Was wäre, wenn …?

Der Höhepunkt einer Horrorvision globalen Ausmaßes ist das Verschwinden der Menschheit – sei es nun, weil sie sich selbst komplett ausgelöscht hat oder weil sie von einer anderen Spezies ausgerottet wurde. Insbesondere der Zombiefilm hat in letzterer Hinsicht schon einige sehr interessante und beunruhigende apokalyptische Visionen hervorgebracht. Nur ist es bei der „Herrschaft der Zombies“ ja leider so, dass aus dem Untergang der Lebenden noch längst kein Aufstieg der Toten erfolgt: Zombies werden als instinktgesteuerte, zu intelligenten Aktionen kaum fähige und einzig durch ihren Fresstrieb motivierte Monster gezeichnet, die, geht ihnen das menschliche Futter aus, einfach in der Gegend herum liegen. Der Prolog von George A. Romeros „Day of the Dead“ hat gezeigt, wie das aussieht. Es bräuchte also schon ein wenig intelligentere und mit mehr Gemeinsinn ausgestattete Monster, um eine echte alternative Gesellschaft zu gestalten. Und da kommen ja eigentlich nur die Vampire in Frage.

Dieses Paradigma ist es, das Michael und Peter Spierigs Film „Daybreakers“ zugrunde liegt: Es gibt fast keine Menschen mehr, Vampire beherrschen die Welt, haben eine eigene Kultur aufgebaut, nutzen Technik, stehen in Beziehungen zueinander, haben Konflikte. Das Leben der Vampire unterscheidet sich eigentlich nur dadurch von dem der Menschen, dass es nachts stattfindet und dass es auf Blut angewiesen ist. Und genau daran mangelt es in „Daybreakers“. Große Firmen halten noch lebende Menschen in „Legebatterien“ und melken sie wie Kühe, um das Blut dann zu verkaufen – in Reinform an die, die es sich leisten können, zumeist aber verdünnt. Fieberhaft lässt Vampir-Magnat Charles Bromley (aalglatt von Sam Neil gespielt) nach einem Blut-Ersatz forschen, um der drohenden Hungerkatastrophe zu begegnen: Ein Vampir, der kein Blut bekommt, verwandelt sich in eine Art Riesenfledermaus, die dann – wie ein Zombie – auch nur noch instinktgesteuert ist. Die Vampir-Kultur wäre dahin, wenn dies allen Teilnehmern passierte. Bromleys Tochter hat sich bislang dem Vampir-Dasein widersetzt und ist Mensch geblieben. Zusammen mit menschlichen Freunden sucht sie nach einer alternativen Methode, die Vampire zu „heilen“. Als sich ihnen der junge Vampir-Wissenschaftler Edward (Ethan Hawke) anschließt, der sowieso lieber Blutkonserven trinkt als Menschen zu töten, kommen sie einer Lösung des Problems auf die Spur. Gleichzeitig gelangt jedoch auch das Kunst-Blut zur Marktreife.

Es ist überaus faszinierend, die gesellschaftliche Utopie einer Welt voller Untoter im Film mitzuerleben. Allein die zahlreichen Vampir-Gadgets, die das Bild dieser Welt erst vervollständigen: Autos, die über einen Tag-Modus verfügen, der nach Sonnenaufgang alle Scheiben semitransparent macht oder die Idee, die Bevölkerung für den kleinen Hunger zwischendurch mit Kaffee mit Blutanteil zu versorgen, der dann immer kleiner wird, je knapper der rote Lebenssaft wird. Fast findet man es schade, dass sich die wenigen Menschen (unter ihnen ein von Willem Dafoe gespielter Anführer) das Ziel gesetzt haben, diese Kultur zu zerstören. Aber es ist schon wahrlich ein Unterschied wie Tag und Nacht, wenn man die Stadt, in der „Daybreakers“ spielt, vor und nach Sonnenaufgang miteinander vergleicht: Auf der einen Seite menschenleere Häuserschluchten und verrammelte Gebäude (alles sieht nach „I am Legend“ aus), auf der anderen Seite pulsiert das Leben bzw. der Tod. Es dürfte also eine gehörige Portion an Neid im Spiel sein: Die Menschen wollen vielleicht einfach auch nur wieder einmal im gesellschaftlichen Spiel mitspielen, ohne dafür das Menschsein aufgeben zu müssen.

Dass sich hinter dieser Story natürlich auch eine Allegorie verbirgt, in der Blutsauger mit „Blutsaugern“ und menschliche Sklaven mit Lohnsklaven verglichen werden, ist ohnehin kein Geheimnis. Der Plot, den „Daybreakers“ bietet, ist vielmehr in der Hinsicht originell, als er die Ausgangsfrage eines „Was wäre wenn“ einmal vollständig beantwortet. Die Konventionen des Helden- wie des Horrorfilms verlangen jedoch eine Entwicklung – „Daybreakers“ darf leider kein Dokumentarfilm über die Vampir-Gesellschaft bleiben. Dass die Spierig-Brüder eine erkleckliche Anzahl an Hollywood-Stars für die Ausgestaltung ihrer Filmhandlung verpflichten konnten, verhilft dem Film sicherlich zu größerer Bekanntheit – aber vielleicht ist das auch schon ein Grund dafür, dass sich das alles doch in ziemlich seichten Bahnen bewegt. Denn etwas wesentlich anderes als in den derzeit überall um sich greifenden „Biss“-Büchern und -Filmen bekommt man in „Daybreakers“ auch nicht geboten. Es ist eben doch noch ein Vampir-Stoff und zu dem gehört auch, die grundsätzliche Tragik des Vampir-Daseins mit zu inszenieren. Zu Beginn des Films ist es Nacht und so wie man aus Erfahrung weiß, dass diese nicht lange anhält, weiß man ebenso, dass auch das Ende der Vampire nicht lang auf sich warten lässt.

Daybreakers
(USA 2009)
Regie & Buch: Michael und Peter Spierig; Musik: Christopher Gordon; Kamera: Ben Nott; Schnitt: Matt Villa
Darsteller: Isabel Lucas, Ethan Hawke, Willem Dafoe, Sam Neill, Jay Laga’aia, Claudia Karvan u. a.
Länge: 98 Minuten
Verleih:
Sunfilm Entertainment

Die Blu-ray-Disc von Sunfilm Entertainment

„Daybreakers“ erscheint bei Sunfilm in vier Versionen, jeweils als 1- und 2-Disc-Special-Edition auf Blu-ray und DVD.

Die Ausstattung der Blu-ray-Disc im Einzelnen:

  • Bild: 1:2,35 / 1080p/24p
  • Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 7.1), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Audiokommentar der Regisseure, Storyboard-Version, „Making Daybreakers“ (ca. 120 Min.), Kurzfilm: „The Big Picture“ (ca. 13 Min.), Trailer
  • FSK: ab 16 Jahren
  • Preis: 14,99 Euro

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