An ein paar Argumenten reibe ich mich allerdings doch:
1) Die Täter in „Hostel: Part 2“ leben keine Phantasien aus, die ihnen in der kapitalistischen Kultur versagt bleiben. Stattdessen führen sie (und die Organisatoren von Elite Hunting) die kapitalistische Kultur an ihr logisches Extrem. Der Mensch wird hier in der Tat vollends zu Ware, Beziehungen sind nur noch in Form ökonomischer Relationen denkbar, das Individuum ist immer kapitalistisches Subjekt und Objekt zugleich.
Besondere filmische Intelligenz in diesem Zusammenhang beweist Roth in Teil 1: Er zieht nicht nur eine bedenkenswerte Parallele zwischen den ökonomischen „Verwertungsstrukturen“, in denen sich die Prostituierten des Bordells in Amsterdam bewegen, und den Strukturen, in denen sich die Protagonisten im späteren Verlauf des Films befinden. Er löst sie auch in zwingenden Bildern auf: Wenn Paxton in der zweiten Hälfte durch den Gang läuft und rechts wie links durch die Türen die Perversitäten zu sehen bekommt, die Geschäftsmänner aus aller Welt „eingekauft“ haben, dann spiegelt das Joshs Weg durch den Korridor des Bordells. Er bekommt ebenfalls links und rechts durch die Türen die „Attraktionen“ zu sehen, die für Geld zu kaufen wären.
2) „Hostel“ erzählt mitnichten von der Mannwerdung im kapitalistischen System via gewalttätiger Negation desselben. Und ebenso wenig kann sich der Protagonist wirklich befreien, wie es die Konventionen des klassischen Unterhaltungskinos verlangen.
Roth legt durch seine stringente Narration vielmehr eine falsche Fährte. Denn natürlich soll der Zuschauer mit dem Entkommen um dem Obsiegen des „Helden“ rechnen. Es kommt aber doch ganz anders. Zwar kann Paxton den Mörder am Ende „besiegen“, aber doch nur, indem er sich derselben Praktiken bedient. Er steht demnach keineswegs außerhalb des kapitalistischen Verwertungssystems. Die Erkenntnis von „Hostel“ ist vielmehr, dass es daraus kein Entkommen mehr gibt.
Dementsprechend kann sich Paxton am Ende auch nicht befreien. Er bleibt stattdessen desillusioniert und traumatisiert zurück. „Hostel“ funktioniert also als Antithese zu Richard Slotkins am Westerngenre entlang aufgestellten These einer „regeneration through violence“. Dass Roth Paxton zu Beginn von „Hostel: Part 2“ dann als komplett gebrochenen Charakter erneut zeigt, beweist, dass er mitnichten entkommen ist.
Das Finale von „Part 2“ vervollständigt dann die Perspektive der beiden Filme auf das kapitalistische System: Entweder das Individuum unterwirft sich („Hostel: Part 2“) oder es wird zerstört („Hostel“).
Dennoch gilt wie eingangs erwähnt: Ich würde mich sehr freuen, mehr von diesen Texten bei f-lm zu lesen. Gerne zu Filmen, die kontrovers diskutiert wurden und werden.
Bestes, Markus
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