Soldaten sind Marder

Die in selbstmörderischer Mission befindlichen Soldaten haben sich in die ausweglose Situation manövriert. Sie schauen sich an, erkennen, dass sie Freunde geworden sind und als Freunde gemeinsam in den Tod gehen werden. Ihr Land hat sie verraten, trotzdem singen sie jetzt alle gemeinsam tränenüberströmt ihre martialische Nationalhymne. Mit dem schon vergossenen Blut schreiben sie ihre Namen an die Innenwände des Busses, in dem sie sitzen. Dann sprengen sie sich mit ihren Handgranaten selbst in die Luft …

„Soldaten sind Marder“ weiterlesen

Out of Focus

Mit „Schläfer“ war im vergangenen Jahr bereits ein Film erschienen, der die Auswirkungen der „allgemeinen Moblimachung“ gegen den Terrorismus zum Thema hatte. Spätestens seit dem 11. Spetember 2001 stehen Menschen aus dem nahen Osten unter Generalverdacht. Allein schon, dass die aus jenen Ländern rund ums Mittelmeer stammenden Menschen überhaupt – wie in „Civic Duty“ – als „Middle Eastern Guys“ klassifiziert werden, scheint ein Hinweis auf die Paranoia des Westens zu sein. In „Schläfer“ war es die Freundschaft zwischen einem Deutschen und einem algerischen Forscher, die durch die Verdächtigungen des Staatsschutzes zerstört wurde. In „Civic Duty“ muss die „Homeland Security“ nicht einmal mehr selbst tätig werden, damit der Bürger gegen den Bürger zu Felde zieht.

„Out of Focus“ weiterlesen

Zwei Filme mit Freddy Quinn

Freddy Quinn, ein Mann wie Kernseife: praktisch, zuverlässig, anpassungsfähig, rustikal und einfach. Aber allen unzweifelhaft vorhandenen Vorteilen zum Trotz: Kernseife hinterlässt immer auch einen etwas muffigen Geruch. Freddy Quinn wurde 1931 in Österreich geboren und mit seiner charakteristischen Mischung aus aseptischem Charme und hemdsärmeliger Bodenständigkeit sowohl als Schauspieler als auch als Sänger und Entertainer im Deutschland der Nachkriegsjahrzehnte berühmt. Seine Filme und Lieder bedienten den dringenden Wunsch nach Eskapismus, gleichzeitig besänftigten sie aber auch stets das Gewissen der Deutschen: In der Heimat ist es immer noch am schönsten, man darf also ruhig zu Hause bleiben.

„Zwei Filme mit Freddy Quinn“ weiterlesen

Die Kinder der Toten

Vorspeise: Das Genre frisst seine Kinder. So wie die titelgebenden Zombies von J. S. Cardones Film – eine Gruppe Kinder, die vor knapp hundert Jahren bei der Verrichtung ihrer Arbeit in einem Bergwerk verschüttet wurde und nun auf der Suche nach Gerechtigkeit und einer Heimat ist –, mit Spaten und Spitzhacke über gierige Grundstücksspekulanten und andere Opfer herfällt, um diese letztlich zu verspeisen, so wird auch J. S. Cardones merkwürdig unentschlossener Film von gängigen Genrestrukturen und hundertfach abgespulten Klischees verhackstückt und einverleibt.

„Die Kinder der Toten“ weiterlesen

Vor Augenzwinkern berstend

Der letzte Podcast vom Fantasy-Filmfest mit einem Rückblick auf einige nicht berücksichtigte Filme:

Filme: The Abandoned, Ex Drummer, Deaths of Ian Stone, Free Jimmy, Mushishi, WΔZ, Bug, Edmond, Live!, The Living and the Dead, Shadowboxer, All the Boys love Mandy Lane

Teilnehmer: Leena, Oliver, Matthias, Alex, Florian, Stefan
Moderation:  Stefan

Glokalisierungen des „American Nightmare“

In den letzten Jahren kann man im Genrekino einen Trend beobachten, der sich vielleicht vor dem Hintergrund der allgegenwärtig beschworenen Globalisierung plausibel als eine Strategie gegen drohenden Verlust nationaler Identitäten lesen lässt: Anstatt sich in Traditionalismen abzuschotten, begegnet man den Herausforderungen einer globalisierten Kulturindustrie aber trotzig mit einer affirmativen Haltung gegenüber dem Kulturtransfer. Und das mit finanziellem Erfolg, wie der österreichische Slasherfilm „In 3 Tagen bist du tot“ im vergangenen Jahr eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte: Der Marktanteil einheimischer Produktionen ist in Österreich in der Regel kümmerlich. Im letzten Kinojahr konnte jedoch Andreas Prochaskas österreichische Version von „I know what you did last Summer“ (USA 1997, R: Jim Gillespie) als besucherstärkster österreichischer Film 2006 (83.000 Zuschauer) den Anteil einheimischer Produktionen immerhin auf 2,6% anheben (zum Vergleich: in Deutschland betrug der Anteil laut SPIO im selben Jahr 25,8%). Und auch international erwartet man für „The Austrian Schocker“ (Werbezeile) offenbar so hohe Gewinne, dass mittlerweile eine Fortsetzung angekündigt wurde.

„Glokalisierungen des „American Nightmare““ weiterlesen

Der große Platsch

Der achte Podcast vom Fantasy-Filmfest 2007:

podcast-team.jpg

Film: The Retribution (Sakebi, Japan 2007, Kiyoshi Kurosawa)
Teilnehmer (von oben links nach unten rechts): Patrick, Oliver, Florian, Alex, Matthias, Leena, Stefan und Miriam (nicht im Bild)
Moderation: Oliver

Pfählrichtungen

6. F.LM-Podcast vom Fantasy-Filmfest 2007

Titel: Welcome to the Jungle (Australien/USA 2007, Jonathan Hensleigh)
Teilnehmer: Leena, Oliver, Florian, Matthias, Alex, Stefan
Moderator: Stefan

Vagina Dentata

Der fünfte Podcast vom Fantasy-Filmfest 2007:

Film: Storm Warning (Australien 2007, Jamie Blanks)
Teilnehmer: Oliver, Leena, Stefan, Matthias, Florian
Moderator: Florian

Das Klo und der Film

Die Darstellungsgeschichte des Klos, des Fäkalen und der Tätigkeiten des Exkrementierens ist ausgesprochen alt – und zeigt erstaunliche Brüche. Die Motive, die auf Anal- und Fäkalanspielungen basieren, haben sich erst im Lauf des 18. Jahrhunderts aus dem Bereich des Gesellschaftsfähigen heraus entwickelt. Noch im 16. Jahrhundert war das öffentliche Sprechen über die Verdauung und der Anblick ihrer Verrichtung nur in geringem Maße mit Scham- und Peinlichkeitsgefühlen belegt. Bürgerliche Hygienevorstellungen sowie Vorgaben über korrektes Verhalten setzen sich danach aber durch. Vormals Zulässiges muss nun über mehr als 250 Jahre hinweg neu gefaßt – oder verschwiegen – werden. Erst in den letzten Dekaden erleben wir einen Prozess, in dem sich die jahrhundertelange Unterdrückung des Fäkalen und der Vorgänge des Pissens und Scheißens als Gegenstände öffentlicher Kommunikation rückzuentwickeln beginnt.

„Das Klo und der Film“ weiterlesen

Puppenspielertricks

Zweiter Teil des F.LM-Podcasts vom Fantasy-Filmfest 2007 in Köln.

Film: Dead Silence (USA 2007, James Wan)
Teilnehmer: Leena, Oliver, Matthias, Florian und Stefan
Moderation: Matthias

Prärie-Austern mit Minzsauce

Erster Teil des F.LM-Podcasts vom Fantasy-Filmfest 2007 in Köln.

Film: Black Sheep (Neu Seeland 2006, Regie: Jonathan King)
Teilnehmer: Leena, Oliver, Matthias, Florian, Patrick und Stefan
Moderation: Stefan
Länge: 16 Minuten

Die DVD von Ascot-Elite

Bild: 1,85:1 (16:9 anamorph Widescreen)
Ton: deutsch /DD 5.1), englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Trailershow
Länge: 83 Minuten (uncut)
FSK: keine Jugendfreigabe
Preis: 13,99 Euro

Diese DVD bei Amazon kaufen.

Grausamkeitsspirale

Die Vorstellung, etwas immer und immer wieder erleben zu müssen, hat nicht nur für Spielfilmprotagonisten etwas von der Hölle: Auch die christliche Höllenvorstellung selbst operiert mit dem Motiv der endlosen Wiederholung von Qualen als Strafe für die Sünden. Jeffrey und Joshau Crooks Mysterythriller „Gruesome“ versucht diese Erfahrung nun auch für den Zuschauer plastisch zu machen – leider auf nicht durchweg positive Weise: Für ihn werden die Wiederholungen selbst zur Qual.

„Grausamkeitsspirale“ weiterlesen

Mann hilft Hund

Nach dem deutschen hatte der Serienmörderfilm das französische Autorenkino als erreicht. Bereits Robert Siodmak („Pièges“, 1939) und Georges Henri Clouzot („Der Mörder wohnt in Nr. 21“, 1941) inszenierten diesen Verbrechenstypen. Und zuletzt durch den international beachteten Beitrag „High Tension“ (2003) ist der französische Serienmörderfilm wieder in aller Munde. Nun kehrt ein alter Bekannter des Metiers in einem äußerst ruhigen und besinnlichen Beitrag auf die Leinwand zurück: Benoît Poelvoorde (bekannt aus „Mann beißt Hund“) spielt in Anne Fontaines „In his Hands“ einen Verdächtigen, dessen Schuld oder Unschuld Gegenstand des Films wie der in ihm erzählten Liebesgeschichte ist.

„Mann hilft Hund“ weiterlesen

Film noir

Die Zukunft ist ein düsterer Ort – zumindest wenn man Filmen wie „A Scanner Darkly“ oder nun auch „Renaissance“ glauben schenken will: Die Städte sind zu riesigen Molochen angewachsen, die Technologie hat ihre Nützlichkeit zugunsten einer den Menschen beherrschenden Totalüberwachung eingebüßt, große Konzerne beherrschen das politische und wirtschaftliche Geschehen und der Staat ist eher der Feind als der Beschützer seiner Bürger. Derlei Dystopien existieren im Kino seit Fritz Langs „Metropolis“ und sind immer wieder beliebte Themen. Doch gerade die beiden oben genannten Filme überführen diese Themen auch in ein ästhetisches, oder besser gesagt: grafisches Setting, mithilfe dessen sie es unterstreichen, forcieren und für den Betrachter auf befremdliche Weise „erfahrbarbar“ machen.

„Film noir“ weiterlesen

Die Parallelgeschichte zum Neuen Deutschen Film

Rudolf Thome gehört zu jener Gruppe Regisseure, die sich 1969 ganz bewusst von den Autorenfilmern des Jungen Deutschen Films distanziert haben. Die so genannte „Münchner Gruppe“ hat zwar kein Manifest verfasst, wollte sich aber genau so wie die Gruppe in Oberhausen von „Papas Kino“ lossagen. Ihre Inspiration bezogen die Filmemacher zumeist aus dem us-amerikanischen Genrekino. Mit „Detektive“ erscheint nun ein Frühwerk Thomes aus jener Zeit, das sich ästhetisch und ideologisch zwischen dem frühen Hommagen-Kino Godards und dem nihilistischen Kriminalfilm amerikanerischer Provenienz ansiedelt.

„Die Parallelgeschichte zum Neuen Deutschen Film“ weiterlesen