaltig brodelt. Lars (Ryan Gosling) ist 27 und lebt seit Jahren allein in der Garage. Menschen im allgemeinen plagen ihn, besonders im Beisein von Frauen bekommt er keinen Ton heraus. Sein Bruder Gus und dessen Frau trauen ihren Ohren kaum, als Lars ihnen eines Tages die erste Freundin vorstellen will. Vorsichtshalber erwähnt Lars noch, dass Bianca etwas exotisch ist, sie sitzt im Rollstuhl und kommt aus Brasilien. Was er nicht erwähnt: Bianca ist eine Puppe.
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Ein paar Augenblicke zu viel
Mit in die Jahre gekommenen Regisseuren ist das so eine Sache. Meist entwickelt ihr Werk mit fortschreitendem Alter eine ganz neue Dimension. Dabei gibt es zumeist zwei Kategorien, die einen, die ihren Stil perfektionieren, ihm jenen perfekten Schliff verpassen, das man darin etwas Gravitätisches spürt. Die anderen, die sich einen lange gehegten Traum erfüllen, noch mal einen Salto wagen. Mit Tödliche Entscheidung Sidney zählt Lumet nun wohl zu Letzteren.
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Es fährt ein Boot nach Nirgendwo
Der Bruderstreit als Erzählmotiv ist so alt wie die Erzählung selbst. Und dazu ein Element jeder anständigen Familientragödie. In seinem jüngst erschienenen Werk Tödliche Entscheidung inszeniert Sidney Lumet allerlei Prinzenränke inmitten brodelnder Sippschaft. Ihm gleich tut es nun Woody Allen mit Cassandras Traum. Während Lumet für seinen Film die moderne Form wählt, mit lautem Schnitt-Spektakel und wenig Nachhall, kommt Allens Version im wohltuend klassischen Gewand daher: Griechische Stoffe, englischer Schnitt und ein wenig französisches Odeur.
RE: Kannibalen
Über den Fall des so genannten „Kannibalen von Rotenburt“ ist so viel wie zuvor wohl seit der Mordserie Jürgen Bartschs nicht mehr in den Medien zu lesen gewesen. Der skandalöse Tabubruch, dass ein Mensch einen anderen isst und dies auch noch mit dem Einverständnis des Opfers geschieht, hat ein kulturelles Trauma ausgelöst, das die Medien zu ununterbrochenen Erklärungsversuchen genötigt hat. Die „Wahrheit“ über den Fall und die „ganze Geschichte“ hat indes wohl nur einer zu erzählen: der Täter, der nun zu lebenslanger Haft verurteilt im Gefängnis sitzt. Ein geschäftstüchtiger Journalist, Günter Stampf, hatte sich die Publikationsrechte zur Fallgeschichte beizeiten gesichert und noch bevor sich die erste Aufregung in der Sache gelegt hatte, Bücher und Filme angekündigt. Während Produktionen Dritter (etwa der US-amerikanische Spielfilm „Rohtenburg“) einige Schwierigkeiten hatten, sich gegen die Persönlichkeitsrechte des Täters durchzusetzen (und besagter Film aus diesem Grund hierzulande sogar gar nicht erscheinen durfte), hat Stampf im Hintergrund an einer dreiviertelstüdidigen Dokumentation über den Fall für den Sender RTL gearbeitet, die am 15. Oktober 2007 ausgestrahlt wurde – etwa zur selben Zeit als auch Stampfs Buch „Interview mit einem Kannibalen“ auf dem Markt erschien. Nun ist der Dokumentarfilm in einer längeren Fassung als DVD erschienen und verspricht „unzensiert unveröffentliches Material“ auf die Mühlen des öffentlichen Kannibalen-Interesses zu gießen.
Eine fremde, seltsame Welt
Der im Jahr 2000 verstorbene New Yorker Paul Bartel war vieles zugleich: Drehbuchautor, Regisseur, Produzent, Komponist – zuallererst und am häufigsten jedoch war er Schauspieler. Dort, wo er zu sehen war, brachte er oft eine nur schwer zu benennende Komik in die Film ein; seine Figuren waren nicht selten angelegt zwischen Spießer, Vaterfigur und nonkonformistischem Egozentriker. Häufig war er nur eine Randfigur, wurde – wie etwa in Carpenters „Escape from L.A.“ – nur für einen kurzen Auftritt in einer Nebenrolle gecastet. Doch solche Figuren holten stets aus immer das Image Bartels in die Filme mit ein. Sein vielleicht wichtigster Film, weil er in ihm die meisten Funktionen übernommen hat (eigentlich alle oben aufgezählten), ist jedoch der 1982 entstandene „Eating Raoul“, der das Image Bartels wie kein zweiter festigte.
Fisch und Fleisch in einem
Die Nachricht des Unfalltodes ihrer Familie auf einer Geschäftsreise in Rumänien wirft die junge Biologie-Studentin Lara (Friederike Kempter) völlig aus der Bahn. Ihr Freund Nicki versucht es mit Schocktherapie: er fährt sie kurzerhand (mit zwei Studienfreunden im Schlepptau) nach Bukarest, damit sie Abschied von den Leichnamen – insbesondere von ihrer geliebten kleinen Schwester – nehmen kann.
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Die Herrschaft des Pöbels
In einem Nobelrestaurant sitzen der Gangsterboss Claude Corti (Philippe Caubére) und seine Männer um eine riesige Schale mit Austern und Meeresfrüchten, aus der sie sich gierig mit den Händen bedienen. Mehrere Flaschen Champagner und Schnaps stehen herum und lassen das gemeinsame Essen zum Gelage ausarten. Mittendrin greift einer von Cortis Untermännern eine Auster, riecht daran und sagt: „Wie eine ukrainische Nutte!“ Der ganze Tisch bricht in ein gröhlendes Gelächter aus …
Beilagenteller
Vergleiche aus der Welt der kulinarischen Genüsse sind immer beliebt. So lässt sich zum Beispiel mit einiger Berechtigung sagen: Ein Genre setzt sich zusammen wie eine Speisekarte. Es gibt die Appetizer, die erst so richtig Lust darauf machen, tiefer in die Materie einzusteigen, die Hauptgänge, die nicht nur in jeder Hinsicht satt machen, sondern mit gewagten Geschmackskombinationen herausfordern und die Sinne berauschen, und die Desserts, die der vorher geschaffenen Grundlage das Sahnehäubchen aufsetzen. Natürlich ist nicht jedes Gericht würdig, in einem Sternerestaurant serviert zu werden, aber manchmal verlangt der Appetit ja auch eher nach deftiger Hausmannskost, einfach und üppig. Bei den ersten beiden Filmen aus der neuen Reihe von e – m – s, „Der phantastische Film“, handelt es sich um genau solche: Zwei Titel, die am besten unter dem Begriff „Sättigungsbeilage“ einzusortieren sind.
In „Die Hexe des Grafen Dracula“ folgt der Antiquitätenhändler Bob Manning, ein gutgelaunter 68er, der Spur seines verschollenen Bruders Peter zum Anwesen des mysteriösen Morley. Der streitet zwar ab, mit dem Bruder Kontakt gehabt zu haben, bietet Manning aber trotzdem großzügig Hilfe und Unterkunft an. Nachts peinigen Bob aber merkwürdige Träume, in denen eine Hexe vorkommt und ihn während eines Rituals zur Unterschrift eines Vertrages zwingt. Morley und sein Freund, der Okkultismus-Experte Professor Marsh, klären Manning auf: Bei der Hexe handelt es sich um Lavinia, eine Vorfahrin Morleys, die vor einigen hundert Jahren der Hexerei bezichtigt und verbrannt wurde. Einer der Ankläger war Jonathan Manning, seines Zeichens wiederum ein Vorfahre des Antiquitätenhändlers …
„Der Dämon mit den blutigen Händen“ beginnt in bester Grand-Guignol-Tradition mit der blutigen Pfählung eines Vampirs durch einen Kapuzen- und Vorschlaghammer-bewehrten Henker vor einem dunkel dräuenden (und unverkennbar gemalten) Himmel, bevor die Credits zu schriller Horrormusik durchs Bild laufen. Der britische Film aus dem Jahr 1958 erzählt im Folgenden die Geschichte des Arztes John Pierre, der aufgrund eines tödlich verlaufenen Bluttransfusions-Experiments zu lebenslanger Haft verurteilt wird. Der Chef seines finsteren Gefängnisses, der von den anderen Häftlingen gefürchtete Callistratus, beruft ihn bald als Gehilfen in sein Labor: Auch Callistratus versucht, menschliches Blut von einem in den anderen Körper zu transportieren. Allerdings scheint er nicht nur rein wissenschaftliches Interesse am Gelingen seiner Experimente zu haben …
Beide Filme bemühen sich sichtlich, es dem großen Vorbild Hammer gleichzutun, scheitern aber letztlich daran. „Der Dämon mit den blutigen Händen“ von Henry Cass (nach einem Drehbuch von Hammer-Autor Jimmy Sangster) watet tief in saftigen Bildern des Gothic Horrors, garniert seine Settings mit Ratten, Bluthunden, entstellten Buckelmännern und Folterwerkzeugen und degradiert die Filme der auch schon nicht gerade zimperlichen Hammer Studios zu zahmem Kopfkino. Demgegenüber steht aber eine hölzerne Inszenierung und eine nur mäßig effektive Dramaturgie: Der Film verschenkt viel von seinem Potenzial, weil er im Mittelteil zu redundant wird, anstatt seine Handlung konsequent voranzutreiben. Ein ähnliches „Vergehen“ könnte man „Die Hexe des Grafen Dracula“ vorwerfen: Dem durchaus gelungenen Aufbau, der durch die Anwesenheit der Horror-Stars Christopher Lee, Boris Karloff, Michael Gough und Barbara Steele noch forciert wird, wird die unbefriedigende, ja unspektakuläre Auflösung leider niemals gerecht. Dass der Film auf H. P. Lovecrafts Geschichte „Träume im Hexenhaus“ beruhen soll, merkt man allerhöchstens an Details: den Traumbildern des satanischen Rituals, der Plotkonstruktion – die Konfrontation eines Mannes mit der Vergangenheit seiner Familie – oder den Farben (Schleimgrün und Lila), in die die Credits getaucht sind. Den unfassbaren Schrecken, den Lovecraft mit einer das Unbeschreibliche festzuhaltenden Sprache auf Papier zu bringen sucht, findet man in Sewells Film nicht.
Was beide Filme dennoch interessant macht, ist die Tatsache, dass beide ihre fantastische Prämisse nur als Täuschungsmanöver benutzen: Letzten Endes sind sowohl in „Der Dämon mit den blutigen Händen“ als auch in „Die Hexe des Grafen Dracula“ rein irdische Kräfte am Wirken, keine übersinnlichen. Das mag nicht ausreichen, um für beide Filme eine echte Empfehlung auszusprechen, der Genrefan wird mit ihnen aber durchaus den kleinen Hunger zwischendurch stillen können.
Die Hexe des Grafen Dracula
(Curse of the Crimson Altar, Großbritannien 1968)
Regie: Vernon Sewell, Drehbuch: Mervyn Haisman, Gerry Levin, Henry Lincoln, Kamera: John Coquillon, Musik: Peter Knight, Schnitt: Howard Lanning
Darsteller: Christopher Lee, Boris Karloff, Mark Eden, Barbara Steele, Michael Gough, Virginia Wetherell
Länge: 84 Minuten
Verleih: e – m – sDer Dämon mit den blutigen Händen
(Blood of the Vampire, Großbritannien 1958)
Regie: Herny Cass, Drehbuch: Jimmy Sangster, Kamera: Monty Berman, Musik: Stanley Black, Schnitt: Douglas Myers
Darsteller: Donald Wolfit, Vincent Ball, Barbara Shelley, Victor Maddem, William Devlin
Länge: 87 Minuten
Verleih: e – m – s
Zu den DVDs von e – m – s
Vol. 1 und Vol. 2 der neuen Reihe „Der phantastische Film“ kommen jeweils im Pappschuber. Was Ausstattung und Extras angeht, so hat „Die Hexe des Grafen Dracula“ aufgrund seines jüngeren Entstehungsdatums die Nase etwas vorn: Sind Bild und Ton bei „Der Dämon mit den blutigen Händen“ zwar absolut akzeptabel, aber dennoch etwas verwaschen, gibt es bei ersterem keinen Grund zur Klage. Zusätzlich zu den obligatorischen Bildergalerien und Texttafeln gibt es außerdem noch zwei verschiedene Super-8-Fassungen des Films, Trailer, Radio-Spots und einen alternativen Anfang. Für Sammler und Horrorfreunde sind beide Scheiben sicherlich ein Pflichtkauf.
Zur Ausstattung der DVDs:
Die Hexe des Grafen Dracula
Bild: 1,85:1
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 1.0 Mono)
Extras: 2 Super-8-Fassungen, alternativer Anfang, Bildergalerien, Radiospots, Trailer, Booklet
Länge: ca. 84 Minuten
Freigabe: ab 16
Preis: 12,99 Euro
Der Dämon mit den blutigen Händen
Bild: 1,85:1
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 1.0 Mono)
Extras: Bildergalerie, Texttafeln, Booklet
Länge: ca. 87 Minuten
Freigabe: ab 16
Preis: 12,99 Euro
Das Sein zum Untode
Abel Ferraras Filme entstammen einem Zwischenreich. Die einen können und wollen kaum verhehlen, dass sie Genrekino sind („Ms. 45“, „The Driller Killer“, „Body Snatchers“), die anderen bekennen sich zum Arthouse (zuletzt vor allem der erstaunlicherweise unbemerkt gebliebene „Mary“). Und dann gibt es immer wieder solche Filme im Werk Ferraras, die selbst unentschieden zwischen beiden Sphären changieren: „Bad Lieutenant“ etwa oder der bereits 1995 erschienene „The Addiction“, der sich zwischen intellektueller Milieustudie und Vampirdrama ansiedeln ließe. „The Addiction“ ist nun nach langer Zeit endlich auf DVD erschienen.
Sein und Schein der Identitäten
Dass der Begriff queer nicht einzig auf den geschlechtsspezifischen, sondern auf die Irritation jedweden Identitätsbegriffs per se referiert, kann nun in Todd Haynes Debütwerk, welches gern als Initialklassiker des New Queer Cinema apostrophiert wird, in aller Ruhe nachvollzogen werden. Wie in seinem aktuellen Bob Dylan-Biopic „I`m not there“, in dem nicht weniger als sechs verschiedene Schauspieler der Figur Dylan ein Gesicht verleihen, ist auch bereits in „Poison“ diese zentralmotivische Ausrichtung in Haynes Schaffen spürbar. „Sein und Schein der Identitäten“ weiterlesen
Das Abwassersystem Freundschaft
„Cloaca“ – das bedeutet im Lateinischen unterirdischer Abwasserkanal oder Entwässerungsgraben und bezeichnet auf der anderen Seite die Kloake, den Darmausgang der Vögel und Reptilien, der diesen gleichzeitig als Harnleiter und Geschlechtsorgan dient. Der Künstler Wim Delvoye stellte unter dem Titel „Cloaca“ im Museum of Contemporary Art in Antwerp im Jahr 2000 eine Installation aus, die den menschlichen Verdauungsapparat simulieren sollte. Die Ergebnisse dieser Simulation konnte man, wenn man wollte, übers Internet „erwerben“. „Buying Cloaca shit has never been easier!“ „Cloaca“ lautet auch der Titel eines 2003 unter der Regie von Willem van de Sande Bakhuyzens entstandenen Filmes. Der Titel ist programmatisch, denn er stellt sich die Frage menschlicher Exkremente auf einer ganz anderen Ebene, indem er nämlich die Konstruktion und das Scheitern der Freundschaft von vier Mittvierzigern seziert, deren Lebensentwürfe aus dem Ruder zu laufen drohen. Der Niederländer zeigt dabei, dass Freundschaft eine Aporie ist die es auszuhalten oder an der es zu scheitern gilt.
„Das Abwassersystem Freundschaft“ weiterlesen
The great Mutant Swindle
Die Welt der Zukunft in „Aktion Mutante“ ist trennscharf in zwei Klassen aufgespalten: Die Herrschenden gebieten über dem Rest. Das ist nicht so unwichtig wenn man bedenkt, dass sich die gleichnamige Terroristengruppe unter der Schirmherrschaft des charismatischen Ramons einzig gegen das Primat der Schönheit und Sauberkeit der Vergnügungssüchtigen auflehnt. Mit der Entführung der Industriellentochter Patricia mitten auf ihrer Hochzeit verfolgt sie jedoch weniger den Ausdruck eines gesellschaftspolitisches Statements, sondern vielmehr den schnellen Pimp der eigenen Kassen. Nachdem jedoch Ramons wahre Absichten, alles Geld für sich einzustreichen, enttarnt sind (und auch die Entführung selbst nicht gerade vom Glück für den Gruppenbestand gekrönt war), verbleiben nach der Bruchlandung auf einem wüstenartigen Rohstoffplaneten gerade mal zwei Kontrahenten, die aus unterschiedlichen Gründen den Weg zum Ort der Geldübergabe antreten: Ramon, den das Geld lockt und Alex, der sich an Ramon rächen will und darüber hinaus unsterblich in Patricia verliebt ist. Der Weg zum Finale ist gesäumt mit blinden Wüstenbewohnern, verrückten Minenarbeitern und fettleibigen Redneckfamilien. „The great Mutant Swindle“ weiterlesen
The Last of the Independents
Eine morgendliche Sommeridylle in New Mexico: Die Sonne kriecht hinter den Bergen hervor, Kinder spielen im Garten, bevölkern die langsam aus ihrem Schlaf erwachenden Straßen. Ein Auto fährt vor einer Kleinstadtbank vor, ein älterer Herr möchte einen Scheck einlösen. Ein Polizist tritt an das Auto, weist die Fahrerin, die Gattin des Mannes, freundlich darauf hin, dass sie im Halteverbot steht. Der ältere Herr zeigt seinen Gipsfuß, er wolle doch nur kurz in die Bank. Der Polizist lächelt und drückt ein Auge zu, der Mann steigt langsam aus dem Wagen. So beginnt Don Siegels Film: Mit einem krassen Bruch gegenüber dem düsteren Ende, das „Dirty Harry“ nur zwei Jahre zuvor genommen hatte. So scheint es jedenfalls zunächst. „The Last of the Independents“ weiterlesen
Ami goes home.
Nach zwanzig Jahren bringt Sylvester Stallone mit John Rambo die emblematische Figur des Actionkinos der 80er Jahre wieder in die Lichtspielhäuser: Schauplatz der Handlung sind diesmal Thailand und das benachbarte Myanmar (Birma bzw. Burma im europäischen Sprachraum), in dem seit mehr als 30 Jahren ein Bürgerkrieg tobt, der international kaum Beachtung findet. John Rambo (Sylvester Stallone) fristet sein Dasein auf einem Boot, mit dem er gelegentlich Waren und Passagiere auf dem Fluss Salween transportiert. Ansonsten lebt er von der Jagd auf Schlangen und dem Fischfang. Seine kriegerische Vergangenheit lässt ihn aber auch in seinem neuen ‚zivilen‘ Leben nicht los: Nacht für Nacht quälen ihn Alpträume voller Erinnerungsfetzen an vergangene Konflikte und Kämpfe (die aus den ersten drei Filmen kollagiert sind). Als christliche Missionare an seine Tür klopfen, um ihn dazu zu bewegen, sie ins Kriegsgebiet zu transportieren, lehnt er ab und legt ihnen eine Rückkehr in die sichere US-Heimat nahe: „Go home!“ (Nahezu monoton, fast wie ein Mantra, wiederholt Rambo diese Worte.) Das beharrliche Werben von Sarah (Julie Benz), der einzigen Frau im Missionarsteam, bringt ihn schließlich dazu, sie wider besseres Wissen zu den Flüchtlingslagern der Karen, der christlichen Minderheit in Birma, zu bringen. Knapp zwei Wochen später erfährt Rambo dann, dass die Missionare vom Militär verschleppt worden sind; er erklärt sich bereit, von der Kirche bezahlte Söldner ins Krisengebiet zu bringen und an der Befreiung der Gefangenen mitzuwirken. Das Presseheft verspricht nicht zuviel, wenn es die erneute Reise als einen „Abstieg in die Hölle auf Erden“ bezeichnet.

