Enter the Umbrella!

Resident Evil – Afterlife 3D (USA 2010, Paul W.S. Anderson)

In gewisser Weise haben die Bilder der Filme Paul W.S . Andersons schon immer versucht, den Zuschauer anzuspringen. Anderson ist, was ihm häufig zum Vorwurf gemacht wird, kein Geschichtenerzähler im herkömmlichen Sinne – er lässt seine Bilder für sich sprechen und findet er das passende Bild für einen Effekt, dann kann das ruhig auch einmal zu Lasten der Plotlogik oder sogar der mathematischen und physikalischen Gesetze gehen. In „Resident Evil – Afterlife“ wird dieses Erzählen zur grundsätzlichen Methode, bei der Anderson die 3D-Inszenierung entgegenkommt. Die Story wird zusehends nebensächlich und rekrutiert sich aus Versatzstücken bekannter Genrefilme.

Abermals rückt die Heldin Alice (gespielt von Milla Jovovich, die zusammen mit ihrer Figur sichtbar gereift ist) gegen den übermächtigen und unterirdischen Umbrella-Konzern aus: Unter Tokio, das mittlerweile menschenleer und zombievoll ist, betreibt die Geheimorganisation immer noch Menschenexperimente. Ob sie damit die Zombieinvasion bekämpfen oder einfach nur neue, schreckliche biologische Waffen produzieren will, bleibt unklar. Der mit dem „T-Virus“ infizierten Alice, die dadurch scheinbar unverwundbar geworden ist, gelingt es gleich im Prolog, die Tokio-Basis von Umbrella zu sprengen. Ihr Widersacher Albert Wesker (Shawn Roberts) allerdings kann fliehen und spritzt Alice zuvor ein Gegenserum, das sie vom T-Virus befreit und damit wieder verwundbar macht. Dergestalt geschwächt macht sich die Heldin auf die Suche nach dem sagenhaften Arcadia. Die Spur führt sie zuerst nach Alaska, wo ihr die aus dem Prequel bekannte Claire Redfield (Ali Larter) begegnet, die ihr Gedächtnis verloren hat. Arcadia ist dort jedenfalls nicht. In Los Angeles entdecken die beiden Frauen eine Gruppe von Überlebenden in einem Gefängnis, das von Millionen Untoten umringt wird. In der Bucht vor L.A. schwimmt ein Schiff mit dem Namen Arcadia – das ist es, wonach alle gesucht haben …

Die Linearität, mit der „Resident Evil – Afterlife“ seine Geschichte erzählt, bleibt der Videospiel-Ästhetik treu. Informationen über die Figuren und die Plotgeheimnisse werden nur sukzessive weitergegeben. Im Zentrum steht Alice als Heldin, die – nun als Mensch unter Menschen – abermals eine Gruppe von Überlebenden vor zwei übermächtigen Feinden schützen und ins Paradies führen will. Aus der Tatsache ihrer „Entmachtung“ gewinnt ihre Darstellung jedoch kaum eine Innovation: Wie zuvor geriert sie sich als unverwundbar, ist eine toughe Kämpferin und – natürlich – eine der Überlebenden des Films; ihre Allmacht gewinnt sie jedoch nicht wieder, woraus sich für weitere Teile durchaus Potenzial schlagen lässt. Denn was ist langweiliger als einen unverwundbaren Superhelden gegen eine Horde Zombies antreten zu lassen?

Der 3D-Technologie gilt das eigentliche Augenmerk Andersons. Der Film ist komplett in 3D gedreht (und nicht wie viele andere erst in der Postproduktion „vertieft“ worden) und auch geschnitten worden. Was damit gemeint ist, wird angesichts der CGI-Inserts schnell klar. Anderson verwendet mehrfach die so genannte Bullet Time, um Kämpfe, insbesondere solche, in denen auch Bullets durch die Gegend fliegen, zu inszenieren. Dass damit mehr als einmal Reminiszenzen an die „Matrix“-Filme der Wachowskis geweckt werden, nimmt er billigend in Kauf; hat seine Verschwörungsgeschichte des übermächtigen Umbrella-Konzerns, der sozusagen eine Wirklichkeit unter der Alltagswirklichkeit ausgebreitet hat, doch ohnehin schon merkliche Ähnlichkeit zur Filmwelt von „Matrix“. Der Einsatz der Bullet Time vermag hier aber noch mehr: Er führt die Verwundbarkeit der Heldin plastisch vor Augen, denn wir erkennen bei jedem Einsatz der Technik, wie knapp Alice den Angriffen entkommt, wie dicht die Kugeln an ihr vorbei sausen usw. Dass sie sich körperlich dennoch behauptet, wird nicht zuletzt in ihrer Begegnung mit dem Riesenzombie deutlich, der mit einer übergroßen Streitaxt bewaffnet ist – und damit sehr an den Pyramid-Head aus „Silent Hill“ erinnert.

Gerade die in 3D gedrehten Actionszenen des Films sind fulminant. Sie bilden den Kern des Films und allein ihretwegen lohnt es sich, sich „Resident Evil – Afterlife“ im Kino anzusehen. Wie Roland Emmerich versteht es Paul W. S. Anderson meisterhaft seine Science-Fiction-Visionen in effektvolle Bilder und affektreiche Ästhetiken zu verpacken. Der von den Elektronikspezialisten Tomandandy komponierte Sountrack zum Film reiht sich nahtlos in diese Ästhetik ein. Und wie bei Emmerich bleiben Figuren und Erzählung zwar häufig hinter den audiovisuellen Kompositionen zurück, doch kann ein derartiges Erlebniskino gut mit dieser Reduktion umgehen – fast möchte man sagen, dass eine allzu gut ausgetüftelte und gespielte Geschichte nur unnötig vom grandiosen Rest des Films ablenken würde.

Resident Evil – Afterlife 3D
Regie & Buch: Paul W.S. Anderson; Musik: tomandandy; Kamera: Glen MacPherson; Schnitt: Niven Howie; Ausstattung: Arvinder Grewal
Darsteller: Milla Jovovich, Ali Larter, Kim Coates, Shawn Roberts, Sergio Peris-Mencheta, Spencer Locke, Boris Kodjoe u. a.
Länge: 97 Minuten
Verleih: Constantin

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