Artikel zu ‘Serienmörder’

Do(n´t) look now!

Augen der Angst (Peeping Tom, GB 1960, Michael Powell)

Vor dem Auge gibt es kein Entrinnen. Sein Blick dringt bis in die Seele. „Peeping Tom“ beginnt mit der extremen Nahaufnahme eines menschlichen Auges, dem der Hauptfigur Mark Lewis (Karlheinz Böhm). Die Pupille weitet und schließt sich wie die Linse einer Kamera. Eine solche trägt Mark unter seinem Mantel verborgen. Durch sie zeigt „Peeping Tom“ das nachfolgende Geschehen. Mark nährt sich einer Prostituierten und ermordet sie. Menschenauge und Kameraauge registrieren die Tat emotionslos. Regisseur Michael Powell blickt in „Peeping Tom“ durch „Augen der Angst“. weiter lesen →

Rache ist Blutwurst

Akamareul boatda (I Saw The Devil, Südkorea 2010, Kim Jee-woon)

Eine nächtliche Landstraße. Ein Anhalter. Ein Kleinwagen mit zwei Insassen. Wenig später ist der Wagen Schrott, die beiden Insassen sind tot, der Anhalter, ein brutaler Serienmörder, hat nach einem Blick in den Kofferraum ein paar neue Anziehsachen und der Zuschauer die Gewissheit, dass in Kim Jee-woons „I Saw the Devil“ nur wenig Platz für Normalität ist: Im Kofferraum befindet sich eine Leiche, auch die beiden Toten waren also Mörder, die das Pech hatten, einem noch abgebrühteren Menschen über den Weg zu laufen. Willkommen in Südkorea. weiter lesen →

Papa ante portas

Stepfather (The Stepfather, USA 2009, Nelson McCormick)

„Familie ist das Wichtigste“, betont Familienvater David. Zu den Feiertagen hat er sich auf die heimeligen Werte besonnen. Seine Frau und die Kinder konnten den Ansprüchen an traute Eintracht nicht genügen. Sie liegen ermordet neben dem Tannenbaum. Nelson McCormick greift in „Stepfather“ zu mörderischen Erziehungsmaßnahmen. Leider hält seine Neuverfilmung von Joseph Rubens Psychothriller „Кill, Daddy, Kill!“ nicht, was diese Anfangsszene verspricht. Die Handlung folgt dem erprobten Plot des Originals, in dem Mamas neuer Freund sein Familienideal mit drastischen Mitteln durchsetzen will. weiter lesen →

Mit Hand und Fuß

Burke and Hare (Großbritannien 2010, John Landis)

Im Kern von „Burke and Hare“, der auf einem berühmten Kriminalfall des 19. Jahrhunderts basiert, steht der Konflikt zwischen der neuen und der traditionellen Medizin: Erstere wird verkörpert vom verbrecherischen Dr. Knox (Tom Wilkinson), einem überambitionierten Wissenschaftler, der es sich zum Ziel gemacht hat, die Medizin mithilfe einer neuen Erfindung namens „Fotografie“ zu revolutionieren, und der bei der Verfolgung seines hehren Ziels keinerlei Skrupel kennt. Ihm gegenüber steht Dr. Monro (Tim Curry), ein freundlicher Medizinhandwerker, der mit nie versiegender Begeisterung Gliedmaßen von den ihm zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellten Körpern absägt und als Running Gag stets einen in chemischer Lösung eingelegten Fuß dabei hat. Dieses Bild dient nicht nur als beredtes Beispiel für das wiedergefundene Talent zur grafischen Pointierung, das Landis zum vielleicht besten Komödienregisseur der Achtzigerjahre gemacht hatte, bevor es ihm dann irgendwann abhanden kam, die Geschichte vom teuflischen Neuen und dem bewährten Alten lässt sich auch auf „Burke and Hare“ selbst anwenden.

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Schach dem Killer

5150 Elm’s Way (5150, Rue des Ormes, Kanada 2009, Éric Tessier)

In Stefan Zweigs „Schachnovelle“ ist ein Buch mit berühmten Schachpartien die einzige Ablenkung für den monatelang von den Nazis festgehaltenen Arzt Dr. B., der erst akribisch jede einzelne der im Buch dokumentierten Partien memoriert, bevor er schließlich beginnt, im Kopf gegen sich selbst zu spielen und dabei eine „Schachvergiftung“ erleidet, eine akute Spaltung seiner Persönlichkeit. – Ganz Ähnliches widerfährt dem Protagonisten von Éric Tessiers „5150 Elm’s Way“: Seine einzige Chance einem Soziopathen zu entkommen, besteht darin, ihn im Schachspiel zu besiegen.

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»more a film about class in London«

F.LM-VidCast: Q&A mit Gerard Johnson zu „Tony“ vom 24. Fantasy-Filmfest in Berlin

Nachklapp zum kürzlich beendeten 24. Fantasy-Filmfest: Das Q&A mit Gerard Johnson über seinen Serienmörderfilm „Tony“:

Kamera: Maik Rauhmann

Mann beißt Mann

Vampires (Belgien 2009, Vincent Landoo)

Die Renaissance des Vampir-Motivs in der derzeitigen Kulturproduktion ist schon erstaunlich – nicht zuletzt, weil man noch vor zehn Jahren annehmen durfte, dass das Subgenre eigentlich nichts Neues zu erzählen hat. Ein trefflicher Indikator für diese Diagnose schien einerseits in der quantitativ beachtliche Abwanderung in die Pornografie, andererseits die „dispositive Verdopplung“ des Vampirstoffes in Filmen wie „Shadow of the Vampire“ (2000) zu sein. Die neuerliche Wiederauferstehung der Vampire in Romanen und Filmen besitzt da hingegen schon fast den Charakter eines Backlashs, sind es doch wieder Liebesgeschichten und Melodramen, die in den Zentren der „Twilight“-Reihe und sogar von Filmen wie „So finster die Nacht“ (2008) stehen. Gerade letzterer hatte jedoch auch ein zweites Motiv des Vampirfilms erneut thematisiert: die soziale Frage des Miteinanders von Vampiren und Menschen. Während zuletzt „Daybreakers“ (2009) eine recht eindeutige Antwort auf diese gefunden hatte, schickt sich der Dokumentarfilm „Vampires“ nun an, das Thema von einer anderen Seite aus zu beleuchten.
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»I would give my love to thee«

In meinem Himmel (The Lovely Bones, USA/UK/Nz 2009, Peter Jackon)

„Wir gehörten nicht zu diesen Menschen, diesen glücklosen Menschen, denen grundlos schreckliche Dinge passieren.“ – Diese Worte aus dem Mund der 14-jährigen Susan Salmon muten seltsam an, da es die Worte eines toten, eines ermordeten Mädchens sind. Im Laufe des Filmgeschehens beginnt man jedoch zu begreifen, warum ihre Einschätzung gilt, trotz dieses schrecklichen Ereignisses, das die Familie zu zerreißen droht.
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Kein Sammelobjekt

The Collector – He always takes one (USA 2009, Marcus Dunstan)

Mit „The Collector“ scheint der brachiale Folter-Horror nun endgültig im Mainstream angekommen zu sein – und das ist keineswegs negativ gemeint: Filme wie „Saw„, „Hostel“ und nicht zuletzt die französischen „Vorbilder“ eines Regisseurs wie Alexandre Aja könnten Pate für Marcus Dunstans Regiedebüt „The Collector“ gestanden haben. (Eine Verbindung, die nicht von ungefähr kommt, hatte Dunstan doch die Drehbücher der letzten drei „Saw“-Filme geschrieben!) Dass er durchaus an diese Vorbilder heranreicht und seine Erzählung der Gewalt geschickt variiert, wird nicht nur durch das recht packende Erlebnis der Wiederbegegnung mit dem Film auf Blu-ray-Disc verdeutlicht, sondern auch dadurch, dass der Film übel zusammengeschnitten werden musste, um überhaupt eine Freigabe für Erwachsene zu erhalten.

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Schnittstellen – Serienmord im Film

In eigener Sache: Monografie von F.LM-Mitarbeiter Stefan Höltgen erschienen.

Berlin, 15.04.2010 – Soeben ist die Monografie „Schnittstellen – Serienmord im Film“ von F.LM-Herausgeber und -Chefredakteur Stefan Höltgen im Marburger Schüren-Verlag erschienen. Darin werden circa 40 Serienmörderfilme, die zwischen 1924 und 2003 erschienen sind, auf die Frage hin untersucht, auf welche Weise in ihnen Authentizität konstruiert wird. Der methodische Fokus der Arbeit liegt auf der detaillierten Analyse der Filme und ihrer Paratexte, um die kulturelle Resonanz der Werke zu rekonstruieren und die zeitgenössischen Diskurse zu ihnen nachzuzeichnen. Dazu werden Fragen zur Kriminalgeschichte (bei historischen Vorlagen), zur Gewaltdarstellung, Filmzensur, Affektproduktion, politischer Lesarten und auf welche Weise der Film an einer Verstehbarmachung des Phänomens Serienmord für die breite Öffentlichkeit arbeitet, auf circa 400 Seiten des Bandes gestellt.

Die Monografie basiert auf der Dissertationsschrift, welche der Autor im Herbst 2008 an der Universität Bonn eingereicht hat, stellt allerdings eine umfangreiche Überarbeitung derselben dar: Neben zahlreichen Detailänderungen verfügt der Text nun auch über farbige Abbildungen sowie ausführliche Namens- und Titelregister, die die Lektüre des ebenso als eine Art „Lexikon des Serienmörderfilms“ verwendbaren Buches unterstützten sollen. Das Paperback ist ab sofort über den Verlag oder den Buchhandel beziehbar. Einen Einblick gewährt der Schüren-Verlag bei Libreka. Erste Rezensionen finden sich bei Der Schnitt, Caligari und Das Manifest sowie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Deadline“.

Stefan Höltgen
Schnittstellen – Serienmord im Film
Marburg: Schüren-Verlag 2010
409 Seiten (Taschenbuch) mit schwarz-weißen und farbigen Abbildungen
29,90 Euro
Informationen vom Verlag

Dieses Buch bei Amazon bestellen.

Die Nacht zum Tag gemacht

Podcast von den Fantasy-Filmfest-Nights 2010, Tag 1

Podcast mit Jörg Buttgereit und Stefan Höltgen über:

  • Red Riding: 1974 (GB 2009, Julian Jarrold)
  • The Collector (USA 2009, Marcus Dunstan)
  • [REC] 2 (Spanien 2010, Jaume Balagueró & Paco Plaza)
  • Splice (USA/Kanada 2009, Vincenzo Natali)
  • La Horde (F 2009, Yannick Dahan & Benjamin Rocher)

Strähnen lügen nicht

Sweeney Todd: Der teuflische Barbier aus der Fleet Street (Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street, USA 2007, Tim Burton)

15 Jahre, nachdem er unschuldig des Mordes an seiner Geliebten verurteilt wurde, kehrt der verbitterte Barbier Sweeney Todd (Johnny Depp) auf Rache sinnend ins London der Industrialisierung zurück. Objekt seines Hasses ist der verschlagene Richter Turpin (Alan Rickman), der sowohl für den Tod von Sweeneys Herzensdame als auch für das Komplott verantwortlich war, das zu dessen Inhaftierung führte. Auf der Suche nach Unterkunft trifft Sweeney die einsame Ms. Lovett (Helena Bonham-Carter), eine wenig talentierte Pastetenbäckerin, die den Barbier bei sich aufnimmt. Nachdem Sweeney von dem Konkurrenten Pirelli (Sacha Baron Cohen) als ehemaliger Mörder identifiziert und so zum ersten Mord getrieben wird, kommt ihm die Idee, wie er sich Turpins entledigen kann: Der Schurke soll als Füllung von Ms. Lovetts Pasteten enden. Bald schon stapeln sich die Leichen im Keller des Hauses und das Geschäft von Ms. Lovett floriert … weiter lesen →

»Art is not a Crime«

Art School Confidential (USA 2006, Terry Zwigoff)

1827 veröffentlicht der englische Essayist und Journalist Thomas de Quincey seine ironische Schrift „Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet“. Spätestens zu diesem Zeitpunkt setzt eine diskursüberschreitende Debatte zwischen Kriminologie und Ästhetik ein, die in der Kunstproduktion des 20. Jahrhunderts, und hier vor allem in Film und Fotografie, ihre radikalste Ausformulierung bekommen hat. Zum einen adaptieren die Künste authentische Kriminalfälle, weil die ihnen inhärenten Momente von Erhabenheitsästhetik und Affektivität zu den maßgeblichen Faktoren der Kunst gehören; zum anderen beanspruchen nicht wenige Verbrecher für sich den Status eines Künstlers. Vor allem am Phänomen Serienmord ist dieser zweiseitige Anspruch immer wieder formuliert worden. Die Argumente und Ergebnisse stellt Terry Zwigoff nun in seinem ironisch-reflexiven Beitrag „Art School Conficential“ vor.
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Zu Zweit allein

The Hitcher (The Hitcher, USA 2007, Dave Meyers)

Eine lange Autofahrt, nachts, allein. Das Autoradio plärrt blechern, Langweile und Müdigkeit machen sich breit. Die ersehnte Unterhaltung und Abwechslung steht plötzlich in Gestalt eines Anhalters am Straßenrand, mitten in der Pampa. Freundlich hält der Fahrer an, lässt den Mann einsteigen, es ist nicht klar, wer sich hier mehr freut. Doch die Freude weicht bald der lähmenden Angst. Das folgende Gespräch, das doch nur die lange Fahrtzeit verkürzen sollte, wird immer unangenehmer und ein paar Minuten später hat der Fahrer ein Messer am Hals: Statt eines Gesprächspartners hat er sich einen gefährlichen Psychopathen ins Auto geholt und der lässt sich einfach nicht mehr abwimmeln. Das ist die Ausgangssituation für „Hitcher, der Highway-Killer“, einem kleinen, aber immens einflussreichen Thriller der Achtziger-Jahre. Robert Harmon inszenierte das Duell zwischen Anhalter und Fahrer damals als den Vater-Sohn-Konflikt, der nach dem Vietnamkrieg längst überfällig war und sich im Niemandsland des amerikanischen Mittelwestens mit brachialer Gewalt entlud.

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Die Einsamkeit des Wurstfachverkäufers

Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (Texas Chainsaw Massacre: The Beginning, USA 2006, Jonathan Liebesman)

Am Ende des Gemetzels wankt der Koloss mit der Kettensäge langsam ins Dunkel. Sein Tagewerk ist verrichtet, das Geheimnis der Familie bewahrt. Doch er strahlt keine Freude aus, kein rauschhafter Triumph beflügelt ihn. Sein Kopf ist gesenkt, er wankt wie ein angeschlagener Boxer, erschöpft. Dann verschluckt ihn die Nacht. Der nächste Morgen wird auch nur einen weiteren Tag der Arbeit für ihn bereithalten, die er gewohnt zuverlässig verrichten wird.

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Lesen, Morden, Schreiben

H6 – Tagebuch eines Serienkillers (H6 – Diario de un asesino, Spanien 2005, Martin Garrido Barrón)

Glaubt man dem Film, bekommen Serienmörder im Gefängnis selten gute Ideen für ihr Leben in Freiheit. Das war bei Kargls „Angst“ so und ist auch noch bei Demmes „Schweigen der Lämmer“ nicht anders gewesen. Auch Antonio Frau, der wegen eines Eifersuchtsmordes an seiner Ehefrau 25 Jahre (!) einsitzt, hat sich für die Zeit nach seiner Freilassung etwas vorgenommen: Er will seine Überlegungen zur Lektüre der Biografie des französischen Serienmörders Henri Landru in die Tat umsetzen und zu einem berühmten Frauenmörder werden. Ihm kommt entgegen, dass er von seiner Tante ein großes Haus (ehemaliges Bordell) erbt, in welchem er sich ein Zimmer einrichtet, das allein diesem Zweck dienen soll. Um sich den Anschein von Bürgerlichkeit zu geben, heiratet Antonio eine Krankenschwester, die ihn in ihren Nachtschichten permanent betrügt. Das ist ihm jedoch egal, denn gerade nachts führt Antionio auch nichts Gutes im Schilde.

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Ein Kannibale als Kulturheros

Hannibal Rising (F/UK/USA 2007, Peter Webber)

Was in Mode zu kommen scheint, sind dieser Tage Filme, die sich mit der Aufarbeitung eines bisher unbeleuchteten Kapitels aus der frühen Lebensgeschichte einer Roman- oder Filmfigur befassen. Den Auftakt dazu lieferte das horribel verstümmelte „Texas Chainsaw Massacre – The beginning“ (Kinostart 18. Januar). „Hannibal Rising“ führt die Reihe der Anfänge als ein auf Hochglanz poliertes Gründungsmythos fort, das seinerseits Volksmythen in Form von Märchen und nebenbei die Folterung von Kriegsverbrechern zeigt. Er versucht die Transformation vom Mythos zum Myzel, kommt dabei aber kaum ohne eine schlicht gestrickte Psycho-Logik aus, die dem Film alle die Haken und Kanten nimmt, an denen man sich beim „Schweigen der Lämmer“ seinerzeit noch genüsslich die ein oder andere Blessur holen konnte.
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»I love Mallory«

Medienkritik in Oliver Stones „Natural Born Killers“

Das Urteil über Oliver Stones „Natural Born Killers“1 war schon gefällt, bevor der Film überhaupt in Deutschland zu sehen war. Sowohl von der Politik als auch von den Medien wurde der Vorwurf der Gewaltverherrlichung erhoben und ein Verbot des Films gefordert. Diese Diskussion spiegelte die Reaktionen auf NBK in den USA wider: Oliver Stone musste insgesamt ca. 150 Schnitte an seinem Film vornehmen, um ein NC17-Rating2 zu vermeiden.3 Gern vermutet man bei solchen Kontroversen eine inszenierte Werbekampagne, doch im Falle von NBK blieb den Vertretern der Medien eigentlich keine Wahl als zum großen Proteststurm zu blasen, denn Stones Kritik am Medium „Fernsehen“ ist fundamental. Das Motiv „Jugendschutz“ erfüllte eine Alibifunktion, um diesen – für die Medien gefährlichen – Film anzugreifen. Absurd, wenn man bedenkt, welche Rolle Stone gerade dem Fernsehen bei der Brutalisierung der Gesellschaft zuweist. weiter lesen →

Badlands

Badlands, USA 1973, Terrence Malick

Badlands ist vor allem verwirrend, gleichzeitig hypnotisch und von rauher, unwirtlicher, karger Schönheit. Der Tod ist hier überall zugegen: Im einführenden Offkommentar von Holly wird vom Tod der Mutter erzählt, ein Hund liegt achtlos verwesend am Wegesrand, die Toten Kühe auf dem Feld der Schlachterei aufgedunsen in der Sonne. Wenig später ist dann auch Hollys Vater tot. Erschossen von ihrem Lover Kit, denn der Vater war gegen die Beziehung der beiden. Danach leben die beiden, gewissermaßen selbst wie die tiere, in der Wildnis, auch hier wieder dann das Töten, beiläufig, selbstverständlich. die 15jährige Holly betrachtet das ganze – den gewaltsamen Tod des Vaters, das Leben in der Wildnis, die anschließende Flucht über das Land – fast anteilnahmslos, scheint zu Gefühlsregungen kaum in der Lage. Sie stand vor der wahl: Outlaw oder nicht. Dann eben Outlaw. Alles, nur nicht durchschnittlich sein. Ein romantisches Motiv, zugegeben, doch denkbar unromantisch seine Umsetzung. weiter lesen →

Gut vs. Schlecht

Freddy vs. Jason, USA 2003, Ronny Yu

Als Mitte der 90er Jahre der erste Band der Mini-Serie „Marvel vs. DC“ erschien, fanden endlose Schulhofdiskussionen ein (vorläufiges) Ende: Wer ist stärker: Captain America oder Batman? Wer fliegt schneller: Iron Man oder Superman? Wer ist grüner: Hulk oder Green Latern (oder vielleicht doch das grüne Kryptonit)? Hinter diesen Fragen steckte das Bedürfnis die Mythologien der verschiedenen Comic-Universen endlich einmal kompatibel zu machen, sie auf ein gemeinsames soziales, physikalisches und geografisches Fundament zu stellen. Diese „versus“-Idee wurde schnell auf andere Sujets übertragen; eines der populärsten ist die Comicreihe „Alien vs. Predator“, zu der es bereits ein Computerspiel und demnächst einen Film geben wird. Mit „Freddy vs. Jason“ ist nun eine neue Gegenüberstellung von „Superhelden“ ins Kino gekommen. Die beiden Kontrahenten sind die zynischen Helden des Slasherfilmgenres. weiter lesen →