Artikel zu ‘Semiotik’

Kurzrezensionen Februar 2010

Michael Grisko (Hg.): Texte zur Theorie und Geschichte des Fernsehens. Stuttgart: Reclam 2009.
Laura Bieger: Ästhetik der Immersion. Bielefeld: transcript 2007.
Stephan Günzel (Hg.): Raumwissenschaften. Frankfurt/Main: Suhrkamp 2009.
Katalin Nagy-György: Elfriede Jelinek: Die Klavierspielerin. Ein Annäherungsversuch. Saarbrücken: vdm-Verlag 2009.
Christian Hoffstadt u. a. (Hgg.): Der Fremdkörper. Aspekte der Medizinphilosophie Bd. 6. Bochum: Freiburg: projekt 2008.
Gertrud Koch/Christiane Voss (Hgg.): … kraft der Illusion. München: Fink 2006.
Gertrud Koch/Christiane Voss (Hgg.): “Es ist als ob” Fiktionalität in Philosophie, Film- und Medienwissenschaft. München: Fink 2009.
Roman Jakobson: Semiotik. Ausgewählte Texte 1919-1982, hg. v. Elmar Holenstein. Frankfurt/Main: Suhrkamp 2009.
Nicolas Pethes u. a. (Hgg.): Menschenversuche. Eine Anthologie 1750-2000. Frankfurt/Main: Suhrkamp 2008.
Robert Koller (Hg.): The Oxford Handbook of Film and Media Studies. Oxford: Oxford Univ. Press 2008.
Bernd Witte (Hg.): Topographien der Erinnerung. Zu Walter Benjamins Passagen. Würzburg: Königshausen & Neumann 2008.

TV-Debatten

Das Fernsehen ist ideen- und technikgeschichtlich gesehen älter als das Kino. Sieht man von den “Live-Übertragungen” der Laterna Magica einmal ab, so hat sich schon kurz nach Erfindung der Telegrafie die Überlegung entwickelt, nicht nur Sprache, sondern auch Bilder zu übertragen. Über diesen Umstand ist in der ausländischen wie deutschsprachigen Fernsehwissenschaft viel publiziert worden und es existieren zahlreiche Bände mit mittlerweile kanonischen Schriften zur Fernsehtechnikgeschichte. Dass sich neben dieser materiellen Forschung auch eine inhaltliche entwickelt hat, zeigt der Reclam-Band “Texte zur Theorie und Geschichte des Fernsehens” jetzt anhand von 25 Beiträgen, die zwischen 1910 (!) und 1997 erschienen sind. Besonders interessant ist die ästhetisch-ideologischen Debatte in den 1950er und 1970er Jahren in Deutschland verlaufen, deren Protagonisten von Adorno (1953) bis Enzensberger (1970) das Medium mal als kulturelle Katastrophe, mal als Chance zeichnen. Die teilweise irrationale und erhitzte Debatte fand natürlich ebenso im Ausland statt, wie die Beiträge von Neil Postman (1985) oder Pierre Bourdieu (1996) zeigen. Man lernt im Durchgang durch die Geschichte der Fernsehtheorie also nicht nur viel über das Medium und seine Ästhetiken, sondern auch über die Ängste davor und dessen kulturellen Impetus. Metahistorische Beiträge, die diese ideologisch-ästhetischen Debatten wieder an die Technikgeschichte des Mediums zurück binden, wie sie etwa durch den Medienwissenschaftler Wolfgang Hagen geführt wurden, vermisst man allerdings. Hagen hat seinen Auftritt im Band lediglich als Interviewpartner mit Niklas Luhmann (1997).

Michael Grisko (Hg.): Texte zur Theorie und Geschichte des Fernsehens. Stuttgart: Reclam 2009. 343 Seiten (Paperback), 9,80 Euro. Bei Amazon kaufen.

(SH)

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