Von Leitthemen geprägt

Das filmwissenschaftliche Internet-Magazin “RabbitEye” ist gestartet

“Kaninchen und Zuschauer sind sich in ihrem rezeptiven Verhalten sehr ähnlich: Diszipliniert, in Ruhe verharrend, doch aufmerksam gegenüber neuen visuellen Eindrücken.” So begründet die Redaktion des neu entstandenen Internet-Magazins “RabbitEye” ihren Titel. Junge filmwissenschaftliche Forschung soll darin vernetzt werden. In zwei Ausgaben pro Jahr werden längere thematische Beiträge veröffentlicht und “Off Topic” zusätzlich Texte, die sich mit “dem Filmischen in den Medien” auseinandersetzen. “Es soll insbesondere um kognitive, narrative, bildwissenschaftliche und raumkonstituierende Aspekte des Films gehen”, so das Editorial der Seite. Die Möglichkeit zur Diskussion und zum Kommentieren ist darüber hinaus gegeben.

RabbitEye versteht sich als junges Forum für den wissenschaftlichen Nachwuchs und versucht damit auch eine Lücke in der deutschsprachigen Forschungslandschaft zu schließen”, so Oliver Schmidt. Zusammen mit drei Wissenschaftlern der Universitäten Bremen und Hildesheim gibt er das Magazin heraus. Im wissenschaftlichen Beirat befinden sich zudem namhafte Filmwissenschaftler aus ganz Deutschland. Artikel erscheinen in “RabbitEye” als PDFs, was die angekündigte Möglichkeit eines Echtzeit-Kommentars zunächst problematisch erscheinen lässt, jedoch die Bibliografierbarkeit der Texte wesentlich besser gewährleistet als den unterschiedlichsten Anzeigemodi unterworfenes HTML. Anstelle eines Forums bietet das Magazin einen Newsletter an, der dann Debatten offen steht – es wäre natürlich wünschenswert, wenn diese dann auch veröffentlicht würden.

In der ersten Ausgabe von “RabbitEye” stehen sieben Aufsätze und ein Diskussionspapier noch ohne Leitthema nebeneinander. Hier untersucht Gerhard Jens Lüdeker Möglichkeiten einer ethisch akzentuierten Filmanalyse – unter anderem an der TV-Serie “Dexter”, Dominik Orth widmet sich der in letzter Zeit wieder verstärkt diskutierten Fokalisierungstheorie Genettes und wendet diese auf filmische Wirklichkeitskonstruktionen (etwa zu Kurosawas “Rashomon” an – worin er nicht der erste ist) und Oliver Schmidt widmet sich der Frage, ob der Animationsfilm “Wall-E” die Konventionen des Genres Familienfilm hin zum Experimentellen überschreitet.

Die zweite Ausgabe von “RabbitEye”, für die bereits ein Call for Papers geschaltet ist, wird sich dann dezidiert dem Schwerpunkt-Thema “Der filmische Raum” widmen, zu dem in den letzten Jahren ebenfalls eine Legion unterschiedlichster film- und medienwissenschaftlicher Publikationen erschienen sind. Die Möglichkeit, die Sekundärliteratur hier in den Bereich junger Forschung zu ergänzen und zu diskutieren und dabei mittels des Online-Formates Publikationshürden zu meiden sowie echte (das heißt zeitnahe) Debatten zu initiieren, wird sich zu diesem Anlass beweisen können.

Der seit der Popularisierung des World-Wide-Webs gehegte Wunsch online interaktive Forschung-Diskurse zu pflegen, könnte hier für die Filmwissenschaft einen Weg weisen – auch dafür scheint das Bild des Kaninchens eine passende Metapher zu sein:

Gleichzeitig weist das Kaninchen – in der Tradition von Alice im Wunderland – den Weg in eine andere Welt, wie etwa die absurde ‚Rabbit-Familie‘ in David Lynchs Inland Empire oder das Tattoo in The Matrix: „…follow the white rabbit!“

Weitere Informationen: RabbitEye – Zeitschrift für Filmforschung

[SH]

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