Die andere DDR

(Das Leben der Anderen, Deutschland 2006, Florian Henckel von Donnersmarck)

Menschen vergessen schnell. Nein, schlimmer: Unliebsames verdrängen, das Gute erinnern sie. Das gab es im großen Rahmen zu Anfang der Bundesrepublik. Doch war das Verdrängte so ungeheuerlich, dass der empörte Aufschrei der folgenden Generation das Schweigen zerriss. Nach der Abwicklung der zweiten deutschen Diktatur setzte ein ähnliches Phänomen ein. Nach einer Dekade Vereinigungskater erschien das Land der grenzenlosen Beschäftigung nicht nur den ewig Gestrigen als eine tolle Sache. Neben der Ostalgie, die immer nur Pendant zu westlicher Nostalgie war, kamen die populären Klamaukfilme, am erfolgreichsten Good Bye Lenin!. Sie versuchten nicht einmal den Arbeiter- und Bauernstaat verächtlich zu machen, sondern erschöpften sich bereits in ihrem Gagrepertoire. Stattdessen gaben sie der ersten gesamtdeutschen Generation ihre „Zone“, ein kurioser Käfig voller sächselnder Kommunisten, die im Trabi zur wertlosen Witzarbeit im volkseigenen Betrieb fuhren und im Konsum die Wahl zwischen Scherzartikeln mit ulkigen Namen wie Spreewaldgurken und Club-Cola hatten. Die „Zone“, zu der man sich nun auch als ihr Kind bekennen konnte, wurde Kult.
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Made in England

Match Point (UK/USA/LU 2005, Woody Allen)

Seit Woody Allen sich mit Anything Else leise aus dem Filmprojekt namens Woody Allen zurückgezogen hat, wird jeder neue Film von ihm kritisch beäugt: Sein Alterswerk wird noch auf die schwächsten Signale der Tradition abgehört, jede neue Geste zum Bruch mit dem Hergebrachten. Das ist vermutlich die verspätete Rache jener Reklameintellektuellen, die Allen in seinen Filmen so meisterlich bloßzustellen weiß. Match Point, Allens neuestes Werk, hat nicht nur darin Tradition.
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Kneipenphilosophie

Factotum (USA 2005, Bent Hamer)

Hank Chinaski ist ein Rumtreiber, chronischer Hilfsarbeiter, stolzer Müßiggänger, 1-A Ficker, enthusiastischer Säufer, verhinderter Schreiber und ein verdammter Versager. Chinaski ist Bukowski ist ein Teil von jedem Menschen. Factotum setzt ihm ein Denkmal.
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Zu groß für die Leinwand

Histoire(s) du cinéma (Frankreich, 1989-1998, Jean-Luc Godard)

Eine Geschichte des Kinos, die zugleich eine allgemeine über das „Zeitalter der Extreme“ (Hobsbawm) sein will, zehn Jahre Bearbeitungszeit, über vier Stunden Laufzeit, die wiederum Hunderte von Filmstunden komprimieren, und der Name Jean-Luc Godard – die bloßen Fakten des Filmessays Histoire(s) du cinéma sind beachtlich und wecken naturgemäß hohe Erwartungen. Godard antwortet mit einer, wohlwollend formuliert, „sinnlichen und intellektuellen Herausforderung“ (Pressetext), welche die Grenzen des Kinos gleich in mehrfacher Hinsicht ausreizt.
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Willy, Wehner und das Fahrrad

Schattenväter (D 2005, Doris Metz)

Die Guillaume-Affäre gehört zu den interessantesten und noch immer nicht vollständig aufgeklärten Ereignissen der jüngeren Zeitgeschichte. Warum der ein ganzes Jahr vor seiner Enttarnung durch die deutschen Sicherheitsdienste beobachtete DDR-Spion einen der erfolgreichsten Kanzler der deutschen Nachkriegszeit stürzen sollte, bleibt eine offene Frage. Der Dokumentarfilm Schattenväter von Doris Metz nähert sich dem Thema auf ungewöhnliche Weise.
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