Fantasy Filmfest Nights 2011 – If you go out in the Woods today…

The Troll Hunter (Trolljegeren, Norwegen 2010, André Øvredal)

Das Unangenehmste am Job eines Trolljägers ist der Papierkram. Die geheime staatliche Agentur TST (Troll Security Service) verlangt doch tatsächlich, dass man ein bürokratisches Formular ausfüllt, das unter anderem darüber Auskunft geben soll, ob man nun einen Ringlefinch, Tosserlad oder Jotnar erlegt hat. Da die essentiellen Unterschiede allgemein bekannt sind, braucht hier nicht auf die Spezifika dieser einzelnen Unterarten eingegangen werden. Was indes weniger bekannt ist: Die norwegische Regierung versucht – vermutlich, um den Tourismus nicht zu gefährden – die Existenz der Wald- und Bergmonster mit allen Mitteln geheim zu halten. Hochspannungsleitungen dienen natürlich nicht, wie man zunächst vermuten könnte, der Stromversorgung, sondern als Revierzäune, die es Trollen unmöglich machen, das für sie bestimmte Gebiet zu verlassen. Wenn man bei Wanderungen auf umgestürzte Bäume oder massive Erosionen trifft, liegt das meist keineswegs an Stürmen und Lawinen, sondern selbstverständlich an Trollen. Und wer gar einen toten Bär im Wald entdeckt, kann so gut wie sicher sein, dass er aus Osteuropa importiert wurde, um mit seiner Leiche davon abzulenken, dass am jeweiligen Ort in Wahrheit ein Troll getötet wurde. Die vermeintlich zum Bär gehörenden Tatzenabdrücke fabriziert die TST, indem der Chef mit abgeschnittenen Bärenfüßen durch den Wald tapst.

All das haben drei junge Journalisten entlarvt, die leider allesamt starben, während sie den professionellen Trolljäger Hans (Otto Jespersen) bei seiner Arbeit begleiteten. Glücklicherweise wurden ihre Aufnahmen gefunden, allerdings erwies sich der Schnitt des 283 Stunden umfassenden Videomaterials als etwas schwierig. An der Authentizität der Bilder bestehen indes keinerlei Zweifel: Wenn ein Troll mit drei Köpfen durch den Wald rennt, sieht man die reine, ungefilterte Wahrheit – auch der 100 Meter große Jotnar, dem Hans am Ende des Films den Garaus macht, wirkt ultra-realistisch. Dass der Wald auch nachts erstaunlich gut beleuchtet ist und der Kameramann dann noch filmt, wenn er um sein Leben rennen muss, ist sowieso klar.

Wie der Leser wissen dürfte, gestaltet sich das Töten eines Trolls relativ einfach. Am besten man lockt ihn mit drei angeketteten Schafen zu einer Brücke und bestrahlt ihn dort mit Licht, wogegen Trolle natürlich allergisch sind, sodass sie versteinern und man sie anschließend zertrümmern kann. Nur einen Fehler sollte man bei der Trolljagd nicht begehen: Man darf auf keinen Fall einen gläubigen Christen mitnehmen – den riechen Trolle nämlich meilenweit. Die im 21. Jahrhundert nicht unbedeutende Frage, wie sie auf Moslems reagieren, ist indes noch nicht abschließend geklärt.

Doch genug der Trollkunde. Die norwegische Mockumentary „The Troll Hunter“ – nicht zu verwechseln mit „Troll“ oder „Troll 2“, die in zahlreichen Listen der schlechtesten Filme aller Zeiten vertreten sind – setzt auf das found-footage-Konzept. Anders als in „The Blair Witch Project“ bemüht sich das Team um Regisseur André Øvredal jedoch nie ernsthaft zu verbergen, dass es sich hierbei um ein Fake handelt. Sobald die dumpfen Zottelmonster und damit auch die trashigen Special Effects erstmals zu sehen sind, weiß auch der letzte Zuschauer, dass es sich um eine Horror-Satire handelt. Bei dieser ersten Konfrontation wird Reporter Thomas (Glenn Erland Tosterud) von einem Troll gebissen und mit Schleim überzogen, weshalb er später Tollwut-Symptome zeigt. Ein andermal müssen der brummige Hans und das (laut eigener Aussage Michael Moore nacheifernde) TV-Team stundenlang in einer Höhle verharren, während die Trolle ihre monströsen Flatulenzen ablassen und das Fluchtloch ihrer Jäger zukoten.

„The Troll Hunter“ besticht nicht nur durch einen wunderbar grotesken Humor, sondern auch durch die Konsequenz, mit der er den dokumentarischen Verité-Look imitiert. Wenn die Protagonisten den Trollen im dunklen Wald nachstellen, flimmern grüne Nachtsichtkamera-Aufnahmen über die Leinwand – und nachdem Kameramann Kalle (Tomas Alf Larsen) von einem Troll mit Haut und Haar verschlungen wurde, zeigt der Film minutenlang Bilder der durch den ‚Unfall‘ ramponierten Kamera, durch deren Objektiv sich große Risse ziehen. Außerdem führt die Behauptung, es handele sich bei den Bildern um found footage, zu dem äußerst angenehmen Umstand, dass „The Troll Hunter“ einer der ganz wenigen Horrorfilme ist, die gänzlich auf Zuschauermanipulation über nicht-diegetische Musik oder Soundeffekte verzichten. Vor allem aber ist es dem Film hoch anzurechnen, dass – wie uns der Abspann versichert – bei den Dreharbeiten keine Trolle verletzt oder getötet wurden.

The Troll Hunter
(Trolljegeren, Norwegen 2010)
Regie: André Øvredal; Drehbuch: André Øvredal; Kamera: Hallvard Bræin; Schnitt: Per-Erik Eriksen; Darsteller: Otto Jespersen, Glenn Erland Tosterud, Johanna Mørck, Tomas Alf Larsen, Hans Morten Hansen;
Länge: 90 Min.
Verleih: Universal Pictures
Kinostart: 07.04.2011

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