Dass man Zombies nicht mehr so naiv ins Bild setzen kann, wie dies die Italiener in den 1970er und 1980er Jahren getan haben, in der Hoffnung, deren Untotsein an sich reiche schon als Gruseleffekt, ist eine für den Zuschauer erfreuliche Entwicklung des Sub-Genres. Zombies, das sind heute Statthalter für soziale Ängste, Projektionsflächen für Katastrophenszenarien, Metaphern für unsere Auseinandersetzung mit dem Anderen. Insofern befindet sich der irische Zombiefilm „Dead Meat“ in guter Gesellschaft, wenn er als Grund für seine Zombieseuche die „Mad Cow Desease“ (hierzulande bekannter als „BSE“) angibt. Conor McMahons Film ist ein zaghafter Versuch, dieses Sujet mit komischen Elementen zu bereichern, dies gelingt jedoch nur streckenweise.
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Buuh!
Was braucht man, wenn man heute einen guten Gruselfilm veröffentlichen will? Ein paar unbedarfte, sexuell aktive, Jugendliche, die ihren Spaß haben wollen, eine(r) davon am besten neurotisch oder traumatisiert, ein altes Haus, in dem in der Vergangenheit etwas fürchterliches passiert ist (nebst Rückblenden, die das zeigen), ein paar Geister, am besten Kinder, die sich wackelnd und zuckend vor der Kamera bewegen, ein paar Splattereffekte, ein paar Soundtrack-Knalle, ein paar Leichen, die noch leben, … die Liste könnte fortgesetzt und ergänzt werden um Details (ein Klavier, das von selbst spielt, ein alter, zerfetzter Teddy-Bär, der einem zu tode gekommenen Kind gehört, …). Anthony Ferarntes „Boo!“ vereint all diese Zutaten in sich und endet in einem Desaster.
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Alex im Wunderland
„Body Confusion“ ist – nach „Una de Zombies“ bereits der zweite selbstreflexiv-filmkritische Beitrag aus Spanien, der auf dem diesjährigen Fantasy-Filmfest gezeigt wurde. Fast scheint es, als hätten kleinere Filmemacher mit den Mogulen, vor allem dem TV, eine Rechnung offen. „Body Confusion“ geht aber noch einen Schritt weiter als „Una de Zombies“ und versucht sich an einer Gegenüberstellung von „richtigem Leben“ und Filmplot. Am Ende ist schwer zu entscheiden, welche Seite der Leinwand zu favorisieren ist.
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Ideenklau, Kitsch und Pop-Faschismus
Die populären Mythen einer fremden Kultur zu verstehen, verlangt ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen und Vorurteilsfreiheit. Das wird dem Rezensenten allerdings nicht leicht gemacht, wenn er es – wie in Kazuaki Kiriyas Phantasy-Epos „Casshern“ mit einem derart beliebig zusammen gestellten ästhetischen Ptachwork zu tun bekommt. Von der Erzählung über die Motivwahl bis hin zur Ausstattung beleiht der Film westliche wie östliche Filmgeschichte und macht dabei nicht einmal vor der Ästhetik des Nationalsozialismus halt. Doch greife ich nicht vorweg, denn die Geschichte, die „Casshern“ erzählt, bildet die notwendige Basis für eine Kritik der Ästhetik des Films.
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Roadmovie und Terrorfilm
Eine Hommage an das Kino der siebziger Jahre ist das immer noch. Es ist sogar noch immer eine Hommage an den Horrorfilm dieser Dekade. Nur ist „The Devil’s Rejects“ im Gegensatz zu seinem Vorgänger „House of 1000 Corpses“ selbst kein Horrorfilm mehr. „The Devil’s Rejects“ folgt nicht mehr dem Muster von Rob Zombies Debütfilm, wo eine Gruppe Jugendlicher in die Hände einer Familie psychopathischer Sadisten gerät. Inzwischen sind diese psychopathischen Sadisten die unbestrittenen Protagonisten des Films, daraus macht „The Devil’s Rejects“ keinen Hehl. Kult-Antagonisten zu Protagonisten eines Nachfolgefilms umzugestalten, ist kein neuer Kniff im Horrorkino. Gerade die großen Serien, „Halloween“, „Freitag der 13.“ oder „Nightmare on Elm Street“, leben in ihren späteren Folgen von der Beliebtheit ihres Monsters.
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Spit or Swallow?
In den Hexenprozessen des Mittelalters und der frühen Neuzeit galt der Succubus (was vom lateinischen „der darunter liegende“ abgeleitet ist) als weiblicher Dämon als von einem Geist besessene Frau, die mit dem Mann in ein eheliches Verhältnis tritt und ihm dann beim Beischlaf die Kraft, in Form seines Samens stiehlt. Succubi wurden mit derselben Härte wie andere vermeintlich von Dämonen Besessene und Hexen behandelt. Dass man unter ihnen eine Mutation der menschlichen Rasse zu verstehen habe, schlägt der Vampirfilm „White Skin“ vor.
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Tobe Hooper auf dem Weg zum nächsten guten Film
Von Tobe Hooper ist man es gewohnt, einen guten und dann wieder eine Hand voll schlechter Filme präsentiert zu bekommen. Fast wirkt es so, als müsse er für jeden größeren Wurf ein wenig Atem holen, indem er ein paar wenig-sagende und schlecht inszenierte Genre-Beiträge herunter kurbelt. Von dieser Warte aus gesehen wundert es also nur wenig, dass Hooper nach dem großartigen „Toolbox Murders“ mit „Mortuary“ wieder eine hunterprozentige Niete aus dem Hut gezogen hat. Die Regelmäßigkeit bringt es jedoch auch mit sich, dass man den filmästhetischen Fehlgriffen ein gewisses Wohlwollen entgegen bringt.
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»Things to remember: …«
In Zeiten, wo Videototalüberwachung keine Orwell’sche Utopie mehr ist, lebt der Mensch in ein veröffentlichtes Leben, wird Privatheit zunehmend zu einer Frage des toten Winkels. Doch nicht nur die Struktur von Gesellschaft und individueller Lebenspraxis wird durch eine derartige Verwendung des Mediums beeinflusst – das Medium selbst macht eine Transformation durch: Das Videobild verliert den Duktus der Artifizalität, wird zum Beweis für die An- und Abwesenheit des Gefilmten. Was nicht im Bild ist kann – trotz der grundsätzlichen Manipulierbarkeit des Mediums – nicht als beweisbar gelten. Zwar wird Sehen und Wissen dadurch immer noch nicht gleich gesetzt, aber das „Nichtsehen“ wird auf jeden Fall zu einem wichtigen Faktor des „Nicht-wissen-könnens“.
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Von Serienkillern und Terroristen
Es ist kein Zufall, dass die Geschichte vom „Zodiac Killer“ drei aktuellen Produktionen als Vorlage dient. David Fincher bringt seine Adaption des Stoffes im kommenden Jahr in die Kinos, und Uli Lommel lieferte mit seinem „Zodiac Killer“ einen Film ab, in dem ein Nachahmungstäter auf den Spuren des realen Serienmörders wandelt. „The Zodiac“ heißt der Beitrag von Alex Bulkley, und bereits er macht deutlich, warum sich dieser Serienmordfall gerade besonders gut für eine Verfilmung eignet.
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Lauter Jugendliche in einem Film über Erwachsene
Es ist recht einfach, in „Dear Wendy“ eine Satire auf die amerikanische Schusswaffenfixiertheit zu sehen. Da gibt es den Protagonisten Dick, der sich selbst als überzeugten Pazifisten bezeichnet, bis ihm eines Tages eine Pistole in die Hände fällt. Vor dem Dilemma, weder seinen Pazifismus noch Wendy – so nennt er die Waffe – aufgeben zu wollen, erfindet er den Club der „Dandies“: Eine Gruppe jugendlicher Außenseiter, die ihre Waffen liebevoll hegen und pflegen und heimlich in einem verlassenen Minenstollen mit ihnen trainieren. Dabei leisten sie einen Schwur, ihre Waffe nie außerhalb der Mine abzufeuern, da sie sonst „erwachen“ würde, und das Töten dann nicht mehr aufzuhalten wäre.
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»I keep my standards pretty low«
Die Filmmörder Otis Driftwood, Baby Firefly und Captain Spaulding sind in Rob Zombies „House of 1000 Corpses“ zu Kultfiguren avanciert. Der Zynismus und die Brutalität des 2003 erschienenen Films wären zuvor wohl kaum zu ertragen, die „Helden“ (jene Mörder-Familie) wohl kaum als solche annehmbar gewesen. Erst die ironische Distanz, mit der Rob Zombie sein Erstlingswerk als Hommage an die Horror- und Terrorfilme der 1970er Jahre inszeniert hat, haben diese Art Plot erträglich gemacht. Die verschrobene Optik, die mit Videoclip-Ästhetiken und Dokumentarfilmbildern angereichert war, unterstützte den anästhetisierenden Effekt des Films.
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»Pain ist the only truth«
In den Psycho-Thriller ist in den letzten Jahren Bewegung gekommen: Reale Angst- und Spannungssituationen werden – hier ist Alexandre Axas „High Tension“ aus dem Jahr 2003 das mustergültige Beispiel – zu „sinnbildlichen “ Psychogrammen. Dabei geraten Handlungselemente oder sogar komplette Erzählungen zu Introspektionen, die dem Zuschauer die teilweise psychotischen Weltzugänge und Realitätsauffassungen der betreffenden Protagonisten vor Augen führen sollen. Dass dies zumeist mit einem finalen Plot-Twist verbunden ist, in welchem das zuvor gezeigt als Traum oder Imagination entlarvt wird, darf dabei nicht als erzählerische Ausrede verstanden werden, sondern als ein Hinweis an uns, dass wir stets distanzlos in die Geschichten – und seien sie noch so irreal – eintauchen. In diese Reihe stellt sich auch der neue Film „The Dark Hours“ des kanadischen Regisseurs Paul Fox.
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A good Movie about Zodiac
„In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes“, hatte Andy Warhol 1968 konstatiert und sich dabei auf die medialen Totalausbeutung von Neuigkeiten im Fernsehen bezogen. Im selben Jahr setzte in San Francisco eine Mordserie ein, die Warhols Prognose bestätigen sollte: Ein sich selbst „Zodiac“ nennender Killer überfiel nachts Jugendliche auf den so genannten „Lover’s Lanes“ und erschoss sie in ihren Autos. Danach wandte er sich mit Briefen und weiteren Mordankündigungen an Polizei und Zeitungen der Stadt. Schon bald war der „Zodiac“ weltberühmt – und die Tatsache, dass er bis heute nicht gefasst worden ist, hat diese Popularität noch gesteigert.
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Fünf Grad kälter
Der Zombiefilm – zumal nach seiner jüngsten Renaissance – hat sich zu einem der interessantesten Subgenres des zeitgenössischen Horrorfilms entwickelt. Maßgeblich in den 1970er und 1980er Jahren als Inbegriff des Splatterfilms mit äußerst reduzierter Handlung und Akzent auf Spezialeffekte entwickelt, ist das Konzept jüngst zu einem kritischen Statthalter im Horrorkino avanciert – fast könnte man sagen: Zombiefilme sind das intellektuelle Sediment im Genre, das sich derzeit vor allem auf die Wiederholung und Neuadaption von Geistererzählungen kapriziert. Dabei sind die Wurzeln des Zombiefilms tief im Boden des sozialkritischen Kinos verwachsen: George A. Romeros „Night of the living Dead“ (der später dann mit zwei plakativeren Fortsetzungen in den Splatterfilm überführt wurde, ohne dass diesen der kritische Gestus abging) und vielleicht solche Filme wie Jean Rollins „Pesticide“ sind frühe(re) Vertreter eines Untotenfilms, der sich vorrangig als Reflexion über Sozial- und Körperpolitik präsentiert hat. Mit Robin Campillos „They came back“ ist jetzt ein französischer Untoten-Film entstanden, der diese Haltung bis ins Extreme radikalisiert.
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»The Communist who ate children«
Die Geschichte des Serienmörderfilms hat gezeigt, dass selbst die authentischen Stoffe selten einem dokumentarischen Gestus verpflichtet waren. Immer ist das Sujet an ein Projekt, nicht selten an ein politisches Projekt gebunden gewesen. Der Serienmörder wird im Film zu einem Statthalter für moralische, politische und sozialpsychologische Fragestellungen. In „Evilenko“ ist dieses Prinzip so deutlich wie selten zuvor: David Griecos Film erzählt die Geschichte des sowjetischen Serienmörders Andrej Chikatilo, der zwischen 1978 und 1990 55 Menschen, zumeist Kinder, vergewaltigt, ermordert und teilweise gegessen hat. Chikatilos Geschichte ist historisch mit dem Untergang der Sowjetunion, initiiert durch Gorbatschows Perestroika, verbunden.
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Tobe Hooper und das Salz des Genrefilms
Meistens gibt es keinen Haken, zumindest nicht auf den ersten Blick: Das alte, große Haus, das die Familie des Protagonisten gerade zum Schnäppchenpreis erstanden hat, erscheint perfekt. Erst nach dem Einzug stellt sie fest, dass im Keller ein Indianerfriedhof liegt oder im vergangenen Jahrhundert Sklaven zu Tode gefoltert wurden. Und dann gibt es da noch stets das eine Familienmitglied, das von Anfang an ein ungutes Gefühl hat.
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Das Medien suchende Wesen
Sean Veil wäre der ideale Bürger im Orwell’schen Überwachungsstaat. Seitdem er vor zehn Jahren wegen mehrfachen Mordes angeklagt wurde, filmt Veil jede Sekunde seines Lebens mit Dutzenden Kameras und archiviert die Bänder akribisch in seinem unterirdischen Tresor. Als dann plötzlich wieder die Polizei vor seiner Tür steht und ihn mit einem neuen Mordvorwurf konfrontiert, fehlen genau die Videos der Tatzeit.
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Der Sektenvertreter vor deiner Haustür
Nina lebt in São Paolo, ist drogensüchtig, pleite, und so richtig unsympathisch – was Regisseur Heitor Dhalia nicht daran hindert, sie beständig als Opfer zu inszenieren. Da ist die – zugegeben: noch unsympathischere – Vermieterin, die Nina verbietet, sich am Kühlschrank zu bedienen und sie ständig auf ihren Mietrückstand hinweist. Da sind die Kunden in dem Schnellimbiss, wo Nina arbeitet, übermüdet, nach durchzechter Nacht: Sie bestehen auf ihrer Bestellung, wollen eben bedient werden und finden es nicht gut, wenn sie beleidigt werden. Und da ist die beste Freundin, die Nina Geld und einen Job anbietet, um ihr aus der Misere zu helfen – doch „Almosen“ lehnt die Protagonistin stolz ab.
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Vielleicht wird beim nächsten Mal alles anders
Da ist dieser Kameraschwenk am Schluss, den man so von Jim Jarmusch einfach nicht kennt: Bill Murray steht auf einer Straßenkreuzung und blickt dem panisch flüchtenden jungen Mann hinterher, den er für seinen Sohn gehalten hat. Und dann fährt ein Auto vorbei, ein anderer junger Mann schaut aus dem Fenster, auch er könnte der unbekannte Sohn sein. Die Kamera hält jetzt nicht mehr still, sie hat Murray im Blick und rotiert um ihn, zeigt ihn ganz allein auf der Straße. Man merkt schon, dass nicht mehr Robby Müller für Jarmusch hinter der Kamera steht, sondern Frederick Elmes, der bereits bei „Night on Earth“ dabei war.
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Das Imperium der Wölfe
Das Sprechen über Jean Reno ist immer auch das Sprechen über einen europäischen Ausnahmeschauspieler, der es in seiner Carriere zu einigem Ruhm und Ansehen gebracht hat – und das nicht unverdient. Auch wenn sein Hang zu zwielichtigen „Bullen-Figuren“ in den letzten Jahren nicht nachgelassen hat, muss man doch ohne weitere Einschränkung zugeben, dass dies auch genau die Art von Rollen sind, die dem mittlerweile in die Jahre gekommenen Reno wie auf den Leib geschrieben zu sein scheinen.
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