Das Ende beginnt …

Das in jüngerer Zeit populäre Phänomen des „Relaunchs“ von Film-Serien, bei dem eine Fortsetzung narrativ vor den Beginn des ersten Teils zurückgeht, um die Vorgeschichte zu erzählen aber auch neue Handlungslinien zu eröffnen, wird im neuen „Terminator“-Film performativ verdoppelt. „Terminator Salvation“ geht zwar nicht bis vor das Jahr 1984, in dem der Plot des ersten Films angesiedelt war, zurück, jedoch „vor“ den Anlass, der die Erzählung des ersten Teils inauguriert hat: Der Film spielt im Jahr 2019 und erzählt die Geschichte, wie John Connor (Christian Bale) seinen (späteren) Vater Kyle Reese (Anton Yelchin) kennen lernt. Diese Geschichte ist nicht trivial, zumal in ihr ein Faktor auftaucht, der in den bisherigen drei Filmen keine Rolle gespielt hat: Marcus Wright (Sam Worthington). Marcus ist der Missing Link zwischen Vergangenheit und Zukunft – eine Vexier-Figur zu T-101 aus dem ersten „Terminator“-Film, der ja bekanntlich die Technologie, die die Entwicklung von Cyberdyne ermöglicht hat, erst aus der Zukunft in die Vergangenheit mitgebracht hat. Marcus bringt eine Technologie aus der Vergangenheit mit in die Zukunft, die es Cyberdyne erst ermöglicht, einen Terminator zurück ins Jahr 1984 zu schicken …

r_poster_3Die Erzählung der „Terminator“-Filme spielt so gekonnt mit unserem Denken über Ursache und Wirkung, Vergangenheit und Zukunft, wie es vielleicht seit Robert Zemeckis‘ „Zurück in die Zukunft“-Trilogie oder Terry Gilliams „Twelfe Monkeys“ keiner anderen populären Spielfilm-Produktion gelungen ist Das macht die Herausforderung für die Continuity-Fachleute, die das Drehbuch und dessen Umsetzung auf Fehl-Beziehungen zu den vorangengangenen Teilen der Serie prüfen, besonders knifflig. Müssen sich hier doch nicht nur narrative Elemente, die schon einmal aufgetaucht sind oder die in der diegetischen Zukunft eine Rolle spielen werden, konsistent verhalten; auch muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, in welchem kausallogischen Verhältnis sich erzählte Vergangenheit zu erzählter Zukuft verhält. Immerhin besagt eine der Genre-Regeln des Zeitreisefilms, dass jede Veränderung der Vergangenheit eine veränderte Zukunft nach sich zieht. Wie soll sich also eine Figur, die über diese quasi-deterministischen Beziehungen weiß, entwickeln?

John Connor weiß das über die Vergangenheit, was auch wir wissen – er ist der Serienheld seit dem zweiten Teil, der die Informationen seiner Mutter Sarah bis in die Zukunft des vierten Teils von Kassette abhört. Die Resistance, so nennt sich die Gruppe von Menschen, die die Maschinen besiegen will, sieht in ihm den Retter der Menschheit. Leider ist das jedoch eine eher ideelle Rolle; militärisch ist Connor dem recht pragmatisch veranlagten General Ashdown (Michael Ironside) unterstellt. Und der hat gerade eine neue Waffe gegen die Maschinen ersonnen, die eine Wende in den Konflikt bringen soll. Mit ihr soll die Zentrale von Cyberdyne in San Francisco bombardiert werden. Dort befinden sich jedoch auch Menschen in Gefangenschaft unf unter denen ist Kyle Reese, der – wie wir und John Conner wissen – eine spezielle Aufgabe zu erfüllen hat und deshalb auf keinen Fall Opfer der Attacke auf Cyberdyne werden darf.

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Die Dystopie, die „Terminator Salvation“ zeichnet, ist bereits in den Vorgängerträumen – dort in Prologen, Träumen und Fragmenten – angerissen worden. Es ist eine düstere, postapokalyptische Welt, die übersät mit menschlichen Überresten ist. In dieser Welt leben die Menschen in Verschlägen unter der Erde, in U-Booten oder sind ständig auf der Flucht durch zerstörte Stadt-Ruinen. „Terminator Salvation“ vermittelt ein Bild, wie es aus zahllosen postapokalyptischen Filmen von „Mad Max“ bis „Matrix“ bekannt ist. Ob man die Bilder als Allusionen und Zitate verstehen will oder als Topoi, die nun einmal zum Subgenre des dystopischen Science Fiction dazu gehören, bleibt dem Zuschauer selbst überlassen. Der Film lässt jedenfalls nichts aus, um seine Erzählung schlüssig voranzutreiben und ästhetisch adäquat einzubetten. Auf das Production Design hat man sich dabei besonders konzentriert und einen technologischen Alptraum voller zerfallener Zivlisationsrelikte, erodiertem Metall und mal Edelstahl-glänzenden mal ölig-schwarzen Robotern entworfen. Die Cyberdyne-Zentrale bildet den optischen Kontrapunkt zur zerfallenen Welt um sie herum: Eine bedrohliche Industrieanlage mit einem sterilen Zentrum, in dem der Geist der Cyberdyne-Entwickler thront.

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Wenn man die vorherigen Filme des Regisseurs McG kennt, ahnt man bereits, dass die „Oberfläche“ das zentrale Moment auch von „Terminator Salvation“ ist. Das ist insofern aber kaum problematisch als es eben Oberflächen sind, die den besonderen Reiz des Films ausmachen. Die Geschichte erzählt sich – aufgrund der Tatsache, dass sie von den Vorgängerfilmen determiniert ist – beinahe von selbst. Das neue Moment in Person des Marcus Wright bildet hiervon die Ausnahme. Der Schauspieler Sam Worthington nimmt mit seiner physischen Präsenz vielleicht am ehesten die Stelle ein, die Schwarzenegger in den Vorgängerfilmen innehatte. Besonders erwähnenswert ist auch der Soundtrack Danny Elfmans, den man beinahe nicht als Werk des Komponisten erkennt. Auch in seiner Partitur wiederholt sich die „Relaunch“-Struktur, nimmt sie doch Themen der Soundtracks von Brad Fiedel aus Teil 1 und 2 wieder auf und überführt sie in eine Art „Rohfassung“, was vor allem durch die Kombination der Musik mit der recht bombastisch anmutenden Klangkulisse des Films gelingt. In puncto CGI geht „Terminator Salvation“ wieder etwas hinter den dritten Teil zurück. Eine Armada von Puppen- und Miniatur-Animateuren hat – in Andenken an den Special-Effects-Spezialisten Stan Winston – den meisten der Roboter, Fahr- und Flugzeugen ein überaus realistisches Aussehen verpasst. Nur in der Cyberdyne-Zentrale dominiert die Computergrafik – aber dort, so könnte man sagen, gehört sie ja schließlich auch hin.

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Terminator: Die Erlösung
(Terminator Salvation, USA 2009)
Regie: McG; Buch: John Brancato, Michael Ferris; Musik: Danny Elfman; Kamera: Shane Hurlbut; Schnitt: Conrad Buff IV
Darsteller: Christian Bale, Sam Worthington, Moon Bloodgood, Helena Bonham Carter, Anton Yelchin, Jadagrace, Bryce Dallas Howard, Jane Alexander, Michael Ironside u. a.
Länge: 130 Minuen
Verleih: Sony Pictures

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