I am the one and only

Moon (GB 2009, Duncan Jones)

Kurz bevor sich Duncan Jones in seinem neuen Science-Fiction-Film „Source Code“, der 2011 in die Kinos kommt, mit dem Thema des Körpertauschs befasst, erscheint sein Film „Moon“, der ein ganz ähnliches Motiv behandelt, hierzulande auf DVD und Blu-ray-Disc. Der Film galt bereits im vorvergangenen Sommer auf dem Fantasy Filmfest als Überraschungserfolg, gerade weil die ruhige, elegische Erzählweise und die an Vorbilder wie „2001: Odyssee im Weltraum“ erinnernde Bildästhetik zusammen mit dem atemberaubenden Soundtrack Clint Mansells eine regelrechte Frischzellenkur für das Genre darstellte, in welchem zuletzt eigentlich vor allem Megalomanie vorherrschend war. Doch „Moon“ ist Kubricks Film in mehrfacher Hinsicht ähnlich, weil es mit ihm zentrale Motive teilt und diese neu bedenkt.

Jones‘ Film erzählt die Geschichte des Lunonauten Sam Bell (Sam Rockwell), der auf dem Erdtrabanten die Arbeit von Erntemaschinen überwacht: Dort wird Helium-3 abgebaut, ein Isotop, das endgültig alle Energieprobleme der Erde auf saubere Art und Weise zu lösen geholfen hat. Unersetzbar erscheint daher die Arbeit Sams, der den automatischen Abbauprozess kontrolliert. Als die Filmhandlung einsetzt, hat Sam nur noch wenige Tage, bevor sein Vertrag abläuft und er zur Erde zurückkehren kann. Dann passiert ihm jedoch ein Unfall, bei dem sein Mondauto mit einer Erntemaschine kollidiert. Kurze Zeit später erwacht Sam in der Krankenstation der Mondstation. Sein Assistent, der Roboter GERTY, erklärt ihm, es habe einen Unfall gegeben und er solle sich schonen. Ausflüge außerhalb der Station sind ihm untersagt, bis ein Rescue-Team mit einem Schiff, das den bezeichnenden Namen „Eliza“ trägt, von der Erde gekommen ist, das sich bereits auf dem Weg zum Mond befindet. Als es Sam doch gelingt, die Station zu verlassen und er den defekten Ernter und das darunter eingeklemmte Mondauto findet, macht er eine erschreckende Entdeckung: Im Gefährt sitzt ein Mann, der ihm bis aufs Haar gleicht. Er bringt ihn zurück zur Mondstation, wo sich herausstellt, dass sich beide für Sam Bell halten, dass beide dieselben Erinnerungen haben und dass offenbar Einiges mit ihrer Arbeit in der Station nicht stimmt.

„Moon“ nutzt das extraterrestrische Setting vor allem dazu, um Ruhe zu erzeugen. Die Stille und Abgeschiedenheit des Mondes ist das perfekte Surrounding für eine vertrackte Erzählung um Identität und Originalität. Dass Sam nur ein Klon ist, bzw. kurze Zeit später zwei Klone, erscheint zunächst als eine Pointe, die sich jedoch – auch weil dies bereits nach dem ersten Filmdrittel klar wird – zusehends abschwächt, wenn die beiden Sams miteinander in den Dialog treten. Nun geht es um die conditio humana in einer feindlichen Umwelt – und damit ist nicht die des Mondes, sondern die einer futuristischen Gesellschaft gemeint, die Menschenduplikate züchtet, um sie als Sklavenarbeiter auszubeuten, bis die genetischen Kopierdefekte die Klone nach wenigen Monaten sterben lassen und dann einfach neue aufgetaut werden. Wie sein anderes großes Vorbild „Blade Runner“ stellt „Moon“ die Frage danach, was die Originalität einer Kopie ausmacht, wenn sich selbst die Erinnerungen als synthetisch erweisen. Sam Bell sucht in „Moon“ im Prinzip nach einem Fixpunkt, an dem er seine Individualität festmachen kann. Und erstaunlicherweise bietet sich ihm ein solcher in einer Maschine.

Es ist der Filmroboter GERTY, der Sam als Assistent, Krankenschwester, Unterhalter und Beschützer dient, an dem Sam seine Individualität erprobt. GERTY ist in vielerlei Hinsicht dem Bordcomputer des Raumschiffs aus Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“, HAL 9000, ähnlich. Wie dieser bewacht „Gerty“ nicht nur die Besatzung der Station, sondern überwacht auch den Erfolg der Mission selbst. Als ihm die Konzernleitung mitteilt, dass Sam Ausgangssperre habe, bis das Rescue-Team gelandet sei, scheint sich GERTY tatsächlich wie HAL gegen den ihm anvertrauten Menschen zu verschwören. Doch ganz im Sinne der Asimov’schen Robotergesetze stellt der Roboter das Leben Sams über alle anderen Interessen. Und nicht nur das: Er beantwortet ihm schließlich auch die zentrale Frage danach, ob Sams Erinnerungen wirklich oder nur implantiert sind und gesteht ihm, dass er nur ein Klon in einer Reihe vieler ist. Mit GERTYs Hilfe gelingt seinem Nachfolger-Klon schließlich sogar die Flucht zur Erde, wo er die Machenschaften des Konzerns offenlegt und damit gleichzeitig Individualität erlangt.

Duncan Jones legt dem Roboter GERTY durch die Auswahl des Synchronsprechers (Kevin Spacey), die auf die (wenngleich basalen) Mimiken programmierte Smiley-Gesicht-Anzeige, vor allem aber durch seine Dialoge und Interaktionen mit Sam plausible menschliche Züge zugrunde. Dem Ergebnis einer entmenschlichenden Technik in Form klonierter Sklavenarbeiter wird so eine humanisierte Maschine zur Seite gestellt. Damit erfüllt der Science-Fiction-Stoff einmal mehr die Fantasien jener Robotermärchen, die seit den 1940er-Jahren davon erzählen, dass die Maschine nicht immer nur Surrogat, Gegenteil oder gar Feind des Menschen sein kann, sondern auch dessen Freund, Ergänzung und vielleicht sogar ein „Speicher“ für verloren geglaubte Werte und Emotionen. GERTY tut dem Zuschauer von „Moon“ gegen Ende in der vielleicht intensivsten Begegnung mit Sam regelrecht leid – aber zugleich ist man auch erleichtert, dass er sich als ein wesentlich besserer Charakter erweist, als seine Besitzer ihn programmiert haben. Er fügt sich freiwillig in seinen Reset, um nicht zum Verräter zu werden, und macht sich damit im Prinzip ebenfalls zum Klon seiner selbst, der trotz all der leidvollen Erfahrung auf dem Mond bleiben und einen Neuanfang unternehmen muss.

Moon
(GB 2009)
Regie: Duncan Jones; Buch: Nathan Parker nach einer Story von Duncan Jones; Musik: Clint Mansell; Kamera: Gary Shaw; Schnitt: Nicolas Gaster
Darsteller: Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott u. a.
Länge: 97 Minuten
Verleih: KOCH Media

Die Blu-ray-Disk von KOCH Media

KOCH Media veröffentlicht „Moon“ in zwei Versionen auf Blu-ray-Disc und DVD: als Single-Disc und 2-Disc-Special-Edition, wobei die zweite Disc dann weiteres Bonusmaterial und Kurzfilme enthält. Die der Besprechung vorgelegene Single-Blu-ray-Disc besticht durch ihr brillantes Bild, das gerade bei den Außenaufnahmen des Mondes besonders kontrastreich ist. Die Ähnlichkeit zu den Mond-Aufnahmen von Kubricks „2001“ wird hier besonders deutlich. Der Ton der englischen und deutschen Tonspur liegt als 6-kanaliger Master-Audiotrack vor; die hypnotische Filmmusik Clint Mansells kommt darin zur besonderen Geltung.

  • Bildformate: 2.35:1 (16:9)
  • Ton: Deutsch, Englisch (DTS HD-Master Audio 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Originaltrailer; Audiokommentar mit Regisseur Duncan Jones, Kameramann Gary Shaw sowie den Designern Gavin Rothery und Tony Noble; Audiokommentar von Regisseur Duncan Jones und Produzent Stuart Fenegan
  • Extras der 2-Disc-Special-Edition:
    • Disc 1: Originaltrailer; Audiokommentar mit Regisseur Duncan Jones, Kameramann Gary Shaw sowie den Designern Gavin Rothery und Tony Noble; Audiokommentar von Regisseur Duncan Jones und Produzent Stuart Fenegan.
    • Disc 2: Kurzfilm „Whistle“ von Regisseur Duncan Jones, Making of Moon, Visuelle Effekte, Interview auf dem Sundance Film Festival, Science Center Interview mit Regisseur Duncan Jones
  • Erscheinungsdatum: 28.01.2010
  • FSK: ab 12 Jahren
  • Preis: 14,99 Euro (2 Disc Special Edition: 17,99 Euro)

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