»Sometimes I feel like a motherless child«

Tobe Hooper ist wieder da! Nach neunjähriger Kinoabstinenz – sein letzter Film für die Leinwand war die Stephen King-Adaption The Mangler (1995) – wartet der Mitbegründer des Terrorfilms nun mit einem Remake auf: The Toolbox Murders. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Slashermovie aus dem Jahre 1978 von Dennis Donnelly, welcher wiederum locker auf „wahre Begebenheiten“ einer Mordserien von 1967 zurückgeht.

Das junge Ehepaar Nell (Angela Bettis) und Stephen Barrows (Brent Roam) ziehen in ein Apartmenthaus. Stephen ist Arzt mit Bereitschaftsdienst und lässt seine Frau daher zumeist allein in der noch renovierungsbedürftigen Wohnung. Überhaupt wird viel gewerkelt und gehämmert in dem seltsamen Haus. Der Handwerkerkrach kann Nell jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es um einige nachbarschaftliche Existenzen merkwürdig bestellt ist: Streits, Schlägereien und dann wieder lautes Lustgestöhne dringt durch die dünnen Wände. Als sie aus der Nachbarwohnung eines Tages einen verzweifelten Hilferuf und dann Schmerzensschreie hört, ruft sie die Polizei. Doch die kann weder einen Hinweis auf ein Verbrechen noch besagte Nachbarin finden. Auf demselben Flur mit Nell wohnt Julia (Juliet Landau), mit der sie sich anfreundet. Als auch diese plötzlich spurlos verschwindet, geht Nell vereinzelten Hinweisen, die sie von einem langjährigen Bewohner des Hauses erhält, nach. Dabei stößt sie auf die dunkle Vergangenheit des Hauses, dämonische Vorgänge zwischen den Wänden und schließlich auf einen mit Werkzeug bewaffneten Mörder, der dort schon viel zu lang sein Unwesen treibt.

Während sich Donellys Film noch vornehmlich als realistischer Slasherfilm verstand und seinen psychopathischen Killer so grausam wie möglich darzustellen versuchte (das Lied, dessen Titel diese Kritik schmückt, pflegte er seinen Opfern zur Beruhigung vorzusingen), möbelt Hooper den Stoff durch handfeste Horrorelemente auf: So ist sein „haunted Hochhouse“ von seltsamen Zeichen übersät, die – so erfährt die Protagonistin – eine Art Schutz vor bösen Mächten darstellen. Gegen den mietermordenden Handwerker scheinen sie allerdings wenig zu nützen: Der arbeitet sich von Opfer zu Opfer und setzt dabei – gestreng dem Konzept des creative killing folgend – jedes Mal ein anderes Werkzeug als Mordwaffe ein. Dass Tobe Hooper dabei weniger zimperlich in der Inszenierung der Morde vorgeht als seine filmische Vorlage, dürfte nicht verwundern. So zeigt uns der Film neben einigen schon fast witzig arrangierten Hinrichtungen etwa eine Szene, in der einem Mann im Stehen mit einem Bolzenschneider die Wirbelsäule durchgeknipst wird – der darauf folgende unangenehme Todeskampf wird der deutschen Zensur sicherlich Kopfzerbrechen bereiten.

Nachdem Tobe Hooper nach dem 1986 gedrehten fulminanten Sequel zu seinem Erstlingswerk The Texas Chainsaw Massacre (1974) kaum noch gute, ja nicht einmal mehr interessante Filme zuwege gebracht hat, wirkt The Toolbox Murders fast schon wie eine Frischzellenkur. Sicherlich: Der Film ist ein bekennendes B-Picture mit einer ebensolchen Story und Ausstattung; doch ahnt man hinter all dem exploitativen Handwerk Hoopers Originalität, wenn es um den filmisch präsentierten Terror geht. Gestützt wird sein Remake dabei nicht nur von einer sehr ansprechenden Optik (allein die Kamerafahrten und Verfolgungsjagden in den Wänden sind mehr als sehenswert), sondern vor allem auch von seiner Hauptdarstellerin Angela Bettis. Diese hat bereits das kümmerliche TV-Remake Carrie (2002) gerettet und in dem Psycho-Horrordrama May (2002) eine unglaublich gute Darstellung geboten. Überhaupt scheint sie die Idealbesetzung für das weibliche Mauerblümchen mit horriblem Potenzial zu sein. In The Toolbox Murders spielt sie, weniger ambivalent, die positive Heldin – und das so gut, dass allein schon ihretwegen auch ein zweiter Besuch des Films lohnt.

The Toolbox Murders
(USA 2003)
Regie: Tobe Hooper
Buch: Jace Anderson & Adam Gierasch; Kamera: Steve Yadlin; Musik: Joseph Conlan; Schnitt: Andrew Cohen
Darsteller: Angela Bettis, Juliet Landau, Brent Roam, Chris Doyle u. a.
Verleih: N. N., 94 Minuten

Die DVD von Kinowelt

Neben dem Hauptfilm enthält die DVD noch verschiedene Trailer und ein „Making of“. Bei letzterem hätte man den Platz jedoch anderweitig besser nutzten sollen. Eine recht aufdringliche junge Reporterin, ausgerüstet mit bauchfreiem Top und klischeevollem Kopf besucht die Dreharbeiten zu „The Toolbox Murders“, interviewt Regisseur Hooper, Schauspieler und Produzenten. Alles, was dieses „Making of“ zusammen trägt, lässt sich bestens unter dem Begriff „Werbung“ zusammen fassen. Eine PR-Schlagzeile nach der anderen wird dort vor laufender Kamera produziert. Der Informationsgehalt indes tendiert gegen Null.

Was die Ausstattung der DVD zu wünschen übrig lässt, macht sie durch Bild- und Tonqualität wieder wett. Wie üblich bei den Produkten aus dem Hause Kinowelt kommt die Präsentation in gestochen scharfem Bild (dessen Kontrastreichtum vor allem in den dunklen Szenen des Films zur Geltung kommt) und tadellosem Ton daher. Neben der deutschen Tonspur gibt es eine englische Originalfassung zu hören und optionale deutsche Untertitel.

Die Ausstattung im Einzelnen:

Bild: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch (5.1 Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Trailer
FSK: ab 18 Jahre
Preis: 16,98 Euro

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