Anthropophagus

Der 1999 verschiedene italienische Regisseur Joe D’Amato gehört zu einem der hierzulande meistzensierten Filmemachern. Vier seiner Filme wurden in den achtziger Jahren in der BRD wegen Verstoßes gegen den § 131 des StGB bundesweit beschlagnahmt. Grund: Gewaltverherrlichung. Die hessische Filmproduktionsgesellschaft AstroFilm hat sich zum Ziel gesetzt, D’Amatos Filme und die anderer „verbotener“ Regisseure (Fulci, Romero., Argento, …) wieder auf Video zu veröffentlichen – und das oftmals in ungeschnittener Fassung und Originalsprache. Das ist ein löbliches Vorhaben, bedenkt man, welchen Bärendienst die Jugend-und Sittenschützer der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ uns mit der Beschlagnahme erweisen. Dass unter den 131ern aber nicht nur Meisterwerke, wie Romeros Day of the Dead oder Raimis Evil Dead zu finden sind, sondern auch allerhand Schrott, beweist der Re-Release des oben betitelten Anthropophagus.

Der Film erzählt die Geschichte eines Mannes, der aus purer Not seine Frau und sein Kind aufgegessen hat und nun als psychopatischer Menschenfresser eine griechische Insel auf seine Speisekarte gesetzt hat. Wie der Zufall es will, erkunden ein paar junge Leute dieses Eiland und werden nach und nach verspeist. Unansehnliche Szenen, die von Strangulation bis zur brutalen „Abtreibung“ nebst anschließender Verköstigung eines Fötus reichen, wechseln sich mit wenig wahrscheinlichen und unamüsanten Dialogszenen ab. Der Film, der augenfällig auf der Welle der Zombie- und Kannibalenfilme der Achtziger Jahre schwimmt, avancierte dennoch zum Kult (und sequelte in Absurd – ebenfalls bei „AstroFilm“ erhältlich). Grund: Eben weil er beschlagnahmt worden war. Die verbotenen Früchte schmecken halt am besten – glaubt man.

„AstroFilm“ ist es zu verdanken, dass er jetzt wieder zu bekommen ist und dass alle erfahren können, was Anthropophagus is(s)t. Das Massaker endet übrigens, als unser Kannibale von einem wackeren Helden „mit der Axt das Bad gesegnet“ bekommt und seine hervorquellenden Eingeweide selbst auffrisst. Die dürfte er genauso schwerlich verdaut haben, wie 99 % der Zuschauer den Film.

Anthropophagus
I 1982, Länge: 87 Min.
Regie: Joe D’Amato [=Aristide Massaccesi]
Drehbuch: Joe D’Amato, George Eastman
Kamera: Enrico Biribicchi
Schnitt:Ornella Micheli
Musik: Marcello Giombini
Darsteller: Tisa Farrow, George Eastman [=Luigi Montefiori] uva.
Verleih: AstroFilm

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