Los Angeles ist eine geteilte Stadt. In ihrer Mitte ragt ein Gebirgszug und bildet die physische Grenze zwischen L.A. und dem San Fernando Valley, der Vorstadt, dem „L.A. für Arme“, wie es von den Angelinos gerne genannt wird. Auch wenn es im Valley mittlerweile Viertel gibt, die mit ihren Prachtvillen und Quadratmeterpreisen Beverly Hills Konkurrenz machen, hat die Gegend den Beigeschmack der Spießbürgerlichkeit bis heute nicht verloren. Und – um ehrlich zu sein – je tiefer man ins Valley vordringt und sich von der bergigen Grenze, auf deren Scheitel sich der berühmte Mullholland Drive entlang schlängelt, entfernt, desto mehr scheint dieser Vorwurf auch berechtigt: Zum größten Teil winzige, meist aus Holz gebaute Flachbauten reihen sich hier aneinander wie Perlen an einer Kette. Dazwischen gequetscht die obligatorische Garage, in der der noch nicht abbezahlte japanische Mittelklassewagen parkt. Und über allem wabert im Sommer eine unmenschlich drückende Hitze, der die blechernen, aus den Fenstern ragenden Klimaanlagen verzweifelt surrend Herr zu werden suchen. In dieser Idylle amerikanischen Vorstadtmiefs spielt Barry Levinsons jüngste Komödie „Neid“.
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Open Water
Filme wie John Sturges „The old Man and the Sea“ oder Philip Noyces „Dead Calm“ haben es vorgemacht: Es ist möglich einen Film über Menschen auf dem offenen Meer zu drehen, der trotz des eintönigen Ambientes spannend sein kann. Ihr Spannungspotenzial beziehen diese Filme aus den sich durch die Einöde entwickelnden menschlichen Konflikten („Dead Calm“) oder aus dem Konflikt mit dem Unwirtlichkeiten der Einöde selbst („The old Man …“). Chris Kentis zweiter Spielfilm „Open Water“ versucht beides zu kombinieren … und geht damit – man entschuldige den Kalauer! – baden.
Rückblende
Manche Filme ermöglichen gerade dadurch, dass sie in Erzählung und Ausführung recht bieder sind, interessante Überlegungen über das Phänomen Film an ihnen anzustellen. Solche Überlegungen bewerten den Film dann zwar nicht mehr als ästhetisches Artefakt, zeigen aber immerhin, dass eigentlich kein Film so schlecht ist, als das man nicht noch etwas von ihm lernen könnte. Von dieser Binsenweisheit hat neben den eher unterschlagenen, weil als „künsterlisch geringerwertigen“ Genre- und Billigproduktionen auch der Hollywood-Blockbuster gezehrt, dessen Ästhetiken oft wie Fingerübungen debüttierender Regisseure aussehen, an denen sich das auf der Filmschule gelernte manchmal recht offensichtlich widerspiegelt.
Cannibalo Normale
Dass ein Tabuthema wie der Kannibalismus endgültig in die Jagdgründe der Alltagskultur eingegangen ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass es seine Selbstreflexivität im Bauchladen vor sich herträgt. Kommt ein Kannibalenfilm dann noch in TV-Ästhetik daher, kann man sich nahezu sicher sein, dass der Horrorfilm den Fernsehalltag oder besser -allabend um ein weiteres Motiv beerbt hat. John Hancocks 2001 gedrehter Film „Suspended Animation, der auf dem Fantasy Filmfest unter dem Titel „Mayhem“ lief, scheint diesen Weg konsequent zu beschreiten.
Verdrehte Claude
Die multiple Persönlichkeitsstörung oder auch „Dissioziative Identitätsstörung“ ist eine der umstrittensten psychiatrischen Diagnosen: In den 1970er Jahren erstmals diagnostiziert, beschreibt sie einen Zustand, in dem sich eine Person in mehrere unterschiedliche Persönlichkeiten/Identitäten aufspaltet. In der Kulturgeschichte hingegen ist die Multiple Persönlichkeit schon immer recht beliebt gewesen. Zahlreiche Stoffe der Literatur und des Films basieren auf der Idee, die in Victor Flemings „Dr. Jeckyll und Mr. Hyde“ sicherlich mit dem größten Erfolg adaptiert wurde.
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Der Held, der aus der Hölle kam
Er sieht aus wie die rotgesichtige Mischung aus Klingone und Belzebub, sein Lieblingsausdruck ist „Oh crap!“ (zu deutsch: Oh Kacke!) und er ist Hollywoods jüngster Comic-Book-Hero, der den Sprung auf die große Leinwand geschafft hat. Gestatten: HELLBOY!
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Auch „Kult“ kommt von „können“
1964 drehte Herschell Gordon Lewis mit „2000 Maniacs“ die erste Splatter-Komödie der Filmgechichte: Vier junge Leute gelangen durch den hinterhältigen Plan revanchistischer Südstaatler in ein Zweitausendseelenkaff, in dem sie freundliche empfangen, aber unfreundlich als Höhepunkt eines Festes grausam getötet werden. Begleitet werden die stattfindenden Blutorgien von der freundlichen Südstaatensonne, leensfroher Banjo-Musik und einem hochgradigen Mangel der Unterscheidungsfähigkeit von Normalität und Wahnsinn, der in dem Ort grassiert. Heute, genau 40 Jahre später, inszeniert Matthew Leutwyler den nahezu selben Stoff noch einmal. Nun sind es sechs Teenager, die in die Fänge eines mysteriösen Zolmbie-Kultes geraten. In „Dead and Breakfast“ kommt es schließlich auch zur Blutorgie, als der gesamte zombifizierte Ort auf die durchaus wehrhaften Jugendlichen trifft.
„This is no vengeance, this is punishment!“
The Punisher, USA 2004, Jonathan Hensleigh
Mit The Punisher kehrt das US-Actionkino zu einzigartiger Güte zurück. Action, das bedeutet Bewegung, Actionkino, das bedeutet: Das Spektakel auf der Leinwand entspricht dem Spektakel vor der Kameralinse. The Punisher nimmt das beim Wort: Autoachsen werden klanggewaltig überbelastet, Fahrzeuge werden nach allen Regeln der Kunst demoliert, was explodiert, ist danach auch jenseits des Films nurmehr schrottplatzreif: Von der Unverbindlichkeit computergenerierter Pixel, die sich gegenseitig neutralisieren, fehlt jede Spur. The Punisher ist Kino der Physis – und dabei nach Dutzenden von leblosen Actiongames-Filmen ein Labsaal für die Seele. Denn trotz aller Anachronismen in der Inszenierung (oder besser: trotz seines Aufgriffs anachronistischer Verfahren, die er aber zeitgemäß einzusetzen weiß) macht The Punisher auch unverhohlen Spaß: Jungskino der schönen Sorte.
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Diesel brennt nicht!
Man könnte meinen, man durchlebt die alptraumhafte Zusammenfassung des Teen-Horrorfilms von seinen Anfängen bis in die Gegenwart: Der Prolog von „Trespassing“ zeigt uns, wie ein junger Mann, der mit seinen Eltern in den Sümpfen von Louisiana lebt, zum wahnsinnigen Serienmörder wird. Seinen Vater ersticht er mit einer Heckenschere (von da ab sein bevorzugtes Mordinstrument), seine Mütter überschüttet er mit Diesel und zündet sie bei lebendigem Leibe an. Dann – eine Einblendung verrät uns „20 Jahre später“ – unternehmen fünf Studenten einen Wochenendausflug in das Haus, wo das alles begann. Von den dort stattgefundenen Taten wissen sie nichts – ihr Ausflug hat ein sozialpsychologisches Forschungsmotiv: „Stimmt es, dass das illegale Eindringen in ein gesperrtes Gebiet zwangsläufig Hysterie und Gewalt bei den Eindringlingen auslöst, wie gängige Horrormythen behaupten?“ Da die Eindringlinge nun zufällig in das Territorium und Haus des dort noch lebenden wahnsinnigen Killers eindringen, bestätigen sich die Thesen auf gleichsam wunder- und grausame Weise.
»Viewing is Horror«
Der Horrorfilm bezieht sein Grauen nicht selten aus dem Unfassbaren, das sich im Menschen selbst verbirgt. Dazu lotet er mysteriöse und geheime Gruppen aus, die sich der Alltagserfahrung entziehen und eben durch ihre Abgeschiedenheit oder ihre extrem ritualisierte Lebensweise das Fremde als Enklave auf ideale Weise in der Gesellschaft selbst zu verorten verstehen. Etliche Horrorfilme spielen in Klöstern, handeln von Sekten bezeihungsweise sind in Irrenanstalten situiert oder stellen psychotische Figuren ins Zentrum ihrer Erzählungen.
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Viel Blut – Wenig Hirn
Alle paar Jahre kommt es vor, dass ein übermütiger Regisseur den Splatterfilm um eine Komödie bereichern will. Um die Körper-Grotesken herum werden dann reichlich skurrile Erzählungen ersonnen, die die Gewalt auf möglichst komödiantische Weise in diese einbetten sollen. Dass Gewaltdarstellung und Körperzerstörug selbst schon ab einem gewissen Grad in den Slapstick abgleiten, hat der Sam Raimi schon 1982 mit „The Evil Dead“ bewiesen – einer Splatterkomödie, deren komisches Potenzial auf Grund ihrer Gewalteskapaden zunächst nur schwer als solches zu erkennen war. Doch mit Stuard Gordons „Re-Animator“ und sätestens 5 Jahre später mit Peter Jacksons „Bad Taste“ ist das Komödiatische am Horriblen nachdrücklich deutlich geworden.
One Point O
Unser Protagonist – Simon J. – schließt die Türe zu seinem Appartment auf: Ein karger Raum mit braunen Tapeten, in leicht flackerndes Neonlicht getaucht, spärlich möbliert. Und am Boden ein Paket, ohne Absender oder Empfänger. Niemand weiß, wie es dorthin gekommen ist, oder erst Recht, was ein leeres Paket für einen Sinn haben soll.
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Aliens prefer to be blondes
Man hat sich im Zuge der „Teenysierung“ des Horrorfilms seit 1996 ja einiges ein- und gefallen lassen (müssen): Gemeingefährliche Lehrer („The Faculty“) böse Serienmörder, die Vergangenes rächen („I know what you did …“), böse Serienmörder, die Jungfräulichkeit rächen („Cherry Falls“), Eltern, die sich gegen ihre Kinder verschwören („Disturbing Behaviour“). Die Varianten scheinen unerschöpflich – aber auch nur deswegen, weil sich am großen Plot-Konstrukt nie etwas ändert – allenfalls die Bedrohung mal aus einer anderen Richtung kommt. Eine Bedrohung die es oft nur auf eines abgesehen hat: Das Erwachsenwerden der Teenager, das sich durch Geschlechtsreife kennzeichnet, zu unterdrücken.
Ich habe keine Angst
1978, Sommer, Süditalien. Es ist so heiß, wie schon lange nicht mehr. Die Weizenfelder sind goldgelb und wiegen sich im Wind. Kein Regen. Man bleibt im Haus bis die Sonne untergeht. Nur den Kindern macht die Hitze nichts aus. Sie spielen – die menschenverlassene Welt ist ihr Spielplatz. Als der kleine Michele mit seinen Freunden auf einem verlassenen Bauernhof spielt, entdeckt er ein Loch in der Erde und als er in das Loch hinabschaut, sieht er ein Bein. Er erzählt seinen Freunden nichts davon und kommt am nächsten Tag wieder. In dem Loch lebt ein kleiner, gleichaltriger Junge, der glaubt, dass er tot sei. Michele freundet sich mit ihm an und bringt ihm regelmäßig Essen und Trinken. In den Nachrichten erfährt Michele, dass der Junge Filippo heißt und entführt wurde. Seine Mutter sorgt sich um ihn. Michele weiß zwar nicht, was „entführt“ bedeutet, erzählt Filippo jedoch von dessen Mutter. Zuhause bei Michele gibt es indes Veränderungen: Ein fremder Mann zieht ein und die Erwachsenen des kleinen Ortes benehmen sich eigenartig. Bald schon bekommt Michele heraus, dass sie den kleinen Filippo in das Loch gesperrt haben. Er versteht nicht warum und will ihn befreien. Dabei wird er von den Erwachsenen überrascht. Als nun auch Hubschrauber über das Dorf fliegen, die nach dem Entführten suchen, entscheiden die Erwachsenen, Filippo zu töten. Michele, der sie bei ihren Plänen belauscht hat, versteht zwar immer noch nichts, weiß aber, was zu tun ist.
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Die offenen Adern der Nordamerikaner
Der Kalender der Azteken war in Zyklen von 52 Jahren unterteilt. Im 12. Jahr sollte ihr Gott des Windes, des Himmels, des Krieges – Schöpfergott Quetzalcoatl von Osten zurückkehren und das goldene Zeitalter einläuten. Zufällig war dieses 12. Jahr nach dem damals noch gültigen julianischen Kalender das Jahr 1519 und aus dem Osten kam nicht Quetzalcoatl, sondern Hernan Cortez, der vom damaligen König der Azteken, Moctezuma II für den angekommenen Gott gehalten wurde, weshalb sein Volk ihm widerstandslos das Land übereignete.
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My Girl
My Girl, Thailand 2003, diverse Regisseure
Eine Straße bestimmt das Leben des kleinen Jaeb. Der Verkehr darauf (sowie die infolge eines dort beobachteten Unfalls entstandene Angst davor) begrenzt das Territorium, in dem er sich entfalten kann, begrenzt gleichermaßen die Gebiete, in denen unterschiedliche Grundschüler-Cliquen das Sagen haben und determiniert somit auch den Freundeskreis der hier aufwachsenden Kinder. Im Falle von Jaeb sind das ein paar Mädchen aus der Nachbarschaft, vor allem die süße Noi Nah, die nur zwei Häuser weiter wohnt und die kaum älter ist als er selbst. Während beider Mütter sich recht nahe stehen, sind die Väter Konkurrenten auf einem schmalen Feld: Beide betreiben Friseursalons. Zwischen beiden eingekeilt ein kleiner Lebensmittelladen, dessen Betreiber infolge der eitlen Anwandlungen der beiden Barbiere für einen simplen Haarschnitt durch die ganze Stadt fahren muss.
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Things I don’t speak about …
Irgendwo im Jahre „1897“ im Südosten Pennsylvanias: Das kleine Dörfchen Covington am Rande des Waldes ist geprägt durch Frieden und Harmonie. Die Siedler, die sich dort niedergelassen haben, sind Flüchtlinge der Zivilisation: Entflohen dem brutalen Stadtleben haben sie sich eine Existenz frei von Geld, Gewalt und Geheimnissen aufgebaut. Doch nicht nur ihre Art zu leben grenzt sie von der Stadt ab, auch ein Wald. Und in diesem Wald leben Kreaturen, von den Dorfbewohnen als „Those we don’t speak of“ bezeichnet. Beide Gruppen leben in der stillen Übereinkunft, dass die gegenseitigen Territorien nicht betreten, die Grenze nicht verletzt wird. Seit Jahren sind die Kreaturen nun schon nicht mehr im Dorf gewesen und es gibt feste Rituale, sie fernzuhalten, zu besänftigen und den Frieden mit ihnen zu stabilisieren. Dazu zählen Opergaben, Grenzwachen und die Verbannung alles roten, denn Rot ist die „forbidden color“, die die Kreaturen anlockt. Einzig der verrückte Noah wagt sich von den anderen unbemerkt in den Wald und stiehlt dort rote Beeren. Sein Freund Lucius ist von dem Gedanken beseelt, den Wald zu durchqueren, um die längst aufgebrauchten Medikamentenvorräte durch Besorgungen aus der Stadt aufzufrischen. Doch die Dorfältesten sind dagegen. Als er gegen ihren Rat dennoch den Wald betritt, überfallen die Kreaturen kurz darauf das Dorf. In der allgemeinen Notlage kommen sich Lucius und die blinde Ivy näher. Als beide kurz darauf ihre Heiratsabsichten bekannt geben, wendet sich der eifersüchtige Noah gegen Lucius und sticht ihn mit einem Messer nieder. Nun werden neue Medikamente dringender denn je benötigt und Ivy erwirkt bei den Dorfältesten die Passage durch den Wald.
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Hibbedihop
Ladykillers, USA 2004, Joel und Ethan Coen
Ein Coenstoff par excellence sollte man meinen: 1955 inszenierte Alexander Mackendrick mit Ladykillers einen ewigen Weihnachtsklassiker, in dem sich eine Schar skurriler Krimineller, angeführt von einem um Leib und Seele spielenden Sir Alec Guiness, bei einer naiven, britischen Teeoma einquartieren, um sich dort, wie sie sagen, in der hohen Kunst der Kammermusik zu üben. In Wahrheit nutzt man die Wohnung natürlich als Versteck, um dort aus einen pfundschweren Coup zu landen. Das Vorhaben gelingt zunächst, doch steht die Oma mit ihrer beschaulichen Gutmütigkeit dem erfolgreichen Beschluss schließlich im Wege. Die Seniorin muss aus dem Weg geschafft werden, darin sind sich alle einig, doch bringt keiner der Ganoven es übers Herz, die Tat auch zu vollstrecken. Misstrauen und Gier richten schließlich das Verbrechen gegen die Verbrecher selbst, bis keiner mehr am Leben ist. Bis heute gilt der atmosphärisch fotografierte, witzige Film als Meilenstein der Komödienkunst und genießt vollkommen zurecht seinen überwältigenden Ruf, den er alljährlich in der besinnlichsten Zeit des Jahres auf irgendeinem dritten Kanal unter Beweis zu stellen vermag.
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Wir sind die Roboter
Ein Topos so alt wie die Science Fiction selbst – der von der belebten Maschine – ist immer noch einer der produktivsten. Jede ästhetische Epoche entwirft ihre denkenden und fühlenden „Maschinen“ (vom Golem bis zu Data) und stellt sie den Menschen mal zur Seite, mal gegenüber, um zu testen, wie es um die Menschlichkeit bestellt ist. Roboter und Cyborgs, wie in „Blade Runner“ oder „Artificial Intelligence“ fordern nicht nur das Mitgefühl angesichts ihrer auswegslosen Lage als Maschinen-Menschen heraus, sie werfen auch die Frage auf, ab wann der Apparat Rechte hat und ob das nun seine eigenen Rechte (die seiner „Spezies“) sind oder unsere.
Liebe in Zeiten des Hasses
Silent Waters beginnt als schöner Film. Er spielt 1979 in Pakistan: Der junge Saleem, der nach dem Tod seines Vaters von seiner Mutter Ayesha allein erzogen wird, ist verliebt in Zubeida. Sie neckt ihn und zeigt sich selbstbestimmt: Nach Islamabad will sie, studieren und Saleem soll mitkommen. Im kleinen Ort Charkhi ist nämlich die einzige Perspektive für Saleem: Bauer werden. Als jedoch eines Tages zwei muslimische Agitatoren nach Charkhi kommen, ändert sich das. Viele junge Männer schließen sich ihnen und ihrer Forderungen nach einem Gottesstaat an. Sie fordern, dass der bislang gemäßigt praktizierte Islam endlich radikal ausgeführt wird. Dazu gehört, dass sich die Frauen verhüllen und dass die Jahr für Jahr aus dem Nachbarland Indien zu ihren heiligen Stätten in Charkhi pilgernden Sikh ihren (Un)Glauben nicht mehr öffentlich praktizieren dürfen. Saleem schließt sich den Eiferern an, nachdem ihn ein Freund gegen die Emanzipationsbestrebungen Zubeidas aufgestachelt hat. Zuerst erschöpft sich der Radikalismus der jungen Leute darin, Reden zu halten und zu hören. Doch als überall im Land die Anstrengungen für eine Revolution laufen, verändert sich auch das Leben in Charkhi. Diese Veränderung gipelt schließlich in Unterdürckung und Gewalt, als die Sikh in den Ort kommen und Saleems Mutter Ayesha von ihrer „ungläubigen“ Vergangenheit eingeholt wird.

