Jeep Creep

Monster Man, USA 2003, Michael Davis

Adam und Harley sind nicht unbedingt die besten Freunde, als die Reise beginnt. Der schüchterne Adam macht sich auf den Weg zu seiner Exfreundin Betty-Ann, der er kurz vor ihrer Hochzeit seine wahre Liebe gestehen will. Harley, das erfahren wir nach und nach, ist penetranter Konkurrent Adams gewesen und schließt sich ihm aus demselben Grunde an. Die Konflikte zwischen den beiden jungen Männern eskalieren als sie schließlich Sarah, eine Anhalterin, aufnehmen, die beiden schöne Augen macht. Die Fahrt nach Westen wird zusehends grotesker, als die drei in eine Gegend kommen, in der ein mysteriöser „Monster Truck“ sein Unwesen treibt. Der Stahlkollos mit Rädern so groß wie ein gesamtes Auto, verfolgt Adam, Harley und Sarah und versucht sie mehrfach von der Straße abzudrängen. Aus Angst und Unverständnis wenden sich die drei an Einheimische und erfahren, dass der Truck schon seit langer Zeit auf der Suche nach Opfern ist, denen er verschiedene Körperteile „entwendet“: Die meisten Passanten, auf die die drei Helden treffen, sind an irgendeiner Stelle ihres Körpers amputiert. Schließlich holt der Monster-Truck auch Adam, Harley und Sarah ein und es beginnt eine dramatische Rettungsaktion, die Aufklärung in das Mysterium bringt.

Michael Davis neunter Film steht in der Tradition von Spielbergs Duell (1971), der das Thema des „unbekannten Straßendämons“ zuerst auf die Leinwand brachte. Diese seit dem oft variierte Erzählung stellt so etwas wie eine Urangst des modernen Großstadtmenschen dar: Die vermeintliche Freiheit der Landstraße entpuppt sich nach und nach als fremdes Territorium, dessen Verletzung zunächst Bedrohung/Verfolgung und schließlich den Tod nach sich ziehen soll. Das simple Konstrukt birgt parabolisches Potenzial: Die Begegnung mit dem Verdrängten wird visualiert als Begegnung mit dem „Verdränger“ und als existenzielles Problem markiert, an dem der Held sich zu beweisen hat, bevor er in einen neuen, reiferen Lebensabschnitt eintreten darf.

Diesem Prinzip, das zuletzt sehr Gewinn bringend durch J.-B. Andrea und Canepa Fabrices Dead End (2003) sowie Victor Salvas Jeepers Creepers (2001) variiert wurde, folgt zunächst auch Monster Man. Doch in einem Punkt begeht das Drehbuch – wie auch das von Jeepers Creepers – den entscheidenden Fehler: Auf dem Höhepunkt der Handlung wird das Verdrängte/Verdrängende bebildert, erklärt und in seiner Bedrohlichkeit damit vollständig dekuvriert. Es bekommt ein Gesicht, wird profan und das „Monster“ wird zum „Man“. Damit ist der Grusel aus der Erzählung heraus und der ursprüngliche Dämon entpuppt sich als typischer Redneck aus dem Deliverance-Universum. Als sich kurz vor Schluss dann noch eine Kaskade mit quasi-mysteriösen Erklärungsversuchen der Bösewichte anschließt (die in ihrer Ausführlichkeit jeden James Bond-Bösewicht blass aussehen lässt), ist die Luft aus der Story endgültig heraus und die Enttäuschung über den Film groß.

Doch halt! Das ist nicht alles, was über Monster Man gesagt werden muss. Denn bis es zu diesem fatalen Umschwung kommt, wartet der Film mit grotesken Gags, blutrünstigen Einfällen, äußerst makabrem Humor und drei hinreißend authentischen und spielfreudigen Darstellern auf. Das komische Potenzial des Films, das sicherlich eine gehörige Portion schwarzen Humors und einen stabilen Magen voraussetzt, rettet Monster Man im Gesamteindruck und macht so manches verzeihlich. So bleibt also ein Film, der eine spannende Geschichte erzählt, fantastische Darsteller präsentiert und durch seine Komik das Potenzial zum „Partyfilm“ mitbringt, weil er auch eine skurrile Romanze ist – und dass, obwohl die beiden Jungs nie bei ihrer Jugendliebe Betty-Ann ankommen.

Monster Man
(USA 2003)
Regie & Buch: Michael Davis
Kamera: Matthew Irving; Schnitt: Kevin D. Ross; Musik: John Coda
Darsteller: Eric Jungmann, Justin Urich, Aimee Brooks u. a.
Verleih: Kinowelt; Länge: 91 Minuten (uncut)


Die DVD von Kinowelt

Bild und Ton des 2003 auf dem Fantasy Filmfest noch im Rough-Cut vorgestellten Films Monster Man sind ohne Makel auf die DVD gebracht. Die eigentümlich hohe Farbsättigung ist ein Ästhetikum des Films: starke Gelbfilter und Rottöne unterstreichen die groteske, wüstenhafte Situation, in der sich die Protagonisten wiederfinden.

Die Aussattung der DVD ist solide und weist neben dem für DVDs mittlerweile üblichen “Making of”, Sezenenfotos und Künstlerbiografien eine Handvoll “Deleted Scenes” auf.

Die Daten im Einzelnen:

# Bild: 1:1,78 (16:9 anamorph)
# Sprachen/Ton: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1
# Untertitel: Deutsch
# Extras: Making of, Fotogalerie, Trailer, Animatic, Gag Reel

Veröffentlichung: 04.05.2004 (Kinowelt)
Keine Jugendfreigabe

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