Schattenmänner

Ninja Assassin (USA/Deutschland 2009, Lewis McTeigue)

Eine Frau im Dunkel ihrer nächtlichen Wohnung. Sie weiß, dass sie nicht allein ist. Plötzlich löst sich eine Gestalt aus dem Schatten, nur um im nächsten Sekundenbruchteil wieder in der Dunkelheit abzutauchen, so als verfüge sie nicht über Materie, als sei sie selbst nur ein Schatten. Es ist ein Ninja, ein schwarz gewandeter japanischer Profikiller und Meister des lautlosen Tötens. Nicht nur verfügt er über eine erstaunliche Körperbeherrschung und ein beachtliches Waffenarsenal, seine Fähigkeiten grenzen an Magie. Aber wie besiegt man jemanden, der nicht nur in der Lage ist, sich buchstäblich in Luft aufzulösen, sondern darüber hinaus selbst ein Experte im Töten ist?

ninja_assassin_xlgMal wieder ein Revival: Nachdem nahezu jeder Filmklassiker der letzten 20 Jahre sein Remake erfahren hat oder noch wird, widmen sich die Wachowski-Brüder einem Subgenre, das vor gut 20 Jahren von der Bildfläche verschwand – und wohl von den wenigsten vermisst wurde. Der Ninjafilm ist ein Relikt der Achtzigerjahre und erlangte seinen eher zweifelhaften Ruf nicht zuletzt, weil er eine nicht ganz unwichtige Rolle in der damals hitzig geführten Horrorvideo-Debatte spielte. Schnell geriet er in den Fokus von Jugendschützern und Politikern, denen seine Gewaltdarstellungen ein Dorn im Auge waren. Doch die Aufmerksamkeit, die sie ihm entgegenbrachten, stand stets in krassem Missverhältnis zu seiner filmischen Bedeutung: Die Billigfilme, die da aus Ländern wie den Philippinen herüberschwappten, waren dilettantisch inszeniert und somit kaum ernst zu nehmen. Die Faszination, die von der Figur des Ninja ausging, ist aber kaum zu leugnen: Das markante Outfit, die Verbindung von asiatischer Kampfkunst, Waffenbeherrschung und Zauberei boten ausreichend Schauwerte für kurzweiliges und aufregendes Actionkino, doch leider haperte es meist an der Umsetzung: Die untrainierten Statisten, denen die undankbare Rolle des Kanonenfutters zukam, unterminierten die Glaubwürdigkeit einer Figur, die doch nahezu unbesiegbar sein sollte, und die miserablen und naiven Effekte raubten ihr noch die letzte Würde.

Mit diesem Dilettantismus und der Naivität, die bislang ebenso zum Ninjafilm gehörten wie Wurfsterne und Rauchbomben, ist es nun vorbei: Statt unbeholfen choreografierter Prügeleien gibt es nach allen Regeln der Martial-Arts-Filmkunst inszenierte Kämpfe, dank moderner Computereffekte werden auch die magischen Fähigkeiten der Ninjas zum ersten Mal so umgesetzt, dass sie nicht mehr nur zum schadenfrohen Lachen anregen, und Blut und Gliedmaßen fliegen in rauen Mengen über die Leinwand. Die oben geschilderte Szene, in der die Polizistin Mika in ihrer dunklen Wohnung von mehreren unsichtbaren Ninjas belagert wird, zählt zu den eindrucksvollsten in einem Film, der mit visuellen Ideen alles andere als sparsam umgeht, aber auch kaum verhehlen kann, dass er nicht viel mehr im Schilde führt. Erzählerisch hat NINJA ASSASSIN – wie seine historischen Vorläufer – wenig zu bieten: Sein schematisch ablaufender Plot ließe sich in einem Satz zusammenfassen, die Strategie, die Vorgeschichte des Ninja Raizo in Rückblenden zu erzählen, dient lediglich dazu, den Film zu verkomplizieren, und die in diesem Kontext reichlich absurde Kritik an staatlich legitimierter Folter ist zum Glück so halbherzig eingeflochten, dass sie kaum negativ auffällt. Die geradezu entwaffnende Schmucklosigkeit, mit der McTeigue seine Dialogszenen in der ersten Hälfte des Films im Stile einer Daily Soap inszeniert, ist programmatisch und lässt die zahlreichen Actionsequenzen im Kontrast umso aufwändiger erscheinen. Diese Dialogszenen sind es auch, die die Verwurzelung von NINJA ASSASSIN im B-Film offenbaren und an den oben erwähnten Dilettantismus andocken, der in den atemberaubenden Action-Set-Pieces vollkommen abwesend ist. Es ist diese uneinheitliche Verbindung aus einer auf Hochglanz polierten Oberfläche und der erzählerischen Einfalt, die McTeigues Film letzten Endes ein Bein stellt und den Eindruck erweckt, die Verantwortlichen hätten selbst nicht so genau gewusst, was sie mit diesen Ninjas eigentlich anfangen sollen. Ein ansehnlicher Actionfilm ist NINJA ASSASSIN zwar allemal geworden, dass er eine Renaissance des Ninjafilms einleiten wird, darf trotzdem bezweifelt werden. Ich lasse mich aber gern eines Besseren belehren.

Ninja Assassin
(USA/Deutschland 2009)
Regie: Lewis McTeigue; Drehbuch: Lewis McTeigue, J. Michael Straczinsky; Musik: Ilan Eshkeri; Kamera: Karl Walter Lindenlaub; Schnitt: Gian Ganziano, Joseph Jett Sally
Darsteller: Rain, Naomie Harris, Sho Kosugi, Rick Yune, Ben Miles, Yoon Sungwoong, Joon Lee u. a.
Länge: ca. 99 Minuten
Freigabe: FSK 18
Verleih: Warner Bros.

Dieser Text erschien zuerst auf www.schnitt.de

One Comment

  1. […] von „Ninja“ wird vor allem im direkten Vergleich mit dem letztjährigen, ungleich teureren „Ninja Assassin“ augenfällig, der uneinheitlich zwischen opulenten Actionszenen, mit allen Mitteln moderner […]

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