Remake des, zumindest international, gleichnamigen Films von Lina Wertmüller aus dem Jahr 1974: Tony (Bruce Greenwood), ein überaus reicher Funktionär der Chemiebranche, mietet für sich und seine nicht minder wohlhabenden Freunde aus den USA einen zur Yacht umfunktionierten Kutter für einen Urlaub auf dem Mittelmeer. Seine Gattin Amber (Madonna) ist dabei ganz besonders zickig und großkotzig, macht vor allem dem jungen Matrosen Giuseppe (Adriano Giannini, in der Rolle seines Vaters aus dem Original) die Arbeit auf dem Schiff zur Hölle. Wie das Drehbuch es so will, stranden beide nach einem vermeidbaren, durch Ambers bornierter Dummheit aber geradezu provozierten Zwischenfall auf einer einsamen Insel. Dort wird der Spieß genüsslich umgedreht: Vollkommen von Giuseppes Know-How, in der Wildnis zu überleben, abhängig, erduldet Amber so manche Lektion in Sachen Demut. Selbstverständlich aber – wer hätte nach unzähligen, teils äußerst groben Erniedrigungen und einer Nahezu-Vergewaltigung daran auch Zweifel – verliebt sich Amber in Giuseppe und umgekehrt. Das vormoderne Paradies auf Erden scheint nunmehr entdeckt, man liegt am Strand, aalt sich in der Sonne, vögelt durch die Wildnis, sagt sich liebe Worte und ist im wesentlichen ganz und gar bei sich. Als ein Schiff in der Bucht auftaucht, schlägt Amber das Versteck vor, doch Giuseppe besteht auf den wahren Beweis ihrer Liebe: Beruht ihr gemeinsames Glück nur auf den Bedingungen der besonderen Situation oder haben beide auch in Ambers Welt eine Chance auf die große Liebe?
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About Schmidt
About Schmidt macht unumwunden Spaß, soviel ist sicher, und Nicholson fährt alle Register seines Könnens auf, legt eine one-man-show hin, die einmal mehr seinen Ruf als einen der größten Schauspieler unserer Zeit zementieren und ihm unter Umständen sogar den 4. Oscar seines Lebens einbringen wird. Schön, dass nicht alle Ikonen der Zunft, im Gegensatz zu Robert de Niro etwa, ihre Reputationen im fortgeschrittenen Alter zusehends verspielen.
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… und die Hölle auf Erden
Es gibt Menschen, die halten Filme von Douglas Sirk für seichte, schwülstige Melodramen, für Heulkino der übelsten Sorte. In seinem 1955 entstandenen Film „All That Heaven Allows“ (mit Jane Wyman und Rock Hudson in den Hauptrollen) erzählte Sirk die Geschichte der reichen Witwe Scott, die sich in einen viel jüngeren Mann verliebt, einen Gärtner. Nachbarn, Freunde, Bekannte, ihre ganze soziale Umgebung reagiert mit Aggression, Intrige, Druck. Sirk thematisierte in diesem Film, wie Verhalten, das nicht in die sozialen Normbereiche integriert ist, mit aller Gewalt bestraft wird. Vor allem aber tauchte Sirk seine Filme in Emotion. Das heißt, er ließ die Emotionen und die damit verbundenen Handlungen seiner Figuren die Szene beherrschen. Ein Melodrama der besonderen Art war geboren oder vielleicht nur weiterentwickelt.
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The Legend Of Gingko
Der Name deutet es bereits an, episch soll es in THE LEGEND OF GINGKO zugehen, episch und, wie wir gleich im Vorspann erfahren, nationalmythisch. Von zwei Völkern ist dort die Rede, den Hawks und den Volcanos, deren Schicksale im völkisch-historischen Sinne vom Gott eines heiligen Berges gelenkt werden. Hierbei haben die Hawks, ein elend böse gezeichnetes Grüppchen, als vom eigenen Land und Boden Vertriebene klar den kürzeren gezogen, wohingegen es sich die Volcanos, ganz klar auch die Sympathieträger des Films, ganz heimelig einrichten durften. Doch noch besteht Hoffnung für die Hawks, spricht doch die Prophezeiung davon, dass der Fluch, der über ihnen liegt, gebrochen werden kann. Und zwar dann, wenn – Samenraub ist auch in archaischen Zeiten groß in Mode – dem König der Volcanos von der Königin der Hawks ein Kind abgerungen werden kann und dieses während einer Mondfinsternis im Tempel der Hawks geopfert wird. Dann springe die Seele des Kindes auf das „Schwert des Himmels“ über, mit welchem nicht nur der Gott des heiligen Berges besiegt, sondern auch der Fluch gebannt und zusätzlich die Volcanos auch noch ausgelöscht werden können. Ganz so glatt geht das natürlich nicht über die Bühne, denn der Säugling, die kleine Vee, wird während des Zeremoniells in letzter Sekunde von ihrem Vater gerettet und in einem Dorf vorm Zugriff der Hawks versteckt. Jahre später, Vee ist mittlerweile zu einer jungen Frau heranwachsen, geben die Hawks natürlich noch immer keine Ruhe: eine neue Mondfinsternis naht, die Klauen werden erneut ausgestreckt. Dass sich gleich zwei der jungen Volcanokämpfer in Vee verlieben, dass Vee zudem durch einen selbstgewählten Opfertod die Volcanos retten könnte, macht die Sache zunehmend verstrickter – das Schicksal der beiden Völker lässt sich nur im Schicksal der Liebenden fortschreiben.
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Endlich!
Welch eine bewegte Geschichte: bereits in den Sechzigern geplant, immer wieder verschoben, von Produzenten verworfen, weiter und weiter konzipiert, immer wieder angekündigt, stets präsent, bis endlich – endlich! – in den späten Achtzigern in Italien unter äußerst zweifelhaften Produktionsbedingungen die erste Klappe fallen konnte. Ein Kind, geboren aus Leidenschaft und totaler Hingabe. Kinskis persönlichster Film, sein Vermächtnis, den eigenen Tod vorausahnend, an die eigene Biographie angelehnt, diese dennoch mythisierend, all das und darüber hinaus ein Stück europäischer Filmgeschichte. Entstehen konnte der Film, dessen war sich Kinski sicher, nur in Italien, jene Filmnation mit einer ganz eigenen Affinität zum Film und dessen Schaffungsprozess. Und in der Tat: der Film wirkt wie das in einem einzelnen Produkt kulminierte europäische Kino der 60er bis 80er Jahre: klassischer Autorenfilm, der Trash-Appeal der goldenen Ära der Co-Produktionen von Franco über Wendtland hin zu Joe D’Amato, Softpornographie, manische Kunst, all das in einem vereint. Ein Abgesang gewissermaßen – dass er Venedig, irgendwie immer auch Sinnbild des alten Europas, wie kaum ein zweiter Film in Szene setzt passt da nur zu gut.
Ein Film, der in sich solch bewegte Geschichte vereint, hat es eigentlich kaum noch nötig, eine eigene zu erzählen. Warum auch, wofür? Alles an diesem Film ist bereits Legende, bedient sich klassischer Stoffe, verhandelt Mythen neu. Paganini, Kinski, die europäische Kino-Tradition, Venedig, Musik als Aphrodisiakum, der Künstler gegen die Wächter der Moral, der Künstler, der sich selbst für seine Passion zugrunde richtet – eine Ausformulierung ist nicht nötig, es reicht das Zitat, die Andeutung, das Zeichen. Auf was es ankommt, ist das Verschmelzen dieser Zeichen und nicht deren kohärente Einbettung in ein narratives Ganzes. Klassisch erzählt wird wenig in diesem Film, er versteht sich eh als Akt der Selbstinszenierung der Zwitterpersönlichkeit Kinski-Paganini, die dem Film seinen Namen gab, als ausgeschmücktes Bild – ein Panorama mit Details, Bildnis einer Persönlichkeit im Widerstreit mit ihren eigen Lüsten, den Widrigkeiten und den Leidenschaften.
Nun ist der Film Jahre später nun auch endlich – endlich! – auch regulär in die Kinos gekommen, eine Auswertung auf VHS wurde ihm ebenfalls – einem passionierten Kinski-Anhänger sei Dank! – gegönnt. Die Fans und Anhänger Kinskis pilgerten zuhauf in die Kinos, kauften die Edition – ein Stück traurige Filmgeschichte wurde wieder gut gemacht. Obwohl ein kleiner Stich geblieben ist: die „versione originale“, wie Kinski seinen eigenen, persönlichen Cut zu nennen pflegte, galt als verschollen, unauffindbar, auf ewig verloren. Das, was in den Kinos zu sehen gewesen war, war lediglich die von den Produzenten entschärfte und umgeschnittene Fassung des Filmes. Besser als nichts, zugegeben, und auch in dieser Fassung wirkt KINSKI-PAGANINI noch immer als das opulente Gemälde, das es ist, noch immer lebt der Film von der ungeheuren Präsenz Kinskis, die in diesem Film wie in kaum einem zweiten zu spüren ist, doch der krönende Abschluss der langen Odyssee dieses Ausnahmefilms ist es (noch) nicht gewesen und sollte auch weiterhin auf sich warten lassen.
Doch vor kurzem war es dann soweit, eine kleine Sensation machte die Runde in der Filmwelt: In Kinskis umfangreichem Nachlass wurde doch in der Tat noch eine erhaltene Arbeitskopie der „versione originale“ gefunden, komplett geschnitten und mit Ton unterlegt – ein Schatz der Filmgeschichte, der erfolgreich geborgen wurde. Eine Auswertung auf DVD, eh schon lange fällig, bot sich da nur noch dringender an. Jedoch scheint die Odyssee symptomatisch für diesen Film zu sein, interessierten sich doch immer wieder Labels für den Film, sprangen aber – oft wegen geringfügiger Kleinigkeiten wie Differenzen hinsichtlich der Covergestaltung – wieder ab. Mit spv hat sich nun ein noch unbeschriebenes Blatt in der Welt der DVD-Labels gefunden, welche der langen Reise dieses Films nun endlich – endlich! – ein würdiges Ende bereitete: seit 03. Februar liegt KINSKI-PAGANINI auf DVD vor. Ungeschnitten. Und in der „versione originale“. Wenige Wörter, sicherlich, doch erzählen sie viel von Passion und der Crux eines unvergleichlichen Künstlers.
Es ist ein schönes Set geworden, das kann man vorab festhalten. Neben dem lange schon herbeigesehnten Kinski-Cut befindet sich auf der ersten dieser zwei DVDs die reguläre Kinofassung – interessant, ja, danke auch, aber die kennt man schon, also weiter! Das augenscheinlichste an der „versione originale“ ist die geänderte syntaktische Struktur des Filmes – so beginnt der Film schon mit komplett anderen Sequenzen als die bisher bekannte Fassung und besticht auch im weiteren Verlauf durch eine andere Montage der einzelnen Elemente. Ferner ist sie um ca. 12 Minuten länger, ergänzt durch expliziteres Material, das Kinskis künstlerische Manie, seinen Willen, ein umfassendes Portrait seiner eigenen Dämonen, die ihn ritten, auf die Leinwand zu zaubern, noch drastischer und intensiver zu illustrieren weiß. Doch bei aller Freude, die die schlussendlich ermöglichte Verfügbarkeit dieser Schnittversion bereitet, muss auch gesagt werden, dass es sich hierbei um eine Auswertung einer Arbeitskopie handelt, die gewohnten Bild- und Tonstandards natürlich beileibe nicht das Wasser reichen kann. Da es sich aber vermutlich um die einzige Möglichkeit handelt, den Film überhaupt in der vom Schöpfer konzipierten Version zu sehen, sollte dieser Aspekt kaum eine Rolle spielen – der filmhistorische Gewinn übertüncht solch Kleinigkeiten mit Leichtigkeit. Schade nur, dass spv der „versione originale“ – aus welchen Gründen auch immer – keine deutsche Untertitelung gegönnt haben, wohingegen doch die Kinofassung – eine deutsche Synchronisation liegt nicht vor, eine nachträglich angefertigte wurde uns zum Glück ebenfalls erspart – mit einer solchen aufwarten kann. Die altbekannte Version liegt indes in einer absolut befriedigenden Bild- und Tonqualität vor, wenn auch die Möglichkeiten einer DVD nicht vollends ausgereizt wurden.
Auch was die Extras angeht, werden die zahlreichen Anhänger Kinskis reich belohnt: mit „Gewaltig – Erinnerungen an Klaus Kinski“ bekommt man einen netten, anekdotenreichen Einblick in die Bedingungen der Produktion von KINSKI-PAGANINI, eine schöne Bildergalerie mit allerlei seltenen Aufnahmen und Erinnerungsstücken sowie den Original-Kinotrailer präsentiert. Auf der DVD der „versione originale“ befinden sich als Bonus knapp 50 Minuten Rohmaterial, welches zum Teil in keiner der beiden vorliegenden Versionen Verwendung fand oder umgeschnitten ist. Mit „Kinski dreht Paganini“ gibt es ferner eine Art Making Of, das seinen Namen im Gegensatz zu den meisten anderen Vertretern dieses Genres auch in der Tat verdient. So erhalten wir in knapp 50 Minuten vielfältige Eindrücke von den Dreharbeiten und erleben den Schaffungsprozess – unter anderem Kinski auch an der Kamera – dieses außergewöhnlichen Filmes mit. Auf einen altklugen Kommentar oder ergänzende Hinweise wurde verzichtet, die Bilder und Impressionen sprechen für sich und Kinskis Arbeitsweise am Set. Die legendäre, wenn auch sehr kurze Pressekonferenz in Cannes, in der Kinski das Gremium des Festivals wüst wegen deren Verweigerung, KINSKI-PAGANINI ins Festivalprogramm aufzunehmen, beschimpft, rundet die DVD gelungen ab.
Unterm Strich herrscht Begeisterung. Begeisterung für den Film, das sowieso, aber vor allem auch Begeisterung für diese filmgeschichtlich ungemein wichtige Edition der „versione originale“, die nun endlich – ich wiederhole mich ja nur ungern, aber dennoch: endlich! – ihren Weg in die weite Welt gefunden hat. Zum Glück waren Freunde des Kinski’schen Schaffens am Werk, so dass man mit dieser Edition eine im Gesamtbild vollkommen zu überzeugen wissende im heimischen Regal unterbringen darf. „Was mich interessiert ist, daß das Kinopublikum meinen Film sieht. Der Kampf um den Verleih meines Filmes wird nicht eher enden, als bis die ganze Welt Kinski Paganini sehen kann.“, schrieb Klaus einst im 3. Teil seiner Autobiographie „Kinski-Paganini“. Wenn es einen Himmel gibt, dann lächelt Klaus gerade. Es sei ihm gegönnt.
Kinski Paganini
Italien, 1988
Regie, Drehbuch, Schnitt: Klaus Kinski
Kamera: Pier Luigi Santi
Darsteller: Klaus Kinski, Nicolai Kinski, Debora Kinski,
Dalila Di Lazzaro, Tosca D’Aguino, Eva Grimaldi, u.v.a.
Bella Martha
Na, diesen Film, der aus der Fülle ähnlicher nett daher kommender Fernsehfilme nicht besonders hervorsteche, hätte man auch unter vielen im ZDF-Samstagsabendprogramm zeigen können, war damals in der örtlichen Presse zu lesen. Harmloses Geschichtchen mit ein bisschen Pasta? Sehenswert ist der Film allein schon wegen Martina Gedeck. Und was ist eigentlich gegen gute Samstagsabend-Fernsehunterhaltung zu sagen?
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Reise nach Kandahar
Regisseur Makhmalbaf musste sich bei der Vorstellung seines Films bei den Festspielen in Cannes im Mai 2001 noch fragen lassen, warum er ein so unwichtiges Thema wie Afghanistan für seinen neuen Film gewählt habe. Nach dem 11. September war das Land in aller Munde, und heute? Sicher findet man in der Presse und den Medien immer noch Meldungen, Berichte und Artikel zu Afghanistan. Aber sobald eine irgendwie geartete Friedensregelung für das Land greifen sollte …
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Nirgendwo in Afrika
Die Bilder dieses Films von Caroline Link erinnern wirklich oft an das 1985 gedrehte »Jenseits von Afrika« mit Meryl Streep, Robert Redford und Klaus-Maria Brandauer. Doch Caroline Link erzählt in eindrücklichen Bildern eine ganz andere Geschichte, und die auf dem Roman von Stefanie Zweig basierende Erzählung hat es ebenso in sich wie die Inszenierung.
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My Big Fat Greek Wedding
Romantische Komödien sind vertrackte Angelegenheiten – jedenfalls wenn sie aus der sehr eigenen, extraordinären Welt der Studios von Hollywood kommen. Da mühen sich Julia Roberts, Sandra Bullock und viele andere ab, und wir sind begeistert, gerührt, manchmal zutiefst enttäuscht. Zuletzt sorgte Reese Witherspoon in SWEET HOME ALABAMA (USA 2002) für die Aufrechterhaltung der ewigen Legende von der ewigen Romanze und trotz aller Zweifel, allen Realitätssinns, der uns danach beschleicht, bleibt doch der nicht unter zu kriegende Traum vom glänzenden Helden respektive der wunderschönen Heldin in unseren Herzen bestehen (Ende der Schwärmerei).
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„Der Inhalt eines Filmes ist ein anderer Film“
Die Geschichte, eine oft erzählte: Ein junges, etwas naives Mädchen vom Lande zieht es hinaus in die Welt, nach Hollywood um genau zu sein, wo sie den süßen Versprechungen gemäß ein großer Star werden möchte. Der Einstieg ist schnell gefunden, doch bald – nach einigen schlechten Engagements, die sie von einem zweifelhaften Film zum nächsten bringen – muss sie sich eingestehen, dass Hollywood eben nicht jene glitzernde Traumfabrik ist, sondern ein Moloch aus geldgeilen Regisseuren, schlechten Agenten und Intrigen. Ein Moloch, in dem die Unterschrift unter einem Vertrag beinahe schon mit dem Verkauf der eigenen Seele, zumindest aber mit einem Verzicht auf elementare Menschenrechte und die eigene Würde, gleichzusetzen ist.
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Hurra, Hurra – Die Schule Brennt …
Der Trashfilm unterliegt ganz eigenen Regeln und Konventionen. Ein kohärenter Plot, gut gezeichnete Charaktere und das versierte Einbeziehen filmischer Mittel zur Entwicklung der Erzählung gehören sicherlich nicht dazu. Trashfilme sind, vor allem im klassischen Exploitationkino, in der Regel durch und durch kommerzialisierte, schnell runtergekurbelte Filme mit geringem Budget, die streng auf einen ganz speziellen Markt – deswegen ja auch „Exploitation“ – zugeschnitten sind und normalerweise erst an 2. Stelle, wenn überhaupt, ein künstlerisches Projekt verfolgen. Von der hehren cineastischen Warte aus betrachtet wohl nichts als reine Zeitverschwendung, doch was interessiert den Filmfreund schon ein Elfenbeinturm, der sich eh nur durch reine Befindlichkeiten legitimieren lässt!
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„Marienhof“ als Dogmafilm …
Dogma ist zum Kult geworden. Manche können Filme mit der Handkamera nicht mehr sehen. Das ständige Gewackle geht ihnen auf die Nerven. Auch Out-Of-Dogma-Regisseure benutzen inzwischen diese Technik, um so etwas wie Realitätsnähe zu dokumentieren. Ein gelungenes Beispiel der letzten Zeit ist etwa Andreas Dresens HALBE TREPPE (D 2002), der mit digitaler Handkamera seine Typen aus Frankfurt an der Oder ablichtete. Gute Beispiele für dänische Dogma-Filme waren zuletzt etwa Lone Scherfigs ITALIENSK FOR BEGYNDERE (Italienisch für Anfänger, DAN 2000) und EN KAERLIGHEDSHISTORIE (Kira, DAN 2001) von Ole Christian Madsen. Dogmafilme müssen aber nicht nur mit der Handkamera gedreht werden. Filmen in Farbe und 35 mm sowie bei natürlichem Licht sind ebenso vorgeschrieben wie Filter und optische Tricks sowie Waffen und Mord im Film verboten sind. Dogmas müssen in der Gegenwart spielen und sich an realen Orten bewegen, ohne zusätzliches Bühnenbild oder hinzugefügte Gegenstände. Dogmas dürfen sich nicht einem Genre verschreiben. ELSKER DIG FOR EVIGT (Open Hearts, DÄN 2002) ist einer der letzten Dogmas, da sich das Sekretariat, das über die Zertifikate von Dogma-Filmen entscheidet, in Kopenhagen aufgelöst hat. Es folgen noch drei Filme zwei aus Spanien, einer aus den USA, dann ist Schluss mit Dogma.
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Onkel Sy meint es gut mit Dir!
„Privatleben“ ist nichts anderes als jene Sphäre von Raum, von Zeit,
wo ich kein Bild, kein Objekt bin. Verteidigen muss ich mein politisches Recht, Subjekt zu sein.
– Roland Barthes
Menschen, die ihrer Vergangenheit beraubt sind, scheinen die eifrigsten Fotonarren zu sein, zu Hause und in der Fremde.
Jeder, der in der Industriegesellschaft lebt, wird allmählich dazu gezwungen, mit der Vergangenheit zu brechen;
in einigen Ländern aber – etwa in Japan und den Vereinigten Staaten – hat dieser Bruch mit der Vergangenheit ein besonders starkes Trauma ausgelöst.
– Susan Sontag
Fotografieren heißt, sich das fotografierte Objekt aneignen.
Es heißt sich selbst in eine bestimmte Beziehung zur Welt zu setzen, die wie Erkenntnis – und deshalb wie Macht – anmutet.
–Susan Sontag
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Capri c’est fini
Wie eine Seismograph erkundet Caroline Champetiers Kamera 100 Minuten lang Jeanne Moreau und Aymeric Demarigny in ihrem Spiel der Schriftstellerin Marguerite Duras (1914-1996) und ihres wesentlich jüngeren Freundes Yann Andréa, unterbrochen nur von den warmen Bildern des sommerlichen Meeres, Himmels, der Landschaft und den Häusern des Badeortes Trouville, in dem beide 16 Jahre lang – zwischen 1980 und dem Tod der Duras am 3.3.1996 – gemeinsam ihr Leben verbrachten. Die französische Regisseurin Josée Dayan konzentriert sich auf das Verhältnis dieser beiden; andere Personen spielen in ihrer Annäherung an diese Beziehung keine Rolle.
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How the fuck can I be white, I don’t even exist
Schon wieder einer, der singt, und glaubt schauspielern zu können / zu müssen? Schon wieder eine Hollywood-reife Verballhornung einer Realität, die doch so ganz anders ist? Schon wieder? Britney Spears hat sich blamiert. Mariah Carey hat sich noch mehr blamiert – und jetzt Marshall Mathers, der sich selbst Eminem nennt und den White Trash in die angepasste Glamourwelt und die seichten, weil konfliktfreien Zonen einer Filmwirtschaft hebt, wo er nichts anrichten kann? Ich habe keinen Bezug zu Eminems Musik und auch keinen zu Rap und Hip Hop. Aber irgendwie beschleicht mich ein ungutes Gefühl, wenn ich beispielsweise in einer Filmkritik in der „Frankfurter Rundschau“ lese, es gehe in diesem Film um die Welt der „Habenichtse“, während der Artikel gleichzeitig um eine Beurteilung des Films herumschwirrt wie die Motten ums Licht.
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Nur einer kann überleben …
Je weiter die Handlung eines Films in der Zukunft angesiedelt ist desto „näher“ liegt seine Erzählung oft an der gegenwärtigen sozialen Wirklichkeit. So war es immer schon ein beliebtes Mittel engagierter künstlerischer Kritik, in einer Utopie jetzige Verhältnisse überspitzt in die Zukunft zu projizieren. Dieses Verfahren verschafft zum einen die für den Rezipienten notwendige szenische Distanz, um interpretatorisches Potenzial anzubieten und zum anderen eröffnet es Möglichkeiten zusammen mit der utopischen Misere auch gleich noch eine zukünftige Lösung anzubieten.
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Good Advice
Der Stoff ist altbekannt: ein zynischer Börsenmogul, Ryan Turner (Charlie Sheen) verliert nach dem größtannehmbaren, zudem auch noch selbtverschuldetem Unglück nicht nur, in eben dieser Reihenfolge, sein Vermögen, den Job, die Wohnung und seine Freundin Cindy (Denise Richards), nein, er erhält, aufgrund dieser Kettenreaktion wieder auf den Boden der Tatsachen, auf die nackte Existenz zurückgestoßen, auch eine zweite Chance, es im Leben ganz einfach besser zu machen. Diese besteht in der Kolumne zur Partnerschaftsberatung seiner nunmehr Ex-Freundin in einer eher schlecht als recht laufenden Tageszeitung, die er – nachdem die Ex Hals über Kopf mit Sack und Pack mit dem nächstbesten, so zahlungskräftigen wie –willigen Macker nach Brasilien durchgebrannt ist – unter Vortäuschen falscher Tatsachen übernimmt.
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Don’t look back
Filmserien haben einen Pruduktionsvorteil, der zugleich ihr Rezeptionsnachteil ist. Sie setzen auf das Prinzip „Kontinuität und Progression“: Das Sequel muss narrativ (in Filmkritiken gern „logisch“ genannt) an seinen Vorgänger anschließen und dabei dessen Erzählung so weiter spinnen, dass daraus etwas Neues entsteht. Was aber, wenn schon alle Vatiationen ausgeschöpft scheinen? Wenn die Handlung aufgrund der tradierten Muster, wie sie durch das Prequel (oder die Serie überhaupt) vorgegeben werden, in Ihren Möglichkeiten schon so weit reduziert ist, dass jeder Versuch der Fortsetzung gleichzeitig dazu verurteilt ist, Altes noch einmal aufzukochen? Mit diesem Problem kämpfen wohl am allermeisten die Serienkiller-Serien. Den Sujets von Friday the 13th, Helloween und Nightmare on Elstreet geht es dabei ähnlich wie ihren Killerfiguren: Sie können nicht in Frieden ruhen, weil immer irgendein ökonomischer Grund sie aus den Gräbern zerrt, um die Fans abermals an die Kinokassen locken zu können. Den Drehbuchschreibern kommt dabei die schwierige Aufgabe zu, eine Handlung, die das Prequel bereits (als Happy-End) abgeschlossen hatte, noch einmal wiederzubeleben.
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Ein sinnloses Spektakel
Der Tod von Laurie Strode zu Beginn des achten Halloween-Films wirkt wie eine Weissagung: Jamie Lee Curtis, die „Scream Queen“, muss nie wieder in einem der sicherlich folgenden Sequels spielen. Es sei denn, ein Regisseur käme auf die (dummdreiste) Idee, sie aus dem Jenseits wieder auferstehen zu lassen. Halloween – das war einmal, im wahrsten Sinn des Wortes, das war einmal ein exzellenter Horror, zumindest was den ersten, zweiten, vierten und vielleicht noch siebten Teil der Geschichte betrifft. Der Rest ist sozusagen fast ungenießbares Abfallprodukt. Für Teil 8 gilt dies nicht minder.
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Ein falscher Schritt folgt dem nächsten
Für Paramount gilt, was für alle Hollywood-Produktionsfirmen ungeschriebenes Gesetz ist: Irgendeine Art von Happy-End muss sein, wenn ein Regisseur die passende Werbung ergattern will. Und so hat Roger Michells („Notting Hill“ (USA 1999), „Persuasion“ (1995) ) neuer Film gleich zwei Happy-Ends – ein aus der Handlung resultierend glaubwürdiges und ein aufgesetztes. Da teilen ein weißer aufstrebender, vermögender Jung-Anwalt und ein zur unteren Mittelschicht gehörender schwarzer Versicherungsangestellter für einen Tag ihr Leben, einen Tag, der es in sich hat. Vor allem aber: Am Schluss müssen sie feststellen, dass zwar die Größe des Portemonnaies ihre Welten in vielem trennen mag, so gut wie alles andere aber nicht. Ein Unfall, der nicht nur zufällig passiert, sondern eine gewisse Logik in sich birgt, bringt beide zusammen, lässt sie aufeinander prallen, nicht nur ihre Autos, sondern auch ihre Probleme. „Changing Lanes“ ist kein Thriller, wie der Trailer vielleicht (bewusst) vermuten lässt, sondern ein Film über die Folgen der durch den Zusammenprall in Gang gesetzten Explosionskraft zweier Männer nach einer „Wegkreuzung“, ein Weg zurück, um möglicherweise vorwärtszukommen.
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