Ein komischer Vogel

Bevor 1919 das rote Kreuz auf blauem Grund Nationalwappen und -flagge Islands wurde, zierte ein Falke lange Zeit diese Insignien. Noch heute trägt die höchste Auszeichnung des Inselstaates den Namen „Falkenorden“. Ohne Zweifel kommt diesem Tier in Vergangenheit und Gegenwart Islands eine identitätsstiftende Bedeutung zu. Dass dieser Vogel den Titel für Fridrik Thor Fridrikssons jüngsten Spielfilm liefert, stellt also alles andere als eine nur handlungsbedingte Folge dar.
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Briefe eines Toten

Drei Jahre, nachdem in The Day After der nukleare Holocaust als erschreckendes Endzeitspektakel im TV inszeniert wurde, erscheint 1986 Briefe eines Toten – ein sowjetischer Film, unterstützt vom sowjetischen Kommitee gegen den Atomkrieg aus der Feder von Konstantin Lopushansky, Vyacheslav Rybakov und Boris Strugatsky (letzterer zusammen mit seinem Bruder Arkadi populärer Science Fiction-Autor, unter anderem des Romans Picknick am Wegesrand, der als Stalker in die Kinos kam). Wo The Day After versucht, das Undenkbare und – damals – doch so denkbar Nahe in Bilder diverser Einzelschicksale zu fassen, sind es bei Briefe eines Toten die Introspektionen eines Professors, der in der nuklearen Wüste einer zerstörten Großstadt lebt.
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I opened Pandora’s Box

Es soll Ereignisse in der Zukunft geben, die das Leben der Gegenwart allein dadurch, dass sie mit Sicherheit eintreten werden, nachhaltig beeinflussen können. Das weiß der erfahrende Science Fiction-Enthusiast nicht erst seit Back to the Future II. Der Film Terminator 3 – Rise of the Machines ist solch ein Ereignis. Monate vor seinem Erscheinen hat er die cineastische Gerüchteküche in allen Töpfen brodeln lassen; die Frage ging um, wie die Geschichte weiter erzählt würde, welchen Grad an Gefährlichkeit der Widersacher des T-101 dieses Mal aufbieten würde, wie sehr das Kino-Ereignis den ereignislosen Kino-Sommer erschüttern würde. Vorstellbar ist, das als Auswirkung auf dieses künftige Ereignis bereits vor Monaten Fan-Clubs Karten bestellt haben, Zeitschriften ihre Schwerpunktthemen fixiert haben und sich US-Soldaten im Irak auf den Besuch Schwarzeneggers gefreut haben. Der Terminator kommt aus der Zukunft …
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Ganz Zion tanzt den Lipsischritt

Das mittlere Kind, so heißt es, genießt am wenigsten von der elterlichen Zuwendung. Während das älteste und mittlerweile fast erwachsene Kind die Hoffnungen, die man in es gesetzt hat, schon sichtbar erfüllt (wer weiß: wäre es ein Versager geworden, hätte man vielleicht keine weiteren geplant) und das jüngste, vielleicht noch nicht geborene aber schon geplante, neues Elternglück verheißt, wird das Kind in der Mitte zu dem, mit dem sich keine großen Hoffnungen verbinden. Es ist einfach nur da – um eine Brücke zwischen dem Erstgeborenen und dem Nesthäkchen zu bilden. Was so als elterliches Selbstverständnis wohl allenfalls ein Vorurteil ist, scheit für Filmtrilogien nicht selten zuzutreffen. In Matrix Reloaded zeigen sich viele Probleme des mittleren Kindes.
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Nur einer kann überleben …

Je weiter die Handlung eines Films in der Zukunft angesiedelt ist desto „näher“ liegt seine Erzählung oft an der gegenwärtigen sozialen Wirklichkeit. So war es immer schon ein beliebtes Mittel engagierter künstlerischer Kritik, in einer Utopie jetzige Verhältnisse überspitzt in die Zukunft zu projizieren. Dieses Verfahren verschafft zum einen die für den Rezipienten notwendige szenische Distanz, um interpretatorisches Potenzial anzubieten und zum anderen eröffnet es Möglichkeiten zusammen mit der utopischen Misere auch gleich noch eine zukünftige Lösung anzubieten.
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Don’t look back

Filmserien haben einen Pruduktionsvorteil, der zugleich ihr Rezeptionsnachteil ist. Sie setzen auf das Prinzip „Kontinuität und Progression“: Das Sequel muss narrativ (in Filmkritiken gern „logisch“ genannt) an seinen Vorgänger anschließen und dabei dessen Erzählung so weiter spinnen, dass daraus etwas Neues entsteht. Was aber, wenn schon alle Vatiationen ausgeschöpft scheinen? Wenn die Handlung aufgrund der tradierten Muster, wie sie durch das Prequel (oder die Serie überhaupt) vorgegeben werden, in Ihren Möglichkeiten schon so weit reduziert ist, dass jeder Versuch der Fortsetzung gleichzeitig dazu verurteilt ist, Altes noch einmal aufzukochen? Mit diesem Problem kämpfen wohl am allermeisten die Serienkiller-Serien. Den Sujets von Friday the 13th, Helloween und Nightmare on Elstreet geht es dabei ähnlich wie ihren Killerfiguren: Sie können nicht in Frieden ruhen, weil immer irgendein ökonomischer Grund sie aus den Gräbern zerrt, um die Fans abermals an die Kinokassen locken zu können. Den Drehbuchschreibern kommt dabei die schwierige Aufgabe zu, eine Handlung, die das Prequel bereits (als Happy-End) abgeschlossen hatte, noch einmal wiederzubeleben.
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Anthropophagus

Der 1999 verschiedene italienische Regisseur Joe D’Amato gehört zu einem der hierzulande meistzensierten Filmemachern. Vier seiner Filme wurden in den achtziger Jahren in der BRD wegen Verstoßes gegen den § 131 des StGB bundesweit beschlagnahmt. Grund: Gewaltverherrlichung. Die hessische Filmproduktionsgesellschaft AstroFilm hat sich zum Ziel gesetzt, D’Amatos Filme und die anderer „verbotener“ Regisseure (Fulci, Romero., Argento, …) wieder auf Video zu veröffentlichen – und das oftmals in ungeschnittener Fassung und Originalsprache. Das ist ein löbliches Vorhaben, bedenkt man, welchen Bärendienst die Jugend-und Sittenschützer der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ uns mit der Beschlagnahme erweisen. Dass unter den 131ern aber nicht nur Meisterwerke, wie Romeros Day of the Dead oder Raimis Evil Dead zu finden sind, sondern auch allerhand Schrott, beweist der Re-Release des oben betitelten Anthropophagus.
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Animiert amüsiert

Natürlich ist es nicht wahr, dass sich Filme durch ihre Zuschauer zu diskreditieren oder profilieren vermögen. Gerade im Kino der Postmoderne hat es der Film gelernt, breitere Zuschauerschichten anzusprechen und weg vom rezipientenorientierten Kino (wie es sich z. B. in den zahllosen Eastern und Kung-Fu-Filmen der 70er und 80er Jahre gezeigt hat) eine Ästhetik mehrerer Ebenen zu entwickeln. Ein gutes Beispiel hierfür ist Toy Story 2. Viele Besucher hatte der Film an jenem Nachmittag nicht, als ich ihn gesehen habe: Da war eine Mutter mit ihrem vielleicht dreijährigen Sohn in der ersten Reihe, mein schon vom ersten Teil faszinierter unvermeidlicher Begleiter und eben ich, der ich mal wieder mein Interesse für Computeranimation und Film in einer Besprechung von Toy Story 2 vereinen wollte. Und tatsächlich hat der Film dann auch alle Ansprüche erfüllt: Der kleine Junge in der ersten Reihe ist johlend vor Freude und Ergriffenheit auf seinem Stuhl hin und her gesprungen und hat nahezu jede Szene des Films laut kommentiert, die Mutter, die ihren Sohn wohl eigentlich nur begleiten wollte, hat sich in den melodramatischen Szenen zu Tränen rühren lassen, und meine Begleitung hat sich schier nicht mehr einkriegen können vor Lachen angesichts des so hinreißend debilen Pferdchens „Bully“.
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Titan A.E.

Wieder einmal ist die Erde von Außerirdischen zerstört und die Menschheit in die Weiten des Alls verstreut worden: Die Drej, eine Rasse reiner Energiewesen hat Angst vor dem explorativen Potenzial der Menschen und löscht diese kurzerhand aus. Doch kurz vor dem Zerbersten unseres geliebten Heimatplaneten kann die Titan – ein Raumschiff, dass in der Lage ist, einen bewohnbaren Planeten zu erschaffen – gerettet und in den Tiefen des Alls versteckt werden. Der Wissenschaftler, der das Raumschiff steuert, übergibt seinen kleinen Sohn in die Obhut von Freunden, die zusammen mit einigen anderen Menschen ebenfalls von der Erde flüchten können. 15 Jahre später ist der kleine Cale zu einem jungen Freibeuter herangewachsen, den das Schicksal der Menschheit nicht interessiert. Als er nun eines Tages vom Freund seines Vaters aufgesucht wird, um die Suche nach der Titan anzutreten, stimmt er nur zu, weil sich an Bord des Suchraumschiffs die schöne Akima befindet (im Original von Drew Barrymore gesprochen) und weil die Drej von dem Plan wissen und alle, die damit zu tun haben, vernichten wollen. So beginnt eine Verfolgungsjagd quer durch das All, die mit oftmals überraschenden Wendungen in der Erzählung schließlich doch zum Ziel führt.
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Bad Taste

In dem 70-Seelen-Kaff Kaihoro, irgendwo an der neuseeländischen Küste gelegen, haben Außerirdische ein komplettes Genozid veranstaltet. Eine Spezialeinheit des Ministeriums „Astro Untersuchungs- und Verteidigungsdienst“ schickt ihre Elitetruppe „The Boys“ nach Kaihoro, um die Invasion zu stoppen und einen gefangenen Spendensammler, der den Aliens in die Fänge geraten ist, zu befreien.
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K(l)eine Konkurrenz

„Witzig.“ Selbst aus nicht kindlicher Perspektive muss das Urteil über Rugrats so lauten. Tatsächlich erwartet den Zuschauer etwas, das sich vom Disney-Einerlei des bisherigen sog. „abendfüllenden Zeichentrickfilms“ abhebt. Auch wer die Charaktere Tommy, Chuckie, Phil, Lil und Didi noch nicht aus der gleichnamigen Nickelodeon-Serie kennt, wird sich schnell in ihrer Welt zurechtfinden. Die Rugrats, das sind Babies und Kleinkinder, die mit Sinn für anarchischen Humor versuchen, die Welt der Erwachsenen zu verstehen und die sich dabei in zahllose Abenteuer verstricken. Erfrischend ist vor allem deren völlig ungewöhnliche Perspektive auf die Welt jener Eltern und Großeltern, mit denen sie es tagtäglich zu tun haben. Da wird das Toupet des Großvater Pickels kurzerhand als das „flauschige Tier, das auf unseren Köpfen lebt“, definiert und ganz gewöhnliche Prozeduren des Alltags werden zu spannenden Abenteuern ausgemalt.
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Bill und Steve

Bei einer Industrie, wie der im Silicon Valley, die so sehr mit dem Begriff des amerikanischen Traums verbunden ist, wundert es eigentlich, dass sich bislang kein Filmstudio finden konnte, das bereit war, die Geschichte der Computerpioniere nachzuerzählen. Doch nun gibt es die Sillicon Valley Story auch als Film.
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Allen anders

Zu befürchten war ja eigentlich nie wirklich, dass Woody Allen nach Harry außer sich (USA 1997) nun endgültig hinter die Kamera verschwunden ist, auch wenn Kenneth Brannagh in Celebrity (USA 1998) einen durchaus passablen Nachfolgemimen abgegeben hatte. Aber Darstellar-Abstinenz hatte es bei dem mittlerweile 65-jährigen ja bereits öfter gegeben: von September (USA 1987) bis Eine andere Frau (USA 1988), sieht man von der Kurzgeschichte in New York Stories (USA 1989) ab). Aber nun ist Allen wieder vor der Kamera und zeigt eine weitere Facette seiner Kunst.
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Abriss der Mafiosoanalyse

Eigentlich ist der Zahnstocher an allem schuld. Der ist nämlich der Auslöser für Paul Vitty (Robert de Niro), sich seiner selbst anzunehmen. Paul Vitty ist einer der angesehensten Mafiabosse der New Yorker Unterwelt, der dafür bekannt ist, ohne zu zögern hart durchzugreifen. Doch als er, nur um sich einen Zahnstocher zu besorgen, knapp einem Attentat entgeht, fühlt er sich mehr und mehr von Selbstzweifeln geplagt. Sein Seelenleben ist aufs heftigste angegriffen, unter anderem, weil ihn der beim Attentat umgekommene Manetta wie seinen eigenen Sohn behandelt und ihm die fehlende Vaterfigur ersetzt hat. Das wird ihm jedoch erst später deutlich. Vor allem einer macht ihm das klar: Ben Sobol (Billy Crystal), ein mehr oder weniger erfolgreicher Psychoanalytiker, der sich der großen und kleinen Sorgen und Nöte der New Yorker annimmt (diese Stadt ist seit Woody Allen schließlich dafür prädestiniert). Die beiden kommen über Paul Vittys Bodyguard und Berater Jelly (Joseph Viterelli) zusammen. Es folgen Therapiesitzungen, zu denen Sobol eher gedrängt werden muss, aber Waffen und Geld wirken zunächst auch bei ihm. So verschafft Vitty sich Gehör, auch wenn sich der Therapeut gerade mal auf Hochzeitsreise mit seiner Freundin Laura (Lisa Kudrow) befindet. Die „Beratungsgespräche“ bleiben nicht folgenlos. Der New Yorker Polizei ist bekannt, dass in der nächsten Zeit ein Treffen der Großen der New Yorker Unterwelt stattfinden wird. Also verfolgen sie Sobols Spur, um über ihn an Informationen zu kommen. Im Laufe des Films wird deutlich, dass die Protagonisten mehr gemeinsam haben, als sich zunächst erahnen lässt: Beide haben das Erbe ihrer Väter angetreten, jeder in seinem Metier. Beide kommen damit nicht klar. Höhepunkt des Films ist demnach ein Dialog zwischen den beiden, der sich um den schweren Verlust des Vaters seitens Paul Vitty dreht. Anstatt jedoch in psychoanalytische Freud«sche Details zu verfallen, werden sie gekonnt mit Humor in dieser Krimikomödie dem Genre gerecht werdend umgesetzt.
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Norman Butts

Das Epigonentum um Alfred Hitchcock ist gewaltig. Es reicht von der Aneignung seiner Motive über die Nutzung seiner filmischen Techniken in Persiflagen und Remakes. Angesichts dieser Beliebtheit Hitchcockscher Stoffe war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Pornografie seiner annahm. Und gerade Psycho (USA 1960, unsere Kritik hier) mit seinen sexuellen Anspielungen, dem Voyeur-Thema und der Transvestie des Hauptdarstellers schrie geradezu nach einer pornografischen Auswertung, die nun mit Psycho 1 vorliegt.

Norman Butts (Robert Bullock) ist – nachdem er aus der Psychiatrie entlassen wurde – nicht länger Besitzer des „Butts Motel“. Das hat nun der windige Geschäftsmann John Romeda (Jerry Butler) übernommen, der – hier setzt der Film ein – Norman einen Besuch abstattet. Es will kontrollieren, ob der Verwalter die Gerüchte, die sich um ihn ranken, bestätigt und nebenher das weibliche Personal und die Motelgästinnen „testen“. Norman beobachtet das Treiben (wie bei Hitchcock) durch ein Loch in der Wand, bleibt dieses Mal genauso wenig passiv, fotografiert Romeda in kompromittierenden „Stellungen“ und versucht ihn zu erpressen, damit Butts Motel in seinem Besitz bleibt …

Es wäre doppelzüngig, dem Film vorzuwerfen, dass er die Erzählung und Settings Psychos dazu benutzt, zwischen dem halben Dutzend Kopulationsszenen soetwas wie „Handlung“ in den Film zu bringen. Tatsächlich kommt man kaum umhin, die Zusammenstöße der drallen Damen und Oberlippenbewährten Vokuhilas, die sich im Motel aufhalten, als komisch zu empfinden. Ins Groteske wird das Ganze noch durch die deutsche Synchronisation gesteigert, die – wie so oft in deutschen Fassungen – versucht, dem Film noch das letzte Witzchen unterzujubeln. Ob der Titel eine Vorausdeutung für ein Sequel ist, darf bezweifelt werden, da Psycho 1 bereit in den 80er Jahren in den USA erschienen ist und wohl lediglich aus aktuellem Anlass für den deutschen Markt importiert wurde.

Psycho 1
(USA 1988)
Regie: Scotty Fox;
Schnitt: Monroe Stahr;
Darst.:Tori Welles, Trinity Loren, Christie Robbins, Shane Hunter u.a.
Verleih: Z Medien; Länge: 68 Min

Play, boys!

Tinto Brass versucht mit seinen Filmen seit 1963 an das große Geld heranzukommen. Das führt natürlich in der mittlerweile 40-jährigen Schaffenszeit des gebürtigen Mailänders zu der einen oder anderen Seichtheit und dem unverkennbaren Hang zum Genrefilm. Brass’ erste Filme waren im Action- und Italowesterngenre angesiedelt, doch bereits Ende der 60er Jahre verlegte er sein Interesse zusehends auf den durch die Flower-Power zur Blüte gelangenden Sexfilm. Erfolg war ihm – bis auf ganz wenige Ausnahmen (etwa der überlange Caligula (USA/ITA, 1979) mit Malcolm MacDowell in der Hauptrolle) – mit seinem Konzept nicht beschieden. Und so versuchte Tinto Brass dann wenigsten so etwas wie eine eigene Handschrift im Bereich des Sexfilms zu entwickeln, deren wesentliche Züge schnell aufgezählt sind: nahezu pornografische Inszenierungen mit Kamerazooms auf die Intimbereiche selbst dann, wenn es in der Handlung dramatisch bis tragisch zugeht, flockige Soundtracks, die so etwas wie das „leichte italienische Leben“ vermitteln sollen und vor allem sein Hang – ja schon fast: seine Manie – Promiskuität moralisch zu rechtfertigen.
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Acht Kugeln durch den Kopf

„Mein liebster Feind“ ist ein Film über Klaus Kinski. Ein Film, der sich zwar nicht vornimmt, die Biografie dieses Ausnahmekünstlers zu bebildern, der jedoch Ausschnitte aus dessen Werk bringt, zusammen mit Aussagen von Schauspielern, die es mit ihm „zu tun hatten“. Kinski – der am 22.11.1991 in der Nähe von Los Angeles im Alter von 65 Jahren gestorben ist – ist einer der Schauspieler, um die sich schon zu Lebzeiten Mythen rankten. Er soll sexbesessen, egomanisch, exzentrisch, egozentrisch, größenwahnsinnig, überheblich, gefährlich, jähzornig, ja sogar tobsüchtig gewesen sein. Sicherlich ist vieles von dem, was über Kinski behauptet wird und wurde nicht mehr als ein Gerücht, mit dem eine Person, die sich so häufig total offenbarte und dadurch immer undurchschaubarer geworden war, überhöht werden soll. Eines ist jedoch sicher: Kinski ist einer der ganz wenigen deutschen Schauspieler gewesen, die es zu Weltruhm gebracht haben. Verholfen haben ihm dazu sicherlich die Rollen, die er in den Edgar-Wallace-Filmen der 60er Jahre gespielt hat. Beeinflusst dürfte sein Ruhm sicherlich auch durch die fast unzählbaren Auftritte in Italowestern von den 60ern bis in die 80er gewesen sein. Mit Sicherheit hat aber Werner Herzog, der mit Kinski fünf Filme inszeniert hat (Aguirre – Der Zorn Gottes (D 1972), Fitzcarraldo (D 1980), Nosferatu (D 1979), Woyzeck (D 1979) und Cobra Verde (D 1988)), einen enormen Beitrag zur Popularität Kinskis beigetragen.
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Eraserhead

Es geschieht einem wohl nicht oft, dass man behaupten kann, ein Film habe das eigene Leben verändert oder doch zumindest auf dessen weiteren Verlauf wesentlichen Einfluss genommen. Von David Lynchs ‚Eraserhead‘ kann ich das jedoch ohne Weiteres Behaupten: Ich erinnere mich, dass ich das erste Mal auf diesen Titel 1987 in der damaligen Szene-Zeitschrift ‚Wiener‘ gestoßen bin. Diese kürte ‚Eraserhead‘ nämlich seinerzeit zu einem Vertreter der ‚100 strangest films ever made‘. Gesehen habe ich ihn dann aber erst acht Jahre später, nämlich als er im Oktober 1995 einmal auf ARTE gezeigt wurde. Der Vorspann von ARTE verkündete zudem: ‚Der folgende Film könnte das moralische Empfinden einiger Zuschauer verletzen.‘ Es schien also eine vielversprechende Anderhalbstunde zu werden. Was im weiteren Verlauf des Abends mit mir geschehen ist, weiß ich heute nicht mehr genau. Nur noch, dass ich nach dem Sehen von ‚Eraserhead‘ wie paralysiert dagesessen habe – und mich eigentlich bis heute nicht von dieser Erfahrung ‚erholt‘ habe. ‚Eraserhead‘ war meine erste Begegnung mit David Lynch und führte mit dazu, dass ich das Studienfach wechselte, mich später umfangreicher mit seinem Werk auseinander setzte, mehrere Seminararbeiten über Lynch (natürlich auch eine über ‚Eraserhead‘) schrieb und schließlich sogar meine Abschlussarbeit über das postmoderne Kino David Lynchs anfertigte und als Buch veröffentlichte. Und angefangen hatte das mit ‚Eraserhead‘.

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