Ich bin ebenfalls der Meinung, dass vieles, was auf technischer Ebene als „nicht-linear“ bezeichnet werden könnte, oftmals hinter der Benutzeroberfläche verschwindet (etwa die Pixelstruktur des digitalen Bildes). Gleichwohl wird meines Erachtens die Aushebelung/Provokation von Linearität andererorts gerade in der Nutzungsdimension virulent, und zwar auf Ebene des Codezugriffs. Technische Medien wie Video erlauben eine direkte Manipulation der Zeitachse, während Schrift besagte Manipulation allerhöchstens erzählen kann. Aber auch dann operiert sie bereits wieder in einer narrativen, mithin linearen Logik.
Flusser koppelt, so wie ich es sehe, die Idee der Historie im Wesentlichen an die Kulturtechniken Schreiben und Lesen, und zwar vor der Erfindung des Computers. Eine Datenbank jedoch kennt die Kategorie der“Erzählung“ nicht, weshalb eine narrative Ordnung etwa im Internet in der Tat vom User hergestellt werden muss. Doch eben hier würde ich sehr wohl sagen, dass sich der Nutzer in einer medialen Umgebung von vielerlei Möglichkeit und wenig Notwendigkeit befindet. Auch wenn er eine bestimmte Verknüpfung abruft, tut er dies im Bewusstsein, dass es sich hierbei um die kontingente Selektion aus einem Pool an Möglichkeiten handelt. Der Unterschied zwischen Schrift- und Bitkultur wäre dann vielleicht jener zwischen einer Mono- und (provisorisch so genannten) Multilinearität.
M.W.
]]>Hätte jedoch einige Fragen zur Linearität in und Nichtlinearität zwischen Schrift und Digitalisierung.
Während die Fotografie an sich nicht linear ist, so wird sie zum Teil einer Linearität durch ihrer Integrierung im Film, zumindest aus der Perspektive des Zuschauers. Natürlich wird das durch die Digitalisierung zu einer virtuellen Linearität, aber im Fluss der Wahrnehmung wirkt sie normierend und wird zur Instanz.
Ich bewahre den Blick des Zuschauers und steige auf den User um, um das Hypertextuelle anzugehen, der meiner Meinung nach wiederum aus diesem Blickwinkel zu einer virtuellen Linearität findet. Denn aus der hypertextuell bedingten Anzahl von Möglichkeiten eines Weges findet der Zuschauer durch Wahl zu einem einzigen, der wiederum Linear, als Weg, wird.
Daher behalte ich mir vor zu behaupten, Nichtlinearität betrefflich des Films und des Internets, ebenso wie der Entwicklungen in Mathematik und anderen Wissenschaften, ändert nur die Wahrnehmung der sogenannten Spezialisten, der Schaffer. Und solange sie in Minderheit sind betrefflich eines Mediums oder eines Kontrukts worauf Nichtinearität anzuwenden ist, bleibt diese makrogesellschaftlich eine privilegierte Sache, die man nicht zum Teil eines Zeitgeistes erklären kann.
Sehe ich es falsch?