Spiele mit Gott und Freud

Wenn man den Alltag einer westeuropäische Familie in einer anspruchsvollen Filmproduktion möglichst realistisch und detailliert festzuhalten versucht, dann wird das aller Wahrscheinlichkeit nach eine ziemlich düstere Geschichte, wie etwa „Der siebente Kontinent“ von Michael Haneke. Die idyllischen Familienerzählungen aus dem Westen haben schon lange ihre ästhetische Glaubwürdigkeit eingebüßt und stehen per definitionem unter Kitsch- und Konservatismusverdacht. Ein Ausgleich wird nun in den Stoffen gesucht, die sich auf den außereuropäischen Raum beziehen, wo sich die „heile (Familien)Welt“ vermutlich noch tatsächlich bewahren konnte. Der aus der westlichen Sicht unkomplizierte (und darum „unverdorbene“) Alltag in den fernen Ländern, die von der Zivilisation weitgehend „verschont“ sein sollen, wird zur Projektionsfläche für die akuten Sehnsüchte des Publikums nach Harmonie und Spiritualität, die auf diese Weise durchaus legitim befriedigt werden können und nicht zwingend im Widerspruch zum (guten) künstlerischen Geschmack stehen müssen.
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Die innere Unsicherheit

Die StudentInnen von heute haben es bekanntlich schwer: Die angedrohten Studiengebühren, die aufgrund der Personalkürzungen erschwerten Studienbedingungen, die unklaren Berufsperspektiven. Von alledem ist in Thomas Durchschlags Drama, das im Studentenmilieu der Universitäts- und Industriestadt Essen spielt, allerdings nicht die Rede. Zumindest nicht explizit. Denn das Gefühl der Unsicherheit und Desorientierung wird sehr wohl vermittelt, wobei es bei der Protagonistin Maria (Lavinia Wilson) eher „von innen“ zu kommen scheint. „Ich habe meine eigene Welt! Sie ist hier drin!“ – sagt sie im Laufe des Films ihrem unverständigen Geliebten Jan (Maximilian Brückner). Was in einem anderen Kontext kein Grund zur Sorge wäre und sogar eine kreative, unangepasste Einstellung zum Leben bekunden würde, hat in Durchschlags Film die Bedeutung eines Alarmsignals, denn ihr „Anderssein“ bringt Maria nur Leiden. Sie ist nicht nur anders, sondern auch (und vor allem) krank. Oder soll der Zuschauer hier sogar ein Gleichheitszeichen setzen? Wie „anders“ darf der Mensch sein, bis ihm eine Krankheit attestiert wird?
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besessen – besitzen

Der 1974 erschienene Film „Besessen“ (Originaltitel „Deranged“) stand von Beginn an im Schatten seines Konkurrenten „The Texas Chainsaw Massacre“ aus demselben Jahr. Beide Filme basieren auf Motiven eines Serienmordfalls, der zwischen 1945 und 1957 in Plainfield (Wisconsin) stattfand. Ed Gein, so der Name des Täters, plünderte Gräber, raubte Leichen und entführte und tötete Frauen. Sein hat Fall wurde zum Gründungsmythos des modernen Horrorfilms, auf dessen Geschehnisse selbst Hitchcocks „Psycho“ referiert. „besessen – besitzen“ weiterlesen

Im Land des Schweigens und der Dunkelheit

Immer dann, wenn Michael Haneke nicht jeden seiner Gedanken bis ins letzte Detail ausformuliert, sondern in Andeutungen belässt, wächst er filmisch über sich selbst hinaus. „Wolfzeit“ ist sicherlich seit „Das Schloss“ schlagender Beweis für die philosophische Tiefe des Schweigens in seinem Oeuvre. In gekonnt inszenierter Endzeitstimmung erzählt Haneke die Geschichte vom Untergang der Zivilisation. Er konzentriert sich dabei ganz auf Mikrokosmen: die Kleinfamilie, die Zweierbeziehung, die Beziehung zu sich selbst (im Tagebuchschreiben). In diesen „kleinen Momenten“ wird „Wolfzeit“ emotional. Wenn jeodch das Große, das Allgemeine, die Außenwelt thematisiert wird, macht sich Unübersichtlichkeit breit, wird Erzählung durch Verwirrung ersetzt – verbreitet sich Endzeitstimmung.
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»Fighting for the right to be someone«

In „Drum“ erzählt der südafrikanische Regisseur Zola Maseko eine „Geschichte“ über die Anfänge des Kampfes gegen die Apartheit in seinem Heimatland. Im Film lässt sie sich so an: Mitte der 1950er Jahre beginnt die Lifestyle-Zeitschrift „Drum“ Artikel ihres Redakteurs Henry Nxumalo zu veröffentlichen, die Ungerechtigkeiten und Verbrechen der Buren an der schwarzen Bevölkerung zum Thema haben. Schnell steigert das Blatt mit den gefährlichen Themen, die von der körperlichen Schikane auf den Farmen, den Folterungen und Erniedrigungen im Gefängnis und schließlich den Plänen den multi-ethnischen Stadtteil „Sophiatown“ für die weiße Bevölkerung Johannisburgs zu räumen, seine Auflage. Immer bekannter wird „Drum“ für ihren investigativen Journalismus, bei dem Henry mehr als einmal sein Leben riskiert. Schließlich beginnt sogar der sich gerade formierende ANC mit Mandela für „Drum“ und seine Macher zu interessieren. Doch als Henry immer mehr politische Verschwörungen aufdeckt, die die Schwarzen benachteiligen, ist sein und das Leben seiner Familie und Kollegen in Gefahr.

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I am a Sex Addict

„Ich erzähle ohne Realität vorzutäuschen“, sagt Caveh Zahedi über seinen Film „I am a Sex Addict“. Das ist schon deshalb eine provokative Aussage, weil er gleichzeitig betont, dass dieser wie alle seine Filme autobiografisch geprägt ist und somit durchaus (s)eine Realität referenziert. Weiterhin steht der Aussage entgegen, dass Zahedi in seinem Film selbst die Hauptrolle „spielt“ – eine Figuren namens „Caveh Zahedi“, die im Verlauf des Films mit anderen Personen der „biografischen Realität“ des Regisseurs in Interaktion tritt. Welche Art von Realität meint er also, täusche der Film nicht vor?

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»I never had a future«

Bei keinem bewaffneten Konflikt zuvor wurde der Öffentlichkeit so sehr bewusst, dass es außer den zwei verfeindeten Parteien noch eine dritte, neutrale Gruppe gibt, die in den Krieg zieht: die Journalisten. Nachrichten über verletzte, entführte und getötete Reporter gehörten zu den täglichen Meldungen. Dass der Film – an erster Stelle der Dokumentarfilm – sich der heiklen Aufgabe der Kriegsberichterstattung und Portraits der Personen hinter den Nachrichten annahm, war angesichts der großen öffentlichen Aufmerksamkeit des Themas nur eine Frage der Zeit. Nach dem politisch sehr kritischen „Crontrol Room“ (USA 2004), der die Berichterstattung von Al Jazeera mit der amerikanischer Kollegen verglich ist nun ein privaterer Beitrag zum Thema erschienen: „Bearing Witness“ erzählt die Kriegserfahrungen von fünf Journalistinnen, die neben anderen Konflikten auch aus dem Irak-Krieg berichtet haben.

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Fantastic Four – Feuer, Gummi, Luft und Erde

Fantastic Four, USA/D 2005, Tim Story

Soviel steht fest: Das Comic-Zeichnen hat sich im Computerzeitalter endgültig von der 2. Dimension verabschiedet und ist nahezu unmerklich in den Bereich der Simulation hinüber gedriftet. Dass diese Zeit einmal anbrechen würde, musste Bernd Eichinger in weiser Voraussicht schon geahnt haben, als er vor 20 Jahren die Filmrechte an dem Marvel Klassiker „Fantastic Four“ erstanden hatte. Damit bringt er etwas zusatnde, dem viele Comicfans (und Computerfans) seit nunmehr vier Jahrzehnten entgegen fiebern.
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Verlorene Kindheit

Es sind die Geschichten aus dem Leben mit all ihrer Tragik, ihren komischen Momenten und ihren authentischen Figuren, die den italiensichen Neorealismus der 1940er und 1950er Jahre ausgezeichnet haben. In bis heute eindringlichen Werken wie de Sicas „Ladri di Biciclette“ (1948) oder „Germania Anno Zero“ (1948) von Roberto Rossellini sind es vor allem immer wieder die Kinderschicksale, die die zeitgeschichtliche Wirklichkeit repräsentieren. Genau in dieser Tradition steht auch Andrea und Antonio Frazzis „Certi Bambini“. Mit auf der Straße gecasteten Laien-Kinderdarstellern.

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Skandal und Attraktion

Die 15-jährige Meme und der ein wenig ältere Jere(mias) führen eine Liebesbeziehung – die erste ihres Lebens. Sie sind füreinander da, unterstützten einander in Streitsituationen und führen eine leidenschaftliche sexuelle Beziehung. Meme und Jere sind Geschwister. Sie leben im Haus der Eltern in Rio de Janeiro, wo vor allem die Mutter die bürgerliche Moral bestimmt. Als der große Bruder Ezequiel mit seiner Verlobten aus Spanien anreist, entdeckt er die heimliche Beziehung seiner kleinen Geschwister, verprügelt Jere und schwört diesen darauf ein, die Mutter nichts erfahren zu lassen. Doch bald darauf erwischt auch diese ihre Kinder in flagranti und das mühsam konstruierte Bild der heilen Familie bricht zusammen.

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Antikino

Antikörper, D 2005, Christian Alvert

Der vieldeutige Titel sowie das aussagekräftige Filmplakat lassen mehr Körperlichkeit vermuten als „Antikörper“ tatsächlich zu bieten hat. Zwar läuft der Hauptbösewicht Gabriel Engel (André Hennicke) schon in der Eröffnungssequenz nackt durch das Bild (das hätte man Hannibal Lector, der an einer Stelle als Referenzfigur erwähnt wird, nicht zugetraut), ansonsten aber bleibt der Film seltsam zugeknöpft und vermeidet auf ästhetischer Ebene genau diejenigen Abgründe, die er verbal deklariert. Dem Mörder mit einem recht gruseligen „modus operandi“ – er lässt seine Opfer (meistens Jungen im Teenageralter) ausbluten und malt mit ihrem Blut Bilder – wird direkt am Anfang durch einen dramaturgischen Fehler fast jeder Schrecken und jede Faszination genommen: Der Regisseur lässt seinen Antihelden während der Tat aus dem Off zum Publikum (bzw. zu sich selbst) sprechen und seine Motive für die Mordtaten darlegen. Er tötet nämlich aus Angst, nach seinem Tod in Vergessenheit zu versinken und nichts Großes zustande gebracht zu haben (was übrigens keine wirklich originelle Erklärung für einen mit den Konventionen der Serienmörderfilme vertrauten Zuschauer ist). Sind die psychologischen Beweggründe des Mörders einmal genau geklärt (und sie werden im Laufe des Films nicht mehr revidiert), geht die Spannung, die sich für den Zuschauer aus der Begegnung mit dem Unfassbaren und Unverständlichen in jedem gelungenen Thriller resultiert, verloren. Das ist um so bedauerlicher, weil Hennicke als Schauspieler für die Verkörperung angsteinflößender Bösewichtfiguren durchaus geeignet ist. Das hat er kürzlich in „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ bewiesen, wo er sehr überzeugend in der Rolle des Präsidenten des NS-Gerichts Roland Freisler agierte.
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It’s the sense of Touch!

Humanismus, Rassismus und Straßenverkehr in Paul Haggis’ „Crash“

»I think we miss that touch so much,
that we crash into each other,
just so we can feel something.«
(Graham)

Los Angeles gilt als die Stadt mit dem höchsten Auto-pro-Einwohner-Verhältnis der Welt. Darüber hinaus ist die Stadt zum traurigen Sinnbild für permanente Rassenkonflikte geworden. Beide Themen sind in der Vergangenheit immer wieder auch in Filmen aufgearbeitet worden. 1993 wirft Joel Schumacher in „Falling Down“ einen bitteren Blick auf die Konflikte zwischen den verschiedenen Ethnien in Los Angeles – zwei Jahre später inszeniert David Cronenberg dort in seinem Film „Crash“ eine Verkehrsdystopie. Paul Haggis’ ebenfalls mit „Crash“ betitelter Film greift nun beide Themen auf, deutet sie jedoch positiv um und wirft damit einen hoffnungsvollen Blick auf die Stadt und ihre Bewohner.
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»Sometimes I feel like a motherless child«

Tobe Hooper ist wieder da! Nach neunjähriger Kinoabstinenz – sein letzter Film für die Leinwand war die Stephen King-Adaption The Mangler (1995) – wartet der Mitbegründer des Terrorfilms nun mit einem Remake auf: The Toolbox Murders. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Slashermovie aus dem Jahre 1978 von Dennis Donnelly, welcher wiederum locker auf „wahre Begebenheiten“ einer Mordserien von 1967 zurückgeht.
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Das Vorspiel danach

So was wie Liebe, USA 2005, Nigel Cole

Wenn man Büchern über Geschlechterpsychologie glauben darf, ist für eine Frau viel entscheidender, was nach dem Sex passiert, als davor. Das Umwerben mag noch so hinreißend sein, wenn aber nach der ersten gemeinsamen Nacht die Bemühungen deutlich abklingen, wird das eine Enttäuschung. Die romantische Komödie „So was wie Liebe“ hat also alle Chancen, die (erotischen) Phantasien des weiblichen Publikums anzusprechen, wenn sie die Handlung unmittelbar mit der sexuellen Begegnung beginnen lässt und erst daraus eine vollwertige Liebesgeschichte entwickelt. Was mit ein paar interessierten Blicken am Flughafen und dann mit einem Quickie an Bord eines Flugzeuges anfängt, mündet in sieben Jahre gegenseitiger Sehnsucht und mühsamer (Wieder)Annäherung. Das fehlende bzw. zu kurz geratene Vorspiel wird mit einer zeitlichen Verschiebung in einer besonders ausgedehnten Form nachgeholt.
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Selbstbehauptung und Selbstnegierung

Batman Begins, USA 2005, Christopher Nolan

Die Metamorphosen des menschlichen (oder besser gesagt: männlichen) Körpers, wie sie uns die Kultur- und Kinogeschichte vorführt, können entweder abstoßend oder faszinierend sein. Insbesondere wenn es um das Inkorporieren jener Tierarten geht, die allgemein als ekelerregend oder angsteinflößend gelten, ist diese potenzielle Ambivalenz naheliegend. Die Geschichte einer Fusion zwischen Mensch und Insekt kann einmal als Horrorschocker über den physischen und psychischen Verfall erzählt werden (wie in „The Fly“ von David Cronenberg) oder als Erfolgsstory eines Superhelden (wie beispielsweise in „Spiderman“). Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass eine solche Metamorphose nicht zur Tragödie ausartet, ist die Kontrolle, die der Held über seinen veränderten Körper behält (idealerweise mit der optionalen Möglichkeit zumindest äußerlich immer in den „normalen“ Zustand zurückzukehren). Die zweite Bedingung wäre eine zum Ausgangspunkt der Geschichte nur schwach ausgeprägte Persönlichkeit, die einer Veränderung nicht scheut und sich sogar danach sehnt in der Hoffnung, die eigene Existenz mit signifikanten Merkmalen zu versehen, die ihr noch zu fehlen scheinen. Der ideale (zukünftige) Superheld ist ein ungeschriebenes Blatt, das auf seine Beschriftung wartet. Allein deshalb taugt der begeisterte Wissenschaftler, den Cronenberg zu einer Fliege mutieren lässt, nicht zu dieser Rolle: Für das Dasein als eine andere Spezies müsste er zuviel von seiner bereits bestehenden Individualität aufgeben. So ist die Verwandlung für ihn nichts als eine Degradierung und Verkümmerung der menschlichen Fähigkeiten, die durch keine neuen Eigenschaften, die vom Fliegenkörper kommen, zu kompensieren sind.
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Ein Musiktourist in Istanbul

Crossing the Bridge – The Sound of Istanbul, Deutschland 2005, Fatih Akin

Die interkulturelle Musikdokumentation ist fast schon zu einem separaten Filmgenre geworden, das eine eigene Tradition besitzt und bestimmte Konventionen zu erfüllen hat. Einen der Höhepunkte erlebte dieses Genre in den späten 90-ern, als solche Filme wie „Buena Vista Social Club“ von Wim Wenders oder „Genghis Blues“ von Roko Belic ein großes Kinopublikum begeistern konnten und ihre musizierenden Protagonisten populär machten. Typisch für diese Art der Dokumentarerzählung ist die Figur eines westlichen Musikers, der, von einer fremden, exotischen (Musik)Kultur angezogen, sich auf ihre Spuren begibt. Sein forschender, neugieriger Blick, der metonymisch immer mit dem Ohr austauschbar ist (in „Genghis Blues“ ist der Blues-Musiker Paul Pena, der sich für den tuvinischen Obertongesang interessiert, sogar blind), verleiht der Kamera, die seine Position annimmt, jene betörende Subjektivität, die uns das Fremde in plastischer Unmittelbarkeit erleben lässt.
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Die konservative Destruktion oder Der entwendete Finger

House of Wax, USA 2005, Jaume Collet-Serra

Es ist schon erstaunlich, wie schwer es zuweilen fällt, einem „guten“ Film eine bestimmte Thematik zu unterstellen und wie es im Gegenzug oft dazu kommt, die mangelnde Qualität eines „miesen“ Films dadurch zu kompensieren, dass man diesem alle möglichen Metatexte unterschiebt, obwohl es den Leser normalerweise dazu drängen würde, die guten alten Werkzeuge der Kritischen Theorie hervor zu kramen und die Schemata frei zu kratzen, die oftmals das Kanonenfutter für ein vernichtendes Urteil liefern. Solche Filme polarisieren Zuschauer wie Kritiker gleichermaßen; letzteres Beruf ist es ja eigentlich, derartigen Problemen kühn ins Auge zu spucken.
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Das ewige Fern(seh)weh

Am Tag als Bobby Ewing starb, Deutschland 2005, Lars Jessen

Eines der grundlegenden Probleme unserer Existenz ist die Unmöglichkeit, das Leben in seiner ganzen Fülle zu erfassen. Es ereignet sich zur gleichen Zeit an zu vielen verschiedenen Orten, so dass wir niemals sicher sein können, das Relevante zu erleben. „Das wahre Leben ist abwesend“, – klagte noch Arthur Rimbaud in seinem Prosawerk „Ein Aufenthalt in der Hölle“. Doch in unserer Zeit ist dieses Gefühl noch gravierender geworden, denn die Medien und die Unterhaltungsindustrie sind dauernd damit beschäftigt, uns die parallel existierenden Welten vorzuführen bzw. sie eigens dafür zu erschaffen, ohne dass wir unmittelbar an ihnen teilhaben können. Nie ist also das Fernweh (das man jetzt auch als Fernsehweh bezeichnen könnte) so eindringlich gewesen, wie in der Postmoderne.
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Bilder/Schrift/Sprache

Peter Greenaways Filme zählen zu den schillerndsten Werken der Filmgeschichte. Ästhetisiert bis ins kleinste Detail, versessen auf Oppulenz, musikalisch rhythmisiert, organisch, kalt – mit kaum einem Attribut wurden sie nicht versehen. Die einen unterstellen ihnen unendliche Tiefgründigkeit, die anderen geschwätzige Oberflächlichkeit. Der Variantenreichtum der Kritik zeigt bereits, dass Greenaways Filmen nicht leicht auf die Spur zu kommen ist – am wenigsten mit der Sprache, denn diese problematisieren sie von Beginn an.

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Musik und Tanz

Im vergangenen Jahr hatte es um den Exploitation-Filmer Herschell Gordon Lewis in Deutschland einiges Aufsehen gegeben, als sein hier erstmals auf DVD erschienener Debüt-Gorefilm „Blood Feast“ (USA 1963) verboten wurde (wir berichteten). Das Berliner Label CMV Laservision hat sich davon jedoch nicht beirren lassen und nun weitere Teile seiner Herschell-Gordon-Lewis-Collection veröffentlicht: „Blast-Off Girls“ (USA 1967) und „The Gore Gore Girls“ (USA 1971).

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