Find the hidden clues!

Filmische Computerspiel-Adaptionen sind en vogue! Das neuartige Genre „Computerspiel-Film“ hat mit der Umsetzung von „Resident Evil“ (1996/2002) einen frühen Höhepunkt erreicht und die Tatsache, dass selbst wenig begabte Regisseure wie Uwe Boll mit Filmen wie „House of the Dead“ (1998/2003) und „Alone in the Dark“ (1993/2005) einen Treffer nach dem Anderen landen, zeigt, dass Hollywood großen Bedarf an Umsetzungswilligen hat. Doch wie kaum ein anderes Medium sperrt sich das Computerspiel gegen seine Nacherzählung im Film – selbst proto-filmische Games wie „Silent Hill“ (1999) können als Film (2006) ihre Herkunft nicht ganz leugnen.

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Der Feind in meinem Kopf

Zwei neue Filme über die Erschütterung der „inneren Sicherheit“

„Die einzige typische, d. h. regelmäßige Darstellung der menschlichen Person als Ganzes ist die als Haus“, schreibt Siegmund Freud 1916/7 in den „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“. Am Motiv des Hauses als kultureller Metapher kristallisieren sich Vorstellungen von Geborgenheit und Privatheit wie auch Ängste vor dem Außen und der „Unheimlichkeit“.
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Lebenssehnsucht im Todeszug

Die Diskussionen darüber, ob der Holocaust zum Gegenstand eines kommerziell ausgerichteten Massenkinos werden darf, wurden spätestens mit "Schindlers Liste" eröffnet. Seitdem reißt die Kette der groß angelegten Filmproduktionen, die der Betroffenheit, die dieses Thema beim Zuschauer auszulösen vermag, den unterhaltenden Aspekt abzugewinnen versuchen, nicht ab. "Der letzte Zug" erinnert zwar in seinem Plot und dem Setting an ein engagiertes Dokudrama, erweist sich aber recht bald als ein brutaler klaustrophobischer Thriller, der die Spannung mittels melodramatischer Elemente aufrechterhält und bisweilen fast ins Unerträgliche steigert.  „Lebenssehnsucht im Todeszug“ weiterlesen

Die Magie des Rituals

Das verschmitzte Lächeln der schönen Königin, die den hoch stilisierten Bilderreigen des Films eröffnet und zu einem seiner visuellen Leitmotive wird, ist das ironische Lächeln der Postmoderne, die ihre Geschichten immer mit relativierenden Einführungszeichen versieht – ganz besonders, wenn dabei ganz große Geschichte im Spiel ist. Im Mittelpunkt von "Marie Antoinette" steht zwar das dekadente Hofleben am Vorabend der Französischen Revolution, es geht aber nicht darum, den übergreifenden historischen Zusammenhängen auf die Spur zu kommen.

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Der Terror der Ökonomie

Godzilla ist aus dem japanischen Kino eigentlich kaum wegzudenken. In mittlerweile insgesamt 28 Filmen kann man der durch einen Atombombenabwurf entstandenen Riesenechse dabei zusehen, wie sie Tokio platt trampelt, andere Gummimonster in die ewigen Jagdgründe schickt, den Tag rettet und am Ende wieder zurück ins Meer wankt. „Der Terror der Ökonomie“ weiterlesen

Formelhaft

Der Waisenjunge Jinha und Sullie, die Tochter eines Mongolenfürsten, sind füreinander bestimmt. Schon im zarten Kindesalter entflammt die Liebe zwischen den beiden und auch die durch den Vater Sullies herbeigeführte Trennung kann das Band zwischen den beiden nicht zerreißen. So vergehen die Jahre, in denen Jinha lernt, dass er dazu bestimmt ist, eine alte Schwertkunst am Leben zu halten, seine Eltern zu rächen und eben seine große Liebe zurückzuerobern … „Formelhaft“ weiterlesen

Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Belgier zur Paarungszeit

Die Situation ist fast schon standardisiert: Ein junger Mann aus der Großstadt fährt mit seinem Auto über’s Land und erleidet eine Panne. Er schlägt sich bis zum nächsten Gasthof durch, wo man ihn bereitwillig aufnimmt und ihm zu helfen verspricht. Die Hilfe wird jedoch immer wieder verzögert und als der Mann sich schließlich allein auf den Weg machen will, wird er überwältigt und als Geisel genommen. Diese aus zahlreichen Redneck- und Backwood-Filmen bekannte Erzählkonstruktion bekommt im belgischen Film „The Ordeal“ eine beängstigend-groteske Steigerung.

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Die Methode des Wahnsinns

In Brian De Palmas Filmen geht es immer um die Besessenheit und ihr Objekt – nicht selten eine geheimnisvolle und gefährliche Frau. Nicht umsonst tauchen diese beiden zentralen Elemente seiner Filme in Form von Filmtiteln bei ihm auf: „Obsession“ (deutscher Titel „Schwarzer Engel“) und eben „Femme Fatale“. „Die Methode des Wahnsinns“ weiterlesen

»Eben hast du mich in die Hölle gebracht«

Wie zwiespältig die dokumentarische Annäherung an kriminalistische Themen ist, zeigen nicht wenige Filme, die unter dem Banner der objektiven Berichterstattung segeln und sich ihrer Verwickeltheit und ihres Einflusses auf den Gegenstand gar nicht selbst bewusst sind. Er jüngst hat der deutsche Hochstaplerfilm „Mein anderes Leben“ gezeigt, wohin solch ein Vorgehen führt: undifferenzierte Glorifizierung des Gegenstandes und die Auf- bzw. Abgabe der souveränen Erzählposition an das Objekt der Erzählung. Der deutsche Autoenfilmer Peter Fleischmann vermeidet in seinem neuesten Werk „Mein Freund der Mörder“ nicht nur diesen Fehler, sondern liefert auch gleichzeitig eine Reflexion darüber, wie Film ein auf den ersten Blick unpolitisches Sujet durch radikale Subjektivierung in einen politischen Beitrag verwandeln kann.
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Harry Potters Analytiker

Robbie Coltrane ist Dr. Eddie Fitzgerald, ein spielsüchtiger, kettenrauchender und äußerst trinkfester Psychologe, der neben der ihn nicht ausfüllenden Dozenten- und Therapietätigkeit der Polizei von Manchester mit seinen profunden Analysen tatkräftig zur Seite steht. Die Fälle, zu deren Aufklärung er hinzugezogen wird, haben meist mit sexuell motivierten Verbrechen zu tun: Lustmörder, Vergewaltigungen, Kindesmissbrauch. „Harry Potters Analytiker“ weiterlesen

Horror-Lyzeum

Der amerikanische Regisseur Lucky McGee interessiert sich in seinen Filmen für adoleszente Mädchen – das wird nach „May“ (2002) spätestens mit seinem neuen Film „The Woods“ deutlich. Doch anders als im Erstling, der das grausige Psychogramm einer in sich zurück gezogenen Arzthelferin beschrieb, ist die Protagonistin aus „The Woods“ extrovertiert: In Worten wie Taten aggressiv lehnt sich Heather (passend besetzt mit Agnes Bruckner) gegen jede Instanz auf, die sie formen oder erziehen will, seien es die Eltern, die Lehrer oder zickige Mitschülerinnen.
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»Let’s create Memories«

Es müsste der Verlockung, Menschen ins Meer zu werfen, um daraus dann eine spannende Filmerzählung zu konstruieren, endlich einmal widerstanden werden. Doch sie scheint zu groß, bietet eine solche Situation doch eine (alp)traumhafte Möglichkeit Konflikte zu beschreiben, den Kampf des Menschen gegen die Übermacht der Natur zu inszenieren und dem Reiz eines natürlichen minimalistischen Settings nachzugeben, dass die ersten beiden Möglichkeiten noch zu unterstreichen scheint. Schon im vergangenen Jahr hat der Film „Open Water“ gezeigt, dass gerade diese Konstellation mit ihrem „Weniger“ viel mehr vom Filmemacher verlangt, als es auf den ersten Blick scheint. „Open Water“ ist nicht nur an seinem schlechten Drehbuch und der klischeebeladenen Charakterentwicklung gescheitert, sondern letztlich auch an seinem eigenen Anspruch: „Dieser Film basiert auf einer wahren Begebenheit“, kündigte er an und warf damit selbst die Frage nach der (unmöglichen) Zeugenschaft für eine solche Geschichte auf.
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Space Invaders

Glaubt man dem jüngeren Horrorkino, ist alles östlich der Oder „No-Go-Area“ – zumindest für westliche Touristen und Kolonisten: „Hostel“ hat vorgemacht, was kurze Zeit später in „Severance“ nachgemacht und nun im französischen Horrorthriller „Them“ wieder aufgegriffen wurde. Im Osten herrscht Korruption, Barbarei und moralische Depravation, menschliches Leben ist nichts wert und für Geld tut man alles. Warum sich diese falschen Vorurteile so erfolgreich in Filmplots übersetzen lassen und ihre westlichen Zuschauer erschrecken mag vielleicht im Aufwärmen eines jahrzehnte alten Feindbildes liegen. Doch zumindest in „Them“, der einen kleinen Aspekt aus „Hostel“ breiter auswalzt, kommt noch ein anderes Film-Motiv hinzu: die paradoxe Angst vor dem Nachwuchs.
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Wiederholungen sind die Hölle

In einer Folge „Ex Post Facto“ (dt. „Die Augen des Toten“) der Serie „Star Trek – Voyager“ (1995) wird eine Zivilisation vorgestellt, die die ultimative Strafe für Mord gefunden hat: Dem Mörder werden durch einen neurologischen Eingriff die letzten Erinnerungsmomente des Opfers implantiert, die er von nun an bis zu seinem Lebensende im Abstand von 14 Stunden immer wieder gedanklich durchleben muss. Ziel der Strafe ist es, das zugefügte Leid für den Täter erfahrbar zu machen und auf diese Weise für „ausgleichende Gerechtigkeit“ zu sorgen. Der Verurteilte mag diese Bestrafung als Hölle empfinden, der er nicht mehr entkommen kann – und in der Tat hat der Aspekt der „ewigen Qual“, der dahinter steht, seine Wurzeln in der Höllenvorstellung des christlichen Abendlandes – auch dort ist die Hölle ein Ort, an dem Bilanz für die Sünden des Lebens gezogen wird.
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Die Ins-Loch-Geworfenheit

Der Existenzialismus als Loch-Parabel

Zugegeben: Manchmal leidet man als akademischer Filmzuschauer an einer gewissen deformation professionelle, die allzu bereitwillig angelesenes Theoriewissen in gesehenen Filmbildern wiederzuentdecken glaubt. Oft genug verhilft eine solche verkopfte Lesarbeit aber auch zu überraschenden Koinzidenzen – beispielsweise möchte man fast meinen, ein Film wie „Hole“ habe sich der Vermittlung französischer Philosophie der 1940er/50er Jahre verschworen, zumal der Protagonist die Parabelhaftigkeit seines Erlebnisses auch noch ausformuliert: Auf jeden wartet irgendwo ein Loch, dem er zu entrinnen versucht, dessen Ränder er jedoch genauso wenig erreicht wie das Wissen darüber, warum er überhaupt hineingefallen ist.
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Wünsch dir was!

Am Anfang war tatsächlich das Wort. Besser gesagt: das Stichwort, das die Regisseurin Valeska Grisebach für ihre vorbereitende Recherche zum Film verwendet hat. In einer Reihe von Interviews mussten Männer und Frauen die Frage nach ihren unerfüllten Träumen und Wünschen beantworten, wobei all das, was man unter dem Begriff "Sehnsucht" versteht, zum Vorschein kommen sollte.

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Alive and Smoking

Zu den streitbarsten Themen der letzten Jahre gehört zweifellos der Nichtraucherschutz. Dass das so ist, liegt nicht etwa daran, dass die Gefahren des Tabakrauchs unbekannt wären, sondern vielmehr in den ökonomischen und rhetorischen Fußangeln, in denen sich das Lager der “Pro” und das der “Contra” beständig verfangen. Jede Studie, die versucht, die Schädlichkeit des Rauchens emprisch zu belegen, erfährt innerhalb kürzester Zeit eine Gegenstudie, die die Ergebnisse oder zumindest die Schlüsse aus den empirischen Daten anzweifelt. Für beide Seiten arbeiten hochrangige Wissenschaftler und schon allein daran zeigt sich, dass die Wahrheit zu diesem Thema auch etwas mit der Perspektive (und damit mit fiskalischen Interessen) zu tun zu haben scheint. Zuguterletzt sind es dann vor allem die Marketingstrategen der Tabakindustrie, die versuchen, die kritischen Stimmen rhetorisch zum Schweigen zu bringen. Wie diese Mechanismen ineinandergreifen, kann man nun in Jason Reitmans sarkastischer Komödie “Thank you for smoking” miterleben.
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Wissen ist Gott

Der indische Film hat sein Pforten für den Westen geöffnet. Die größte Filmnation der Welt wird derzeit vom Kino, mehr aber noch vom DVD-Markt exploriert und westlichen Zuschauern zugänglich gemacht. Doch es sind zumeist kitschige Melodramen mit Gesangseinlagen und andere Genrefilme, die vom Subkontinent kommen. Politisches indisches Kino ist selten. Umso mehr erfreut es, wenn ein Film wie “Water”, der sich mit der politischen Vergangenheit und den Menschenrechten auseinandersetzt einen Kinostart in Deutschland bekommt.

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Autos mit Arschgeweih

Es geht um Kurven und Geraden, das macht „Cars“-Regisseur John Lasseter schon sehr früh klar: Er zeigt seinen Helden, den Rennwagen Lightning McQueen, auf der Reise nach Kalifornien, zum Abschlussrennen des „Piston Cup“. Der Interstate 40, auf dem Lightning fährt, ist schnurgerade, eben die kürzeste Verbindung zweier Punkte, und Lasseters virtuelle Kamera offenbart, dass das nicht natürlich ist: Einmal zeigt eine Vogelperspektive, wie sich unter der Straße ein Fluß dahinschlängelt, eine Einstellung später dann sieht man, wie für den Interstate eine Schneise in einen Hügel gebrochen wurde. Der Soundtrack spielt dazu „Life is a Highway“ von Rascal Flatts.

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